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ESG-Fonds unter Druck: Artikel-9 verliert an Bedeutung - Rüstung und Regulierung verändern den Markt - Fondsnews
22.04.26 09:01
Scope Fund Analysis GmbH
Berlin (www.fondscheck.de) - Nachhaltige Fonds erleben einen signifikanten Wandel, so die Experten der Scope Fund Analysis GmbH.
Während sogenannte hellgrüne Fonds nach Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung (SFDR) deutlich wachsen würden, würden streng nachhaltige Artikel-9-Fonds sowohl an Zahl als auch an verwaltetem Vermögen verlieren. Geopolitische Verschiebungen und regulatorische Anpassungen würden das Marktumfeld prägen.
Zum Stichtag 28. Februar 2026 seien in Deutschland 584 Artikel-9-Fonds mit einem Volumen von 207 Mrd. Euro zugelassen gewesen - ein Rückgang von rund 7% bei Anzahl und Vermögen binnen eines Jahres. Artikel-8-Fonds hätten im gleichen Zeitraum deutlich zulegen können: Ihre Zahl sei auf 6.623 Fonds gestiegen, das verwaltete Vermögen sei um rund 1,4 Billionen Euro auf 5,76 Billionen Euro gewachsen. Artikel-8-Produkte würden von geringeren Einschränkungen bei der Portfoliozusammensetzung profitieren.
Geopolitik wirke bis ins Fondsportfolio
Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung sei der steigende Stellenwert von Verteidigung und fossilen Energien aufgrund der Politik der US-Regierung und infolge geopolitischer Krisen. Der erhöhte Investitionsdruck auf Europa wirke sich direkt auf die Kapitalmärkte aus: Rüstungsunternehmen würden zu den stärksten Performern zählen, was deren Aktien für Anleger attraktiv mache.
Die EU-Offenlegungsverordnung erlaube nachhaltigen Fonds unter bestimmten Bedingungen Investitionen in Rüstungstitel. Das gehe so weit, dass selbst Produkte, die sich auf diese Branche fokussieren würden, das Label eines hellgrünen Fonds tragen dürften. Die EU-Taxonomie als weiteres maßgebliches Regelwerk für ESG-Investitionen stufe Rüstung dagegen nicht als nachhaltige wirtschaftliche Aktivität ein.
ESMA-Leitlinien würden zu massiven Fonds-Umbenennungen führen
Einen weiteren Einschnitt markiere die Umsetzung der ESMA-Leitlinien zu Fondsnamen, die seit Mai 2025 für alle Fonds gelten würden. Innerhalb von rund einem Jahr sei die Zahl der Fonds mit ESG-Bezug im Namen um 29% gesunken, das entsprechende Fondsvermögen um 18%. Insgesamt seien 610 Fonds umbenannt worden - etwa jeder vierte Fonds, dessen Name im Oktober 2024 einen Nachhaltigkeitsbezug gehabt habe. Besonders stark rückläufig sei die Verwendung allgemein nachhaltigkeitsbezogener Begriffe (-41,6%).
Die Auswertung zeige zudem, dass größere Fonds den höheren Compliance-Aufwand häufiger akzeptiert hätten als kleine. Letztere hätten ihre Fondsnamen häufiger angepasst oder Nachhaltigkeitsbegriffe ganz gestrichen.
Mehr Regulierung, weniger Daten
Paradox wirke aus Sicht der Fondsmanager die regulatorische Gesamtlage: Einerseits würden für sie die Anforderungen an Transparenz und Nachweisführung steigen, andererseits sinke durch Erleichterungen für Unternehmen bei EU-Taxonomie und der Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) die Verfügbarkeit granularer Nachhaltigkeitsdaten. Eine strengere direkte Regulierung treffe damit auf eine indirekte Deregulierung.
Nachhaltige Geldanlagen würden nicht vollständig an Bedeutung verlieren, aber ihren Charakter verändern. Flexiblere ESG-Konzepte würden an Gewicht gewinnen, während streng definierte Nachhaltigkeitsfonds unter Druck geraten seien. Gleichzeitig würden geopolitische Realitäten und regulatorische Eingriffe neue Akzente setzen. Für Anleger und Fondsanbieter werde es dadurch schwieriger - aber auch wichtiger -, Nachhaltigkeitsversprechen genau einzuordnen. (News vom 21.04.2026) (22.04.2026/fc/n/s)
Während sogenannte hellgrüne Fonds nach Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung (SFDR) deutlich wachsen würden, würden streng nachhaltige Artikel-9-Fonds sowohl an Zahl als auch an verwaltetem Vermögen verlieren. Geopolitische Verschiebungen und regulatorische Anpassungen würden das Marktumfeld prägen.
Zum Stichtag 28. Februar 2026 seien in Deutschland 584 Artikel-9-Fonds mit einem Volumen von 207 Mrd. Euro zugelassen gewesen - ein Rückgang von rund 7% bei Anzahl und Vermögen binnen eines Jahres. Artikel-8-Fonds hätten im gleichen Zeitraum deutlich zulegen können: Ihre Zahl sei auf 6.623 Fonds gestiegen, das verwaltete Vermögen sei um rund 1,4 Billionen Euro auf 5,76 Billionen Euro gewachsen. Artikel-8-Produkte würden von geringeren Einschränkungen bei der Portfoliozusammensetzung profitieren.
Geopolitik wirke bis ins Fondsportfolio
Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung sei der steigende Stellenwert von Verteidigung und fossilen Energien aufgrund der Politik der US-Regierung und infolge geopolitischer Krisen. Der erhöhte Investitionsdruck auf Europa wirke sich direkt auf die Kapitalmärkte aus: Rüstungsunternehmen würden zu den stärksten Performern zählen, was deren Aktien für Anleger attraktiv mache.
ESMA-Leitlinien würden zu massiven Fonds-Umbenennungen führen
Einen weiteren Einschnitt markiere die Umsetzung der ESMA-Leitlinien zu Fondsnamen, die seit Mai 2025 für alle Fonds gelten würden. Innerhalb von rund einem Jahr sei die Zahl der Fonds mit ESG-Bezug im Namen um 29% gesunken, das entsprechende Fondsvermögen um 18%. Insgesamt seien 610 Fonds umbenannt worden - etwa jeder vierte Fonds, dessen Name im Oktober 2024 einen Nachhaltigkeitsbezug gehabt habe. Besonders stark rückläufig sei die Verwendung allgemein nachhaltigkeitsbezogener Begriffe (-41,6%).
Die Auswertung zeige zudem, dass größere Fonds den höheren Compliance-Aufwand häufiger akzeptiert hätten als kleine. Letztere hätten ihre Fondsnamen häufiger angepasst oder Nachhaltigkeitsbegriffe ganz gestrichen.
Mehr Regulierung, weniger Daten
Paradox wirke aus Sicht der Fondsmanager die regulatorische Gesamtlage: Einerseits würden für sie die Anforderungen an Transparenz und Nachweisführung steigen, andererseits sinke durch Erleichterungen für Unternehmen bei EU-Taxonomie und der Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) die Verfügbarkeit granularer Nachhaltigkeitsdaten. Eine strengere direkte Regulierung treffe damit auf eine indirekte Deregulierung.
Nachhaltige Geldanlagen würden nicht vollständig an Bedeutung verlieren, aber ihren Charakter verändern. Flexiblere ESG-Konzepte würden an Gewicht gewinnen, während streng definierte Nachhaltigkeitsfonds unter Druck geraten seien. Gleichzeitig würden geopolitische Realitäten und regulatorische Eingriffe neue Akzente setzen. Für Anleger und Fondsanbieter werde es dadurch schwieriger - aber auch wichtiger -, Nachhaltigkeitsversprechen genau einzuordnen. (News vom 21.04.2026) (22.04.2026/fc/n/s)


