Mischfonds: Stunde der Wahrheit


16.12.15 11:59
Euro Advisor Services GmbH

München (www.fondscheck.de) - Bereits 1950 wurde der erste Mischfonds mit dem Namen Fondra (Fonds für Renten und Aktien) (ISIN DE0008471004 / WKN 847100) von der Fondsgesellschaft ADIG (aufgegangen in Allianz Global Investors) aufgelegt, so die Experten der Euro Advisor Services GmbH.

Doch es sollte noch etliche Jahre dauern, bis Anleger Mischfonds für sich entdeckt hätten: Erst mit der Finanzkrise hätten die Fonds - die in Anleihen und Aktien investieren würden - in den letzten Jahren so richtig an Popularität gewinnen können. Mittlerweile hätten Mischfonds Rentenfonds als zweitgrößte Fondsgruppe abgelöst, so der Branchenverband BVI. Doch es sei nicht alles Gold was glänze, finde die Sauren Fonds-Service AG. "Angesichts niedriger Zinsen, die kaum noch die Fondskosten decken, scheint eine Zeitenwende gekommen", würden die Autoren der Studie "Zeitwende bei Mischfonds" schreiben. Es gelte, die Rendite/Risiko-Perspektiven der Investitionen in Mischfonds zu prüfen. "Erste Hinweise auf das geänderte Marktumfeld lassen sich bereits seit April 2015 am Markt erkennen." Weder durch ein gelungenes Markt-Timing noch durch eine erfolgreiche Titelselektion seien Mehrwerte erzielt worden. "Die Erwartungshaltung vieler Anleger hat sich nicht erfüllt."

Dieser Ansatz könnte jedoch zu kurz gegriffen sein. Reto Niggli, Manager des Swisscanto(LU) Portfolio Fund Balanced, betone: "Bei einem Mischfonds halte ich die langfristige Perspektive für wichtig." Das vergangene Jahr sei mit einem Plus von gut zehn Prozent sehr stark ausgefallen. Das aktuelle Jahr stelle mit einem Abschluss im grünen Bereich bereits ein gutes Ergebnis dar.

Auch Wolfgang Juds, Geschäftsführer von Credo Vermögensmanagement, halte das Grundprinzip der Risikostreuung weiterhin für sinnvoll. Es spreche für diese Anlageklasse, betone er gegenüber "dpa". Mischfonds hätten ein Grundbedürfnis vieler Anleger bedient: "Sie möchten die Vorteile und Chancen der Aktienanlage mit geringem Risiko kombinieren." Allerdings sollten die Anleger ihre Renditeerwartung an das aktuelle Umfeld anpassen. Kursverlusten könnten Fondsmanager nur mit Flexibilität begegnen, ergänze Alexander Stütz, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Portfolio Concept. "Die höhere Freiheit des Fondsmanagements und das flexible Anpassen der Gewichtungen in einzelne Anlageklassen sind die Hauptargumente für Mischfonds", füge Jan Sobotta, Leiter Sales Ausland bei Swisscanto Asset Management hinzu.

Im laufenden Jahr am besten schlage sich der Crocodile Capital 1 Global Focus B (ISIN LU0327738422 / WKN A0M57V). Er erreiche ein Plus von 48,7 Prozent. Alleine in den zurückliegenden sechs Monaten würden 23 Prozent hinzukommen. Damit sei er zusätzlich Spitzenreiter in diesem Zeitraum. Auch 2014 habe der Fonds ähnlich gut abschneiden können - 36,7 Prozent sei es damals hoch gegangen. 2011, 2012 und 2013 habe der Fonds jedoch Verluste geschrieben. In fünf Jahre erwirtschafte er 74,8 Prozent. 67,7 Millionen Euro seien in den Fonds investiert, der mit einer TER von 1,3 Prozent relativ günstig sei. Mit rund 40 Prozent investiere der Fonds in Renten und zu rund 39 Prozent in Aktien.

In den vergangenen sechs Monaten erreiche auch der NW Global Strategy A eine Spitzenposition, im Vergleich zum Crocodile-Fonds sei er mit einem Zuwachs von rund acht Prozent aber weit abgeschlagen. Im laufenden Jahr erziele er ein Plus von 26,5 Prozent. Seit seiner Auflegung 2008 betrage der Wertzuwachs 42,7 Prozent. Vergleichsweise sei dieser Fonds aber teuer: 2,36 Prozent betrage die TER.

Im laufenden Jahr die größten Verluste schreibe der Riße Inflation Opportunities (ISIN DE000A1JUWR/ WKN A1JUWR). Er stehe mit 37 Prozent im Minus. Seit seiner Auflegung habe er bereits 36,6 Prozent eingebüßt. Gleichzeitig gehöre er mit rund 3,7 Millionen Euro zu den kleinsten Fonds. 1,4 Prozent Gebühren würden Investoren für den Fonds zahlen.

Der größte Mischfonds der Peergroup sei der CarmignacPatrimoine - 25, 4 Milliarden Euro seien in den Fonds investiert. Bisher erreiche der Fonds einen Zuwachs von 2,2 Prozent in 2015. Auch über vier Jahre könnten die Fondsmanager Edouard Carmignac und Rose Ouahba noch nicht wirklich überzeugen, der Fonds erhalte die FondsNote 3 - sie messe das Rendite/Risiko-Verhältnis. Über 20 Jahre jedoch erziele der Fonds eine Wertentwicklung von 435,3 Prozent - mehr als die 20-Jahre-Performance aller anderen Fonds im Vergleich. 1,78 Prozent betrage die TER für das Schwergewicht.

Seit Auflegung am erfolgreichsten präsentiere sich der Oppenheim Portfolio E. Er erwirtschafte seit 1971 989 Prozent. Mittelfristig trage jedoch auch er die FondsNote 3. In 2015 erziele er einen Zuwachs von 6,6 Prozent, 0,3 Prozent in den vergangenen sechs Monaten. 44,8 Millionen Euro seien in den Fonds investiert. Mit einer TER von 1,92 Prozent gehöre er zu den etwas teureren Fonds im Vergleich.

Die niedrigste Gebühr stelle der Südinvest in Rechnung. 0,04 Prozent betrage die TER. In 2015 generiere der Fonds 2,6 Prozent. Mittelfristig trage er die FondsNote 3. In zehn Jahren stehe der Fonds mit 9,5 Prozent im Minus. Aktuell betrage das Fondsvermögen 219,8 Millionen Euro. Zu den sehr teuren Fonds gehöre der Stability Core Satellite Strategie: 4,75 Prozent betrage die TER. Bisher erziele der Fonds ein Plus von 2,6 Prozent in 2015. Seit seiner Auflegung 2008 verliere er dennoch 3,2 Prozent. Das Fondsvermögen belaufe sich auf rund drei Millionen Euro.

Mit der FondsNote 1 bewertet werde beispielsweise der Ampega Balanced3. 20,2 Prozent erziele er im laufenden Jahr. Auch 2013 und 2014 schließe der Fonds sehr gut ab. Seit seiner Auflegung 2007 erziele er eine Wertentwicklung von 108,4 Prozent. Zudem sei der Fonds mit einer TER von 0,54 Prozent sehr günstig. 62,8 Millionen Euro sei der Fonds insgesamt groß. Auch der Multi Opportunities III (ISIN LU0198959040 / WKN A0B7UM) trage die Spitzennote 1. Auch hier seien die Gebühren mit 0,9 Prozent niedrig. 2015 erreiche er bisher ein Plus von 10,2 Prozent. In zehn Jahren wachse er um 102,8 Prozent. 164,8 Millionen Euro betrage das Fondsvermögen. In der Kategorie Mischfonds Aktien und Anleihen global falle auf: Alle Fonds, die die FondsNote 1 tragen würden, hätten ein TER von maximal 1,7 Prozent und seien damit relativ günstig.

Im Schnitt erziele die gesamte Kategorie in 2015 bisher ein Plus von 6,5 Prozent. Damit müssten sie sich der Kategorie Aktienfonds International geschlagen geben - sie wachse mit 12,4 Prozent. In den vergangenen sechs Monaten würden Mischfonds im Schnitt zudem 3,4 Prozent verlieren, Aktienfonds dagegen nur 2,9 Prozent. In drei Jahren würden Mischfonds jedoch maximal 9,3 Prozent verlieren, während Aktienfonds 13,4 Prozent im selben Zeitraum einbüßen würden. Die längste Verlustphase in drei Jahren dauere bei beiden sechs Monate. (Ausgabe Dezember 2015) (16.12.2015/fc/a/f)