Experten erwarten durch Finanzkrise kaum negative Folgen auf Konjunktur 21.11.2007
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Finanzmarktkrise wird das weltweite Wirtschaftswachstum nach Einschätzung von Experten nur leicht dämpfen. "Die Stimmung ist schlechter als die Lage", sagte der Leiter der Abteilung Konjunktur beim Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), Joachim Scheide, am Mittwoch in Frankfurt. Die jüngsten Turbulenzen dürften zwar auch in der Realwirtschaft "Bremsspuren" hinterlassen, eine Rezession sei aber nicht zu befürchten. Das Wachstumstempo werde sich in fast allen Regionen der Welt nur verlangsamen.
"Alles spricht dafür, dass es recht glimpflich abläuft", sagte Scheide. Allerdings habe das Risiko einer Rezession in den USA in jüngster Zeit etwas zugenommen. Insbesondere die kräftige Stimmungseintrübung bei den US-Konsumenten dürfte die nach wie vor recht geringe Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den USA von zuletzt 20 Prozent auf inzwischen wohl 30 Prozent erhöht haben. Der Konsum in den USA werde im kommenden Jahr aber nicht einbrechen, sondern nur langsamer wachsen, erwartet Scheide. Die US-Notenbank dürfte die Konjunktur mit weiteren zwei Leitzinssenkungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte auf dann 4,00 Prozent stützen. In der zweiten Jahreshälfte 2008 sei so eine leichte Beschleunigung des Wachstums zu erwarten. Das Jahr 2009 dürfte bereits deutlich besser ausfallen.
´KEINE SCHLECHTE KONJUNKTURLAGE´
Auch DZ-Bank-Chefvolkswirt Hans Jäckel bleibt trotz der jüngsten Turbulenzen insgesamt positiv gestimmt. Die Wirtschaft in der Eurozone dürfte auch 2008 moderat wachsen. Für Deutschland sei dann ein Wirtschaftswachstum von 2,1 Prozent zu erwarten, nach 2,5 Prozent 2007. Das Wachstum liege damit weiter über dem Potenzial. "Das ist keine schlechte Konjunkturlage", betonte Jäckel. Die Belebung auf dem Arbeitsmarkt dürfte beim privaten Konsum im kommenden Jahr zu einem deutlichen Wachstum von zwei Prozent führen. "Das ist der Befreiungsschlag aus der langjährigen Konsumflaute", sagte Jäckel.
Das größte Risiko ist aus Sicht von Jäckel derzeit der Ölpreis. Sowohl Jäckel als auch Scheide halten das derzeitige Niveau von fast 100 US-Dollar je Barrel (159 Liter) allerdings für spekulativ übertrieben. Während Jäckel für das kommende Jahr im Durchschnitt einen Ölpreis von knapp 70 US-Dollar erwartet, geht Scheide von durchschnittlich 80 US-Dollar aus. Auch die Dollar-Schwäche ist nach Einschätzung von Jäckel übertrieben. Der Kurs des Euro dürfte Ende 2008 bei 1,37 US-Dollar liegen. Erst am Mittwoch hatten der US-Ölpreis mit 99,20 Dollar und der Euro mit 1,4855 Dollar neue Rekordstände erreicht./jha/jb/mf/
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