Transaktionskosten unter Mifid II Teil zwei: Große Übersicht nach Anbietern - Fondsnews


23.02.18 10:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Europas Asset Manager setzen höchst unterschiedliche Schätzwerte für die Transaktionskosten ihrer Fonds an. Das geht aus der ausführlichen Analyse von "FONDS professionell" ONLINE zu diesem Thema hervor, die die Redaktion in drei Teilen veröffentlicht.

Die Schätzwerte für die Transaktionskosten seien seit diesem Jahr Pflicht - der EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II sei Dank. Die Zahl fließe in die Berechnung der Produktkosten ein und sei somit Teil der Kostenaufklärung für die Privatanleger. Weil es jedoch keinen Standard der Berechnung gebe, herrsche aufseiten der Anbieter und Vertriebe große Unsicherheit. Darum nähere sich "FONDS professionell" ONLINE diesem Thema mit einem ersten Marktüberblick auf Basis von Morningstar-Daten.

Morningstar Direct weise zu mehr als 40.000 Anteilsklassen mit Vertriebszulassung in Deutschland und Österreich Transaktionskosten-Schätzungen aus. Morningstar berechne diese Daten nicht selbst, sondern verlasse sich auf die Zulieferung der Fondsgesellschaften. "FONDS professionell" ONLINE habe diese Angaben nach Anbietern ausgewertet.

Dabei sei die Redaktion denkbar simpel vorgegangen: Ermittelt worden sei jeweils der Durchschnittswert aller Anteilsklassen eines Anbieters, zu denen ein entsprechender Eintrag vorgelegen habe. Es habe keine Gewichtung nach Fondsvolumen stattgefunden. Außerdem sei nicht berücksichtigt worden, nach welchem Verfahren die Transaktionskosten-Schätzungen ermittelt worden seien. Verbreitet seien zum einen die "Arrival Price"-Methode, zum anderen das "New PRIIPs"-Verfahren, die bei ein- und demselben Fonds zu völlig unterschiedlichen Werten führen könnten.

Wie die Ergebnisse für einen einzelnen Fonds konkret ausfallen würden, hänge außerdem stark von den verwendeten Kursdaten und der detaillierten Methodik ab. Klare Vorgaben des Regulators oder ein einheitlicher Branchenstandard würden bislang fehlen. Deshalb folge an dieser Stelle ein wichtiger "Disclaimer": Die von der Redaktion veröffentlichten Daten seien kaum miteinander vergleichbar.

Das habe mehrere Gründe: Der eine Anbieter gebe sich größte Mühe, zu plausiblen Ergebnissen zu kommen, der andere lagere die Berechnung als lästige Pflicht an einen Dienstleister aus, der die geforderte Kennzahl lieblos anhand der Portfolioaufstellung und der Umschlagshäufigkeit ermittle. Bei manchen Gesellschaften verzerre ein einzelner Fonds das Ergebnis, nur weil er viele Anteilsklassen aufweise und in der Auswertung deshalb häufiger gezählt worden sei.

Der eine Asset Manager möge im Vergleich zum Gesamtmarkt besonders günstig aussehen, dabei liege der wahre Grund für das scheinbar gute Abschneiden darin, dass er vor allem Aktienfonds mit Standardwerten anbiete, die nun mal billig zu handeln seien. Der Spezialist für Schwellenländeranleihen dagegen wirke womöglich teuer, obwohl er in seiner Nische vielleicht besonders günstig sei.

Zudem würden sich die Daten ständig ändern. Viele Anbieter seien selbst noch nicht mit ihren Berechnungen zufrieden, weil sie wissen würden, wie realitätsfern sie zum Teil noch seien, und würden ihre Angaben daher häufig aktualisieren. Und, noch wichtiger: Es handle sich per Definition um Schätzwerte. Wie hoch die Transaktionskosten rückblickend tatsächlich ausfallen würden, wisse heute noch niemand.

Sprich: Es gebe Dutzende Gründe, den von "FONDS professionell" ONLINE angestellten Pauschalvergleich anzuzweifeln. Dennoch habe sich die Redaktion dazu entschieden, ihn zu veröffentlichen. Ziel sei eine erste Momentaufnahme, ein erster Blick auf ein für die Branche völlig neues Thema - nicht mehr und nicht weniger.

Einige Häuser würden in der Auflistung fehlen. Das könne mehrere Gründe haben. Manche Anbieter sind hierzulande so unbekannt, dass die Redaktion auf eine Nennung verzichtete, so die Experten von "FONDS professionell". Andere Häuser hätten ihre Daten nicht an Morningstar gemeldet. Verpflichtend sei diese Meldung nicht, schließlich gebe es andere Möglichkeiten, die geforderten Angaben an die Vertriebspartner zu übermitteln - etwa über den Dienstleister WM Datenservice oder auf direktem Weg per Mail mit Excel-Anhang.

Der wohl größte Anbieter, der in der Übersicht fehle, sei die Deka. Das Wertpapierhaus der deutschen Sparkassen versende die entsprechenden Mifid-II-Dokumente nicht an Datendienstleister. Die Deka könne sich das erlauben, da sie dank des Exklusivvertriebs über die Sparkassen nicht auf externe Vertriebspartner angewiesen sei. Der Frankfurter Anbieter habe seine Daten "FONDS professionell" ONLINE auch auf Anfrage nicht schicken wollen. Zur Begründung habe ein Deka-Sprecher gemeint, es sei zu früh, um wirklich aussagekräftige Daten liefern zu können. Außerdem habe sich noch kein Industriestandard etabliert.

Um die Notwendigkeit eines solchen Standards zu unterstreichen, sei es manchmal allerdings hilfreich, auch unausgereifte Daten zu veröffentlichen - was hiermit geschehen sei.

Legal & General IM weise für fünf seiner insgesamt acht bei Morningstar aufgeführten Anteilsklassen mit Zulassung in Deutschland und Österreich negative Transaktionskosten-Schätzwerte aus. Der britische Anbieter wende zur Berechnung das "Arrival Price"-Verfahren an, das zu solch bizarren Ergebnissen führen könne. Bei Bantleon verzerre der Bantleon Select Global Technology mit minus 1,84 Prozent den Durchschnittswert - die Schätzwerte für alle anderen Fonds seien positiv. Die Hannoveraner Bank verweise auf die kurze Historie und die wenigen Transaktionen des Technologiefonds, die mit der "Arrival Price"-Methode zu der veröffentlichten Angabe geführt hätten. Die Werte würden nochmals auf Plausibilität überprüft.

Aviva Investors weise für 56 Anteilsklassen negative und für 25 Tranchen positive Werte aus. "Wir haben unsere Mifid-Transaktionskostenschätzung nach den technischen Richtlinien berechnet. Wie bei vielen Fonds der Branche hat dies zu negativen Zahlen geführt", teile der Anbieter mit.

WWK, LOYS, DNB und BayernInvest würden die "New PRIIPs"-Methode anwenden. "Der im Branchenvergleich geringe Wert resultiert aus der im Durchschnitt relativ geringen Anzahl an Transaktionen", teile die BayernInvest mit. Ähnliches gelte für WWK und LOYS. Die WWK biete zudem vor allem Dachfonds an, und der Handel mit Zielfondsanteilen sei recht günstig. Bei Dimensional, Vanguard und State Street handle es sich um Index- oder indexnahe Fonds, in denen kaum Transaktionen stattfänden.

Die im Durchschnitt höchsten Schätzwerte für die Transaktionskosten weise Mandarine Gestion aus. Das liege vor allem am Aktienfonds Mandarine Valeur, dessen 2,58 Prozent den Schnitt nach oben ziehen würden. Die Strategie des Fonds erfordere mitunter eine hohe Handelsaktivität, teile der Anbieter mit.

Bei RAM Active hätten nur zu wenigen Fonds Daten vorgelegen. Diese würden in Schwellenländeranleihen investieren oder Hedgefonds-ähnliche Strategien verfolgen, was die recht hohen Transaktionskosten erkläre. Auch bei der Man Group und Lyxor würden Alternative-Fonds das Feld dominieren, bei denen oft ein hoher Portfolioumschlag zur Anlagestrategie gehöre.

"FONDS professionell" ONLINE habe Morningstar gebeten, die zehn Asset Manager mit dem größten Vermögen in europäischen Publikumsfonds (ohne Geldmarktfonds und ETFs) herauszufiltern. Die Transaktionskosten-Schätzwerte dieser Anbieter - genauer gesagt den Durchschnitt aller Anteilsklassen mit Vertriebszulassung in Deutschland oder Österreich - seien wie folgt: BlackRock (334) 0,48; Amundi (242) 0,14; UBS AM (212) 0,12; DWS (167) 0,36; J.P. Morgan AM (160) 0,37; Union Investment (155) 0,18; Schroders (150) 0,41; Fidelity (149) 0,36; PIMCO (147) 0,34; Nordea AM (139) 0,28.

Hier würden nicht die größten Anbieter Europas gezeigt, sondern die Häuser mit dem größten Deutschlandgeschäft laut Statistik des nationalen Branchenverbands BVI. Aufgeführt würden nur Anbieter, die ihre Absatzzahlen dem BVI melden würden, einige große ausländische Asset Manager würden deshalb fehlen. Auch reine ETF-Anbieter seien außen vorgeblieben. Die Deka fehle in der Übersicht, weil sie ihre Transaktionskostenschätzungen nicht an Morningstar liefere: DWS (245,3) 0,36; Union Investment (144,5) 0,18; Allianz Global Investors (143,2) 0,11; Universal-Investment (27,6) 0,28; Flossbach von Storch (23,1) 0,16; Franklin Templeton (20,3) 0,32; Fidelity International (14,2) 0,36; Amundi (Ex-Pioneer; 13,4) 0,14. (News vom 21.02.2018) (23.02.2018/fc/n/s)





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