Pharma- und Biotech-Fonds: Fünf Bestseller unter dem Mikroskop - Fondsnews


29.08.23 12:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Maximilian Kreitlmeier entscheidet mit seinem Team, welche Fonds auf der Empfehlungsliste des Münchner Maklerpools Fonds Finanz landen, so die Experten von "FONDS professionell".

Hier analysiere er fünf Investmentprodukte, mit denen Anleger auf den Gesundheitssektor setzen könnten.

Der MSCI World gelte vielen Aktienanlegern als der Goldstandard der langfristigen Geldanlage. Kaufen und liegen lassen laute meist die Devise. Und tatsächlich sei ein ETF auf den globalen Aktienmarkt über die letzten zehn Jahre nur sehr schwer zu schlagen gewesen. Aber: "Fast unbemerkt gelang es einem als langweilig verschrienen Sektor, diese Performance zu übertreffen", merke Maximilian Kreitlmeier an, Teamleiter Portfoliomanagement und Analyse beim Münchner Maklerpool Fonds Finanz. "Die globale Gesundheitsbranche ist nicht nur ein Renditebringer, sie ist bei genauem Hinsehen auch noch viel spannender als ihr Ruf."

Ob Inflation, Wirtschaftskrise oder Spannungen zwischen den globalen Supermächten - an der Gesundheit werde nicht gespart, meine der Chefanalyst. Zusätzlich sorge der demografische Wandel für strukturelles Wachstum im ganzen Sektor. "Ob die Wertentwicklung von Gesundheitsfonds auch in Zukunft überdurchschnittlich hoch ausfallen wird, hängt zum großen Teil von der immer wieder diskutierten Regulierung der Medikamenten- und Behandlungspreise in den USA ab", so Kreitlmeier.

"Es gibt deswegen Fondsmanager, die nicht nur auf die von der drohenden Regulierung besonders betroffenen Big-Pharma-Firmen setzen, sondern darüber hinaus in Subsektoren mit Innovationskraft investieren." Kreitlmeier stelle deshalb vier beliebte aktiv gemanagte Fonds und einen ETF vor, die allesamt nicht nur in die typischen Pharmawerte anlegen, sondern den Gesundheitssektor weiter fassen würden.

Fonds-Finanz-Teamleiter Maximilian Kreitlmeier analysiere fünf Fonds aus dem Healthcare-Segment:

Ein passiver Pharma-Platzhirsch: Xtrackers MSCI World Health Care ETF
- Volumen: 1,7 Mrd. Euro
- Wertentwicklung über 10 Jahre: +11,7% p. a. (MSCI World Health Care: +11,9% p. a.)
- Wertentwicklung 2023 (bis 31.07.2023): -1,2% (MSCI World Health Care: -1,2%)

Wer passiv und kostengünstig in Gesundheitsaktien investieren wolle, komme um den ETF aus dem Hause Xtrackers nicht herum. Mit 1,7 Milliarden Euro Volumen sei er nicht nur der größte hierzulande erhältliche ETF auf den MSCI World Health Care Index, sondern auch einer der ältesten dieses Segments. Schon 2010 sei ein synthetisch replizierendes Vorgängerprodukt an den Start gegangen, das dann 2016 mit dem hier vorgestellten physisch replizierenden Vehikel fusioniert worden sei. Zweimal habe Xtrackers seither zum Vorteil der Anleger die Gebühren auf aktuell 0,25 Prozent jährlich gesenkt.

Der ETF überzeuge nicht nur wegen seiner langen Historie. Im Vergleich zur Morningstar-Vergleichsgruppe "Branchen: Gesundheitswesen" liege seine Wertentwicklung mit +11,7% p. a. im Zehnjahreszeitraum deutlich vor dem Durchschnitt der aktiven Fondsmanager (+9,3% p. a.) sowie vor dem MSCI World (+11,4%). Hervorzuheben sei zudem, dass der ETF eine nahezu identische Volatilität (-16,2%) und einen geringeren maximalen Verlust als der Kategoriedurchschnitt (-18,2%) aufweise. Ein Blick ins Portfolio zeige, warum.

Die zehn größten Titel, die rund 40 Prozent des Portfolios bilden würden, bestünden überwiegend aus den in Krisenzeiten äußerst ertragsstabilen Mega-Caps des Pharmasektors wie Johnson & Johnson, Eli Lilly, Astra Zeneca oder Novo Nordisk. Im Index seien zu rund 14 Prozent aber auch kleinere Biotechwerte wie die Firma Regeneron Pharmaceuticals zu finden. Unternehmen aus dem Bereich der Medizintechnik wie die US-Firma Stryker würden 16 Prozent des Index ausmachen.

Somit weise der ETF durchaus eine gewisse Diversifizierung auf. Auf Länderebene würden US-Unternehmen hingegen mit knapp 70 Prozent den Löwenanteil des Portfolios ausmachen, weit vor Investments aus der Schweiz (7,6%) und Japan (4,3%). Der erfolgserprobte ETF sei eine sinnvoll konstruierte Ausgangsbasis für weitere Gesundheitsinvestments, die bis dato die Mehrheit aktiver Manager - wenn auch nicht alle - übertroffen habe.

Der Dauerläufer: AB International Health Care
- Volumen: 3,0 Mrd. Euro
- Wertentwicklung über 10 Jahre: +13,0% p. a. (MSCI World Health Care: +11,9% p. a.)
- Wertentwicklung 2023 (bis 31.07.2023): +1,1% (MSCI World Health Care: -1,2%)

Selbst eingefleischte ETF-Fans sollten bei der Performance des AB International Health Care hellhörig werden: Wer über die letzten zehn Jahre in den aktiven Fonds investiert gewesen sei, habe per Ende Juli 2023 jährlich ein Plus von 13 Prozent erzielt. Damit hätten sich die Vergleichsgruppe (+9,3% p. a.), die Benchmark (MSCI World Health Care +11,9%) und der MSCI World (+11,4%) deutlich übertreffen lassen.

Abgesehen von seiner überdurchschnittlichen Wertentwicklung überzeuge der AB International Health Care zudem mit Beständigkeit. Dass die Strategie schon seit 40 Jahren bestehe, sei in der kurzlebigen Fondsbranche eine Besonderheit. Leitender Manager sei seit zehn Jahren Vinay Thapar, der insgesamt mehr als zwei Dekaden Managementerfahrung vorweise. Thapar investiere überwiegend in hochliquide und hochkapitalisierte multinationale Pharma- und Gesundheitsunternehmen à la Roche, Eli Lilly oder United Health. Zusätzlich mische er aber auch aussichtsreiche Biotechunternehmen bei. Dennoch würden allein die zehn größten Positionen zusammen hoch konzentrierte 60 Prozent des Portfoliogewichtes ergeben. Auf Länderebene liege der Schwerpunkt auch bei diesem Fonds auf den USA (64%). Dahinter würden Aktien aus Dänemark (13%) und der Schweiz (9,6%) folgen.

Ausschlaggebend für die Aktienauswahl sei zum einen die Qualität, was zum Beispiel an einem geringen Verschuldungsgrad, einer soliden Bilanz oder einem stabilen Return on Equity der investierten Unternehmen abzulesen sei. Zum anderen zähle die Aussicht auf Ertragswachstum. Im Vergleich zur Peergroup spiegele sich der Qualitätsanspruch in einem über 20 Prozent geringeren maximalen Verlust wider. Zudem verfüge der Fonds über eine niedrigere "Down Capture Ratio", was bedeute, dass er Abwärtsbewegungen weniger stark mitmache. In Aufwärtsphasen habe der Fonds wiederum stärker zulegen können als die Konkurrenz - ein Profil, das Anlegerherzen höherschlagen lasse.

Der Allrounder: Janus Henderson Global Life Science (ISIN IE0009355771 / WKN 935590)
- Volumen: 3,4 Mrd. Euro
- Wertentwicklung über 10 Jahre: +12,8% p. a. (MSCI World Health Care: +11,9% p. a.)
- Wertentwicklung 2023 (bis 31.07.2023): +0,1% (MSCI World Health Care: -1,2%)

Der Janus Henderson Global Life Science kombiniere in seinem Portfolio die gesamte Spielweise der Gesundheitsaktien. Während großen, internationalen Pharmazeutika-Herstellern sowie innovativen Biotechaktien jeweils 30 Prozent des Portfolios zukommen würden, enthalte der Fonds zu bis zu 40 Prozent auch kleinere Pharmawerte, die sich durch aussichtsreiche Produktpipelines auszeichnen oder Restrukturierungspotenzial bieten würden.

Die Beimischung von wachstumsstarken, aber niedriger kapitalisierten Unternehmen führe dazu, dass der Fonds im Kategorievergleich eine höhere Volatilität und einen höheren maximalen Verlust aufweise. In Sachen Performance zähle er jedoch über verschiedene Zeiträume zum besten Viertel der Vergleichsgruppe, was das höhere Risiko kompensiere. Der Erfolg des bereits im März 2000 aufgelegten Fonds sei der Anlegergemeinde nicht lange verborgen geblieben: Mit circa 3,4 Milliarden Euro zähle er zu den größten und bekanntesten Produkten in der Vergleichsgruppe.

Gemanagt werde das über mehr als 100 Positionen breit gestreute Portfolio von Andy Acker, der auf 27 Jahre Erfahrung in der Finanzbranche zurückblicken könne. Acker halte einen Bachelor in Biochemie sowie einen MBA der Harvard Business School und leite zudem das Health-Care-Sector-Research-Team bei Janus Henderson. Den Global-Life-Science-Fonds manage er seit Mai 2007.

Seine Ausbildung und Erfahrung würden Acker dabei helfen, die pharmazeutischen Zusammenhänge und Wirkungsweisen nachzuvollziehen und Unternehmen nicht nur mit der finanzmathematischen Brille zu betrachten - ein für die Experten essenzieller Vorteil. Acker manage eine Allzweckwaffe für performanceorientierte Anleger, für die er sowohl risikoreichere Segmente als auch klassische Pharmatitel im Griff habe.

Einmal ohne Big Pharma, bitte! Bellevue Medtech & Services
- Volumen: 1,6 Mrd. Euro
- Wertentwicklung über 10 Jahre: +13,1% p. a. (MSCI World Health Care: +11,9% p. a.)
- Wertentwicklung 2023 (bis 31.07.2023): +4,9% (MSCI World Health Care: -1,2%)

Müsse es wirklich immer Big Pharma sein? Die klassischen Pharmawerte zugunsten anderer Gesundheitsaktien auszuklammern, dürfte auch in Zukunft Vorteile haben: Zum einen seien Unternehmen aus den Branchen Medizintechnik und ‑dienstleistungen weniger von der drohenden Regulierung der horrend gestiegenen Medikamentenpreise betroffen, die wie ein Damoklesschwert über dem Pharmasektor schwebe. Zum anderen würden die Hersteller von künstlichen Herzklappen, Kniegelenken oder Insulinpumpen sehr hohe Wachstumsraten bieten, denn der Bedarf steige in der alternden Bevölkerung stetig.

Außerdem seien diese Produkte hervorragend skalierbar, was den Unternehmen höhere Margen ermögliche. Daher lege der Bellevue Medtech & Services hauptsächlich in Large Caps der beiden Segmente an. Die Marktstruktur im Bereich der Medizintechnik bedinge, dass stattliche 90 Prozent des Portfolios, das aus lediglich 50 Titeln bestehe, auf US-Unternehmen entfallen würden.

Doch das Wachstum, das bei Medtech-Unternehmen etwa doppelt so hoch wie beim weltweiten Aktienmarkt ausfalle, habe seinen Preis. So habe das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Portfolios zuletzt bei 28,5 und das Kurs-Umsatz-Verhältnis bei 3,7 gelegen. Beim MSCI World lägen diese Kennzahlen lediglich bei 17,9 und 1,8. Dabei sei schon der Weltaktienindex nicht günstig. Was eine hohe Bewertung bedeuten könne, hätten Anleger im vergangenen Jahr leidvoll erfahren müssen: Die steigenden Zinsen hätten dazu geführt, dass hochbewertete Unternehmen überproportional an Wert verloren hätten.

Der langfristigen Attraktivität des Bellevue Medtech & Services tue ein schwaches Kalenderjahr jedoch keinen Abbruch. Über zehn Jahre habe man mit dem Fonds 13,1 Prozent per annum erzielen und sowohl den breiten MSCI World als auch den Durchschnitt der Vergleichsgruppe "Branchen: Gesundheitswesen" deutlich übertreffen können. Diese Ergebnisse würden die Anleger den verantwortlichen Fondsmanagern Marcel Fritsch und Stefan Blum verdanken, die den Fonds seit September 2009 aus der Schweiz heraus steuern und seinen Stil prägen würden. Der Fonds eigne sich als Beimischung für alle, die beim Gesundheitssektor eher an Wachstum als an Defensive denken würden.

Vom Labor an die Börse: Medical Biohealth
- Volumen: 640 Mio. Euro
- Wertentwicklung über 10 Jahre: +12,8% p. a. (MSCI World Health Care: +11,9% p. a.)
- Wertentwicklung 2023 (bis 31.07.2023): +14,4% (MSCI World Health Care: -1,2%)

Die meisten Fondsmanager seien ausgewiesene Finanzprofis und studierte Wirtschaftswissenschaftler. Über die Zeit würden sie sich zudem zu Experten in ihrem Investmentuniversum entwickeln. Bei Medical Strategy, einer kleinen Investmentboutique aus dem Münchner Vorort Gräfelfing, würden die Fondsmanagerkarrieren von vornherein mit Studien der Medizin, Biologie oder Molekularbiologie beginnen.

Das hochspezialisierte Team um Fondsmanager Mario Linimeier verantworte mit dem Medical Biohealth ein breit gestreutes Portfolio aus circa 150 Nebenwerten des Biotechsektors, das sich aus einem Pool von 900 Unternehmen speise. Deren Entwicklung würden die Manager in einer eigens entwickelten Datenbank verfolgen, in der der Fortschritt der Therapien und Medikamente dokumentiert werde. Die Informationen, die zum Beispiel Forschungsergebnisse beinhalten würden, würden die bestens vernetzten Manager entweder direkt von den Unternehmen, von Arzneimittel-Zulassungsbehörden oder spezialisierten amerikanischen Brokern erhalten. Der Fokus der Manager liege auf Firmen, die innovative Lösungen im Bereich der Krebsbehandlung, der seltenen Erkrankungen, Gentherapien oder Leiden des zentralen Nervensystems anbieten und ein hohes Wachstumspotenzial aufweisen würden. Diese Unternehmen würden häufig von großen Pharmafirmen aufgekauft, was regelmäßig hohe Übernahmeprämien bedeute und die Fondsperformance antreibe.

Um von unternehmensspezifischen Fehlschlägen bei der Medikamentenentwicklung nicht überproportional getroffen zu werden, decke Linimeier Themen meist über mehrere Aktien ab. Einzelne Positionen würden selten ein Gewicht von drei Prozent übersteigen. Dennoch würden die Volatilität und der maximale zwischenzeitliche Verlust des Fonds im Kategorievergleich hoch ausfallen. Das ausgezeichnete Research kontrolliere jedoch stets auch das Risiko und die Qualität der Einzeltitel. Anleger würden dadurch früh Anteile an Unternehmen erhalten, für die Branchenriesen später viel Geld bezahlen würden. (News vom 28.08.2023) (29.08.2023/fc/n/s)





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Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
491,992 € 483,521 € -   € 0,00% 16.04./22:00
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
LU0058720904 974522 522,75 € 425,74 €
Werte im Artikel
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482,39 plus
+1,08%
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