Portfoliomanager: "Ich betrachte meine Investments ganz emotionslos" - Fondsnews


17.07.24 12:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Markus Herrmann hat 2020 den Nebenwertefonds Loys Premium Dividende gestartet, so die Experten von "FONDS professionell".

Warum er schon früh unbedingt Portfoliomanager habe werden wollen und wie er investiere, erzähle er bei einem Spaziergang in Frankfurt.

Gut, dass der Treffpunkt das Traditionscafé Laumer im Frankfurter Westend sein solle, denn an einen Spaziergang sei nicht zu denken. In der Mainmetropole gieße es in Strömen an diesem Aprilmorgen. Da sei er schon. "Guten Morgen, Markus Herrmann, freut mich", sage er gut gelaunt. "Es war wohl die richtige Entscheidung, heute nicht in Hochstadt spazieren zu gehen", schmunzele er. Seinen Wohnort, rund zehn Kilometer östlich von Frankfurt gelegen, hätte er zwar gern vorgestellt. "Aber bei diesem 'Oldenburger Wetter' hätte sich das nicht gelohnt", sage er.

Oldenburg? Dort habe sein Arbeitgeber, die Fondsboutique Loys, ihre Wurzeln. Markus Herrmann sei im Januar 2020 zu Loys gekommen, habe dort gleich seinen Fonds Loys Premium Dividende gestartet, der auf europäische Nebenwerte setze. Trotz Corona-Krise werbe er bereits in den ersten sechs Wochen nach der Auflage 60 Millionen Euro ein, obwohl für das Gesamtjahr nur 50 Millionen Euro projektiert gewesen seien. Heute bringe der Fonds gut 110 Millionen Euro auf die Waage.

"Sollen wir starten?", frage der Portfoliomanager. "Im Grüneburgpark kann man schön spazieren gehen und der Regen hört auf", sage er. Los gehe es. Die Heimat des "Wahl-Frankfurters" liege in Emmendingen bei Freiburg. Dort komme Markus Herrmann 1987 zur Welt. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder wachse er auf, spiele gern Fußball und sehr erfolgreich Tischtennis. Der spätere Berufsweg sei schon in der Grundschule grob vorgezeichnet: Etwas mit Geld solle es sein.

Kurz vor dem Abitur im Jahr 2007 beginne der Gymnasiast zu investieren. Er sei 17 Jahre alt, sein Vater müsse für ihn die Aktien kaufen. Aber die Anlageentscheidungen des Schülers würden recht oft ins Schwarze treffen. Der Grund dafür sei einfach: Die Börsen würden zu dieser Zeit nur eine Richtung kennen - nach oben.

Als am 15. September 2008 die US-Investmentbank Lehman Brothers zusammenbreche, wolle Markus Herrmann der Börse nicht abschwören, im Gegenteil. "Erstens wollte ich mir das Geld, das ich mit meinen Investments verloren hatte, zurückholen", berichte er. Viel schwerer wiege jedoch die Tatsache, dass ihn das Thema Geldanlage nicht mehr loslasse. Schnell stehe fest, dass er beruflich investieren möchte.

"Mir wurde damals klar, dass ich als Fondsmanager ein riesiges Allgemeinwissen brauchen würde, denn einfach alles beeinflusst die Aktienkurse", sage er. Genau das fasziniere ihn bis heute: Wissen aufbauen in vielen Bereichen, statt sich nur auf einem Gebiet auszukennen. Als er sein duales BWL-Studium im Herbst 2011 abschließe, solle der Berufswunsch in die Tat umgesetzt werden. Die Frage sei nur - wo? Die Frankfurter Fondsboutique Lupus Alpha biete dem unerfahrenen, aber brennenden Investmentfan eine Einstiegschance. Und die werde zur Initialzündung.

Als er ein Jahr in der Firma sei, habe plötzlich ein größerer Kunde Interesse an einem Fonds, der europäische Nebenwerte mit stabilen Dividendenausschüttungen kombinieren solle. Ein solches Konzept gebe es 2012 noch nicht. In der Fondsboutique habe niemand Zeit, die Investmentstrategie zu entwickeln. Daher werde Herrmann mit der Sache betraut. Für das neue Fondskonzept wähle er Aktien kleiner und mittlerer Firmen mit Sitz in Europa aus, die bereits über viele Jahre hinweg Dividenden ausschütten würden.

Im November 2012 lege die Investmentboutique den Lupus Alpha Dividend Champions auf. Auch wenn sich der Fonds anfangs schwertue, stehe sein Arbeitgeber hinter dem frischgebackenen Fondsmanager - und es lohne sich. Bis 2020 habe der Fonds sein Volumen von zehn auf 400 Millionen Euro gesteigert, über fünf Jahre hinweg zähle er gar zum besten Prozent aller Fonds seiner Vergleichsgruppe.

Anfang Januar 2020 wechsele Herrmann zu Loys. Hier starte er sofort den Loys Premium Dividende, der das gleiche Konzept verfolge wie der Lupus Alpha Dividend Champions. Auch für diesen Fonds wähle Herrmann aus einem Anlageuniversum von rund 2.000 europäischen Nebenwerten etwa 200 Unternehmen aus. "Die Firmen müssen eine solide Bilanz mit geringem Verschuldungsgrad und stabile Umsätze aufweisen", erkläre er. Zudem müssten sie zehn Jahre in Folge stets Dividenden ausgezahlt und in der vergangenen Dekade keine Kürzungen von mehr als 15 Prozent vorgenommen haben.

Seien die Kriterien erfüllt, ermittele Herrmann den freien Cashflow für die nächsten fünf Jahre. Erst wenn er einen deutlichen Preisabschlag zum inneren Wert erkenne, werde eine Firma wirklich interessant. 30 Titel würden sich im Portfolio des Loys Premium Dividende finden.

"Wenn die Nummer 30 im Portfolio 20 Prozent weniger Performancepotenzial aufweist als das aussichtsreichste noch nicht investierte Unternehmen, wird ausgetauscht", erläutere Herrmann. "Als Aktienfondsmanager verliebt man sich ja immer wieder mal in ein Unternehmen und findet allerlei Gründe, den Titel zu halten, auch wenn es nicht mehr so gut läuft", schmunzele er. "Aber damit betrügt man sich selbst. Mir ist es wichtig, meine Investments ganz emotionslos zu betrachten." (17.07.2024/fc/n/s)






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