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Schroders: Wie man ein nachhaltiges Kreditportfolio aufbaut
19.07.23 12:00
Schroders
London (www.fondscheck.de) - Von der Berücksichtigung des Pariser Abkommens bis hin zur Entwicklung des richtigen Ausschlussverfahrens - Saida Eggerstedt, Head of Sustainable Credit bei Schroders, stellt fünf Punkte vor, die ein nachhaltiges Kreditportfolio ausmachen.
Attraktive risikoadjustierte Renditen haben für Portfoliomanager:innen wie uns, die ein nachhaltiges Portfolio verwalten, ebenso Priorität wie für alle anderen Manager:innen in unserer Peergroup, so die Experten von Schroders. Die Experten würden jedoch einen anderen Ansatz verfolgen. Hier seien fünf Grundsätze, die sie empfehlen würden, um Kreditportfolios nachhaltiger zu gestalten.
1. Wie man die Klassenbesten finde
Bei nachhaltigen Investitionen sei es entscheidend, Nuancen zu erkennen und die "Klassenbesten" zu betrachten, also jene Assets, die in ihrer Gruppe die Besten seien. Die Hotelindustrie beispielsweise sei relativ wasser- und stromintensiv, jedoch würden einige Unternehmen innerhalb dieses Sektors glaubwürdige Maßnahmen ergreifen, um diese Themen anzugehen.
Ein weiteres Beispiel: Unternehmen mit Lieferketten in Schwellenländern hätten mehr Kontroversen erlebt als Unternehmen in den entwickelten Märkten. Das bedeute nicht, dass man diese Unternehmen meiden sollte, sondern dass Anleger:innen das tatsächliche Umfeld verstehen müssten. Die Experten seien zum Beispiel in ein Bekleidungsunternehmen investiert, dessen Lieferkette sich zu einem großen Teil in Asien befinde und das (nach Meinung der Experten) bei Themen wie verantwortungsvoll hergestellter Baumwolle, Stakeholder-Engagement und Diversität glaubwürdig agiere.
Unabhängig davon, ob groß oder klein und aus welchem Land: Es gebe Unternehmen, die in ihrem Sektor, ihrem Land, ihrer Region oder ihrer Ratinggruppe führend seien. Die Aufgabe von Analyst:innen bestehe daher darin, die Herausforderungen in jedem Kontext zu verstehen, um so Top-Unternehmen von Nachzüglern zu unterscheiden.
2. Das Erzielen von Alpha durch die Identifizierung von Optimierungsmöglichkeiten
Die Experten wollten in die besten Unternehmen der Branche investieren, aber sie würden auch großen Wert darauf legen, diejenigen Unternehmen zu finden, die Optimierungspotenzial hätten. Hätten Unternehmen vielleicht ihr Optimum noch nicht ganz erreicht, könnten die Experten mit ihnen zusammenarbeiten, um mehr Offenlegung und Transparenz zu erreichen, bis zu dem Punkt, an dem sie zuversichtlich genug seien, zu investieren. Investiere man frühzeitig in ein Unternehmen, das sich in die gewünschte Richtung entwickele, könne dies eine Diversifizierung und langfristige Alpha-Chancen bieten.
Vor allem Verbesserungen in der Unternehmensführung seien ein guter Indikator für den finanziellen Wert und die Nachhaltigkeit. Unternehmen, die bei der Priorisierung begrenzter natürlicher Ressourcen und der Zusammenarbeit mit ihren Stakeholdern klug vorgehen würden, hätten tendenziell niedrigere Finanzierungskosten und weniger Abweichungen in ihren Geschäftsplänen.
3. Engagement: Verbindung von Forschung und Beziehungsmanagement
Ein aktives Engagement setze voraus, das Geschäftsmodell eines Unternehmens in- und auswendig zu kennen und das Umfeld, in dem es agiere, zu verstehen. Finanzielle und nachhaltige Aspekte seien oft miteinander verflochten. Zu den Investitionen der Experten gehöre zum Beispiel die Eigentümergesellschaft einer Budget-Hotelkette, die in Europa expandiere. In einem Gespräch hätten die Experten kürzlich erörtert, wie wichtig es für die Gesellschaft sei, mit einem niedrigen Verschuldungsgrad das Investment-Grade-Rating beizubehalten. Die Experten hätten auch über die Pläne der Gesellschaft gesprochen, in neuen Hotels erneuerbare Energien einzusetzen, was den zusätzlichen wirtschaftlichen Vorteil habe, dass das Unternehmen seine Energierechnungen besser kontrollieren könne.
4. Der Schlüssel zu einem auf das Pariser Abkommen ausgerichteten Portfolio
Um ein Portfolio so zu gestalten, dass die Pariser Klimaziele von einer Erderwärmung unter 2 Grad Celsius erreicht würden, sei es wichtig, den aktuellen Zustand eines Unternehmens zu bewerten und dessen Entwicklung zu evaluieren. Dafür würden die Experten zunächst die aktuellen Emissionen eines Unternehmens betrachten. Dann würden sie bewerten, wie streng die Ziele für die Emissionsreduzierung seien, welche Ressourcen für die Erfüllung dieser Ziele bereitgestellt würden und ob das Unternehmen auf dem richtigen Weg sei, sie zu erreichen. Ein Teil der Informationen stamme aus externen Datenbanken wie etwa von MSCI oder Bloomberg, aber der Großteil der Informationen stamme aus Bottom-up-Analysen und direkten Gesprächen mit dem Management. Investor:innen sollten nicht nur Scope-1- und Scope-2-Emissionen betrachten, sondern auch Scope-3-Emissionen, um die CO2-Emissionen in der vor- und nachgelagerten Phase der Lieferkette zu erfassen.
5. Unternehmen ausschließen - auf die intelligente Art
Das Anlegen einer guten Ausschlussliste erfordere mehr Überlegung, als viele Menschen denken würden. Es gebe zahlreiche unterschiedliche Möglichkeiten, Emittent:innen und Sektoren auszuschließen, die für die Umwelt und die Gesellschaft schädlich seien, und Anleger:innen müssten entscheiden, wann sie die Unternehmen vollständig ausschließen und wie sie Grenzwerte für Umsätze aus unerwünschten Aktivitäten festlegen würden. Auf Länderebene würden Daten von Organisationen wie Freedom House und Transparency International dabei helfen, Länder mit einem niedrigen Menschenrechtsniveau und einem hohen Maß an Korruption auszuschließen. Durch den Ausschluss eines Unternehmens, werde es unweigerlich Phasen geben, in denen das Portfolio schlechter als andere abschneide, eben weil bestimmte Unternehmen bzw. deren Anteile nicht im Portfolio enthalten seien. Langfristig gesehen seien die Experten jedoch der Meinung, dass eine solche Auswahl mehr Nutzen als Schaden bringe. Aus dem Blickwinkel des Risikomanagements könnten auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Portfolios so weniger volatil sein. (19.07.2023/fc/n/s)
Attraktive risikoadjustierte Renditen haben für Portfoliomanager:innen wie uns, die ein nachhaltiges Portfolio verwalten, ebenso Priorität wie für alle anderen Manager:innen in unserer Peergroup, so die Experten von Schroders. Die Experten würden jedoch einen anderen Ansatz verfolgen. Hier seien fünf Grundsätze, die sie empfehlen würden, um Kreditportfolios nachhaltiger zu gestalten.
1. Wie man die Klassenbesten finde
Bei nachhaltigen Investitionen sei es entscheidend, Nuancen zu erkennen und die "Klassenbesten" zu betrachten, also jene Assets, die in ihrer Gruppe die Besten seien. Die Hotelindustrie beispielsweise sei relativ wasser- und stromintensiv, jedoch würden einige Unternehmen innerhalb dieses Sektors glaubwürdige Maßnahmen ergreifen, um diese Themen anzugehen.
Ein weiteres Beispiel: Unternehmen mit Lieferketten in Schwellenländern hätten mehr Kontroversen erlebt als Unternehmen in den entwickelten Märkten. Das bedeute nicht, dass man diese Unternehmen meiden sollte, sondern dass Anleger:innen das tatsächliche Umfeld verstehen müssten. Die Experten seien zum Beispiel in ein Bekleidungsunternehmen investiert, dessen Lieferkette sich zu einem großen Teil in Asien befinde und das (nach Meinung der Experten) bei Themen wie verantwortungsvoll hergestellter Baumwolle, Stakeholder-Engagement und Diversität glaubwürdig agiere.
Unabhängig davon, ob groß oder klein und aus welchem Land: Es gebe Unternehmen, die in ihrem Sektor, ihrem Land, ihrer Region oder ihrer Ratinggruppe führend seien. Die Aufgabe von Analyst:innen bestehe daher darin, die Herausforderungen in jedem Kontext zu verstehen, um so Top-Unternehmen von Nachzüglern zu unterscheiden.
2. Das Erzielen von Alpha durch die Identifizierung von Optimierungsmöglichkeiten
Vor allem Verbesserungen in der Unternehmensführung seien ein guter Indikator für den finanziellen Wert und die Nachhaltigkeit. Unternehmen, die bei der Priorisierung begrenzter natürlicher Ressourcen und der Zusammenarbeit mit ihren Stakeholdern klug vorgehen würden, hätten tendenziell niedrigere Finanzierungskosten und weniger Abweichungen in ihren Geschäftsplänen.
3. Engagement: Verbindung von Forschung und Beziehungsmanagement
Ein aktives Engagement setze voraus, das Geschäftsmodell eines Unternehmens in- und auswendig zu kennen und das Umfeld, in dem es agiere, zu verstehen. Finanzielle und nachhaltige Aspekte seien oft miteinander verflochten. Zu den Investitionen der Experten gehöre zum Beispiel die Eigentümergesellschaft einer Budget-Hotelkette, die in Europa expandiere. In einem Gespräch hätten die Experten kürzlich erörtert, wie wichtig es für die Gesellschaft sei, mit einem niedrigen Verschuldungsgrad das Investment-Grade-Rating beizubehalten. Die Experten hätten auch über die Pläne der Gesellschaft gesprochen, in neuen Hotels erneuerbare Energien einzusetzen, was den zusätzlichen wirtschaftlichen Vorteil habe, dass das Unternehmen seine Energierechnungen besser kontrollieren könne.
4. Der Schlüssel zu einem auf das Pariser Abkommen ausgerichteten Portfolio
Um ein Portfolio so zu gestalten, dass die Pariser Klimaziele von einer Erderwärmung unter 2 Grad Celsius erreicht würden, sei es wichtig, den aktuellen Zustand eines Unternehmens zu bewerten und dessen Entwicklung zu evaluieren. Dafür würden die Experten zunächst die aktuellen Emissionen eines Unternehmens betrachten. Dann würden sie bewerten, wie streng die Ziele für die Emissionsreduzierung seien, welche Ressourcen für die Erfüllung dieser Ziele bereitgestellt würden und ob das Unternehmen auf dem richtigen Weg sei, sie zu erreichen. Ein Teil der Informationen stamme aus externen Datenbanken wie etwa von MSCI oder Bloomberg, aber der Großteil der Informationen stamme aus Bottom-up-Analysen und direkten Gesprächen mit dem Management. Investor:innen sollten nicht nur Scope-1- und Scope-2-Emissionen betrachten, sondern auch Scope-3-Emissionen, um die CO2-Emissionen in der vor- und nachgelagerten Phase der Lieferkette zu erfassen.
5. Unternehmen ausschließen - auf die intelligente Art
Das Anlegen einer guten Ausschlussliste erfordere mehr Überlegung, als viele Menschen denken würden. Es gebe zahlreiche unterschiedliche Möglichkeiten, Emittent:innen und Sektoren auszuschließen, die für die Umwelt und die Gesellschaft schädlich seien, und Anleger:innen müssten entscheiden, wann sie die Unternehmen vollständig ausschließen und wie sie Grenzwerte für Umsätze aus unerwünschten Aktivitäten festlegen würden. Auf Länderebene würden Daten von Organisationen wie Freedom House und Transparency International dabei helfen, Länder mit einem niedrigen Menschenrechtsniveau und einem hohen Maß an Korruption auszuschließen. Durch den Ausschluss eines Unternehmens, werde es unweigerlich Phasen geben, in denen das Portfolio schlechter als andere abschneide, eben weil bestimmte Unternehmen bzw. deren Anteile nicht im Portfolio enthalten seien. Langfristig gesehen seien die Experten jedoch der Meinung, dass eine solche Auswahl mehr Nutzen als Schaden bringe. Aus dem Blickwinkel des Risikomanagements könnten auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Portfolios so weniger volatil sein. (19.07.2023/fc/n/s)


