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Türkei: Neue politische Krise belastet die Wirtschaft


20.01.14 16:00
DekaBank

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Eine unbehagliche Ruhe herrscht in der Türkei nach den politischen Spannungen, die am 17./18 Dezember anfingen und über die Weihnachtstage ihren Höhepunkt erreicht hatten, so die Analysten der DekaBank.

Der Ausgangspunkt der Spannungen seien die Korruptionsvorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen namhafte Geschäftsleute mit Beziehungen zu der Regierungspartei AKP gewesen. Erdogan habe die Staatsanwaltschaft der Unterwanderung durch Anhänger der Bewegung des in den USA lebenden islamischen Predigers Fethullah Gülen beschuldigt, die besonders in Justiz und Polizei der Türkei über Einfluss verfüge.

Hintergrund der Korruptionsvorwürfe solle ein Machtkampf zwischen Erdogans und der Bewegung der Gülenisten sein. Es sei hervorzuheben, dass die Gülenisten lange Zeit im Bündnis mit der AKP-Regierung gewesen seien, bevor es zwischen den Gruppierungen im vergangenen Jahr zu Spannungen gekommen sei. Premierminister Erdogan habe rasch das Kabinett umgebildet. Insgesamt sechs Abgeordnete hätten die Regierungspartei AKP verlassen, ohne die solide Mehrheit zu gefährden.

Trotzdem sei es zu Verwerfungen an den Märkten gekommen. Die Türkische Lira habe deutlich abgewertet und habe nun die Marke von 2,20 TRY/USD geknackt. Die Schwäche der Lira dürfte in einem höheren Inflationsdruck münden. Positiver sei der Effekt der Abwertung hinsichtlich des Abbaus der außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte zu sehen, denn sie dürfte einen weiteren Rückgang des Leistungsbilanzdefizits in diesem Jahr ermöglichen.

Die türkische Wirtschaft sei dynamisch und gut diversifiziert. Allerdings würden außenwirtschaftliche Ungleichgewichte und schwache Institutionen eine Belastung für die wirtschaftliche Entwicklung darstellen. Obwohl wichtige Probleme, wie die niedrige Sparquote oder die Abhängigkeit von Energieimporten, adressiert würden, würden die durchgeführten Maßnahmen noch Zeit brauchen, um Wirkung zu zeigen.

Das Land habe in den vergangenen Jahren große Fortschritte hinsichtlich der Haushaltskonsolidierung und beim Schuldenabbau gemacht, und die Regierung dürfte ihre verantwortungsvolle Fiskalpolitik auch in den kommenden Jahren fortsetzen. Das Wachstum sollte mittelfristig vom soliden inländischen Konsum und immer mehr von der Erholung in Europa profitieren.

Die Rating-Agentur Moody's habe Mitte Mai 2013 die Bonitätseinschätzung der Türkei auf Baa3 angehoben. Fitch habe in einem unerwarteten Schritt bereits Anfang November 2012 die Türkei auf investment grade heraufgestuft. Die Entscheidungen seien vor allem mit den Erfolgen der Türkei bei der Haushaltskonsolidierung in den vergangenen Jahren und einer geringeren Anfälligkeit der Türkei für externe Schocks begründet worden. Die öffentliche Verschuldung sei in den vergangenen Jahren zurückgegangen und betrage aktuell etwa 40% des BIP, Tendenz weiter fallend.

Zudem sei die Bonität der Türkei im März 2013 von Standard & Poor's auf BB+ angehoben worden - diese sei die einzige Rating-Agentur, die die Türkei unterhalb des investment grades sehe. Die gestiegenen politischen Spannungen und ihre negative Auswirkungen auf die Finanzierungsfähigkeit der Türkei würden eine weitere Heraufstufung zunächst unwahrscheinlich machen.

Die Türkei sei auf externe Finanzierung angewiesen. In der Vergangenheit sei dieser Bedarf durch einen Zufluss an Portfolioinvestitionen gedeckt worden, die vor allem in den lokalen Rentenmarkt geflossen seien. Im aktuellen Umfeld erhöhter Unsicherheit an den Kapitalmärkten dürften diese Zuflüsse abnehmen. Die hohen Währungsreserven von über 100 Mrd. US-Dollar würden jedoch ein gutes Liquiditätspolster bieten. (20.01.2014/fc/a/m)