Erweiterte Funktionen

Institutionelle Anleger vertrauen auf Nachhaltigkeit und steigende Renditen


02.08.21 14:00
Schroders

London (www.fondscheck.de) - Die Sorge institutioneller Investoren, dass nachhaltiges Investieren die Wertentwicklung beeinträchtigen könnte, ist im vierten Jahr in Folge zurückgegangen, so die Experten von Schroders.

Gleichzeitig habe die Corona-Krise Nachhaltigkeit stärker in den Fokus gerückt. Dies seien zwei Ergebnisse der Schroders Institutional Investor Study 2021, für die weltweit 750 institutionelle Anleger mit einem verwalteten Vermögen von insgesamt rund 26,8 Billionen US-Dollar befragt worden seien.

38 Prozent der befragen Institutionen hätten Bedenken im Hinblick auf die Performance nachhaltiger Investments geäußert - ein klarer Rückgang verglichen mit 45 Prozent vor einem Jahr und 48 Prozent in 2019. Dies sei ein weiterer Beleg dafür, dass unter Anlegern die Sorge abnehme, nachhaltiges Investieren könnte die Renditen schmälern.

Von zentraler Bedeutung sei, dass die Corona-Krise nachhaltiges Investieren bei institutionellen Investoren stärker ins Rampenlicht gerückt habe. Global würden dies 52 Prozent wegen der Pandemie inzwischen für einen wichtigeren Schwerpunkt halten. Besonders ausgeprägt sei diese Überzeugung in Europa, wo 62 Prozent der Anleger nachhaltigem Investieren mittlerweile größere Bedeutung beimessen würden.

Zugleich hätten nur 8 Prozent der Investoren weltweit angegeben, dass sie nicht an die Vorteile nachhaltigen Investierens glauben würden - deutlich weniger als 2018, als dies noch auf 23 Prozent zugetroffen habe.

Integration sei nach wie vor der bevorzugte Ansatz für nachhaltiges Investieren. Demgegenüber sei negatives Screening, das zum Ausschluss von Werten aus dem Anlageuniversum führe, inzwischen deutlich unwichtiger geworden. Positives Screening, themenbasiertes Investieren und aktive Einflussnahme auf Unternehmen seien ebenfalls als bevorzugte Ansätze für die Umsetzung von Nachhaltigkeit genannt worden.

Im Vorfeld der im November stattfindenden UN-Klimakonferenz 2021 würden fast zwei Drittel (64 Prozent) der Investoren weltweit eine aktive Einflussnahme in Umweltfragen - wie dem Klimawandel oder der Nutzung fossiler Brennstoffe - für die wichtigsten Stewardship-Themen halten.

Dieser Fokus auf Umweltbelange sei bei europäischen Investoren noch ausgeprägter, stehe aber auch bei Anlegern in Nordamerika und im asiatisch-pazifischen Raum im Vordergrund. Interessanterweise sei für Investoren in Lateinamerika die nachhaltige Erfüllung der Erfordernisse von Kunden der wichtigste Stewardship-Schwerpunkt.

Nach Ansicht der Investoren gebe es allerdings weiter Herausforderungen bei nachhaltigem Investieren. Greenwashing stelle für sie nach wie vor das größte Problem dar und sei von 59 Prozent als bedeutendstes Hindernis genannt worden. Damit ergebe sich nahezu keine Veränderung gegenüber dem im Vorjahr gemessenen Wert von 60 Prozent.

Außerdem würden 46 Prozent der weltweiten Investoren Zweifel hegen, ob sich mit nachhaltigem Investieren verbundene Risiken messen und steuern lassen würden - eine deutliche Zunahme gegenüber 33 Prozent in 2020. Mangelnde Transparenz gelte ebenfalls zunehmend als Schwierigkeit und sei von 53 Prozent der Anleger genannt worden.

Andrew Howard, Global Head of Sustainable Investment bei Schroders: "Die Pandemie wirkt sich auf alle Bereiche unseres Lebens aus, und nachhaltiges Investieren bildet dabei keine Ausnahme. Wegen Covid-19 bemühen sich Investoren verstärkt darum, einen möglichst nachhaltigen Einsatz ihrer Vermögenswerte sicherzustellen. Die Weltwirtschaft hat noch einen weiten Weg vor sich, um wieder das Niveau von vor der Pandemie zu erreichen. Aber: Sicherzustellen, dass die Erholung nachhaltig ausgestaltet wird, ist für viele inzwischen ein sehr wichtiges Ziel.

Für Investoren gibt es sicherlich noch viel zu tun, um diesen Wandel zu unterstützen. Wir müssen dafür sorgen, dass Bedenken oder Schwierigkeiten, die unsere Kunden vielleicht in Bezug auf nachhaltiges Investieren haben oder sehen, durch immer besseres Reporting und Informationsbereitstellung vollständig ausgeräumt werden.

Es ist aber erfreulich festzustellen, dass die von Investoren lange gehegten Bedenken hinsichtlich der Performance nachhaltiger Investments weiter abnehmen. Wir betonen seit vielen Jahren, dass sich nachhaltiges Investieren und eine starke Fokussierung auf robuste Renditen nicht gegenseitig ausschließen. Tatsächlich stehen intelligente Ansätze zu Nachhaltigkeit bei der Erzielung langfristiger Anlagerenditen im Mittelpunkt."

Carlos Böhles, Leiter institutionelles Geschäft bei der Schroder Investment Management (Europe) S.A., German Branch: "Auch institutionelle Anleger in Deutschland und Österreich messen nachhaltigen Investments eine zunehmend hohe Bedeutung bei. Die Schroders Institutional Investor Study bestätigt dabei unsere Erfahrungen, die wir in täglichen Gesprächen mit dieser anspruchsvollen Kundengruppe gewonnen haben. Denn auch in puncto Nachhaltigkeit haben Institutionen hohe Anforderungen, um beispielsweise Greenwashing zu vermeiden und stattdessen wirklich positive Beiträge mit ihren Investments zu leisten.

Wichtig ist es daher, messbar nachhaltige Resultate mit den gewählten Anlagen zu erreichen und die erzielten Ergebnisse transparent und nachvollziehbar an die Kunden zu berichten, um somit das Vertrauen in diese zukunftsorientierte Anlageform weiter zu stärken. Hierzu sind Reportings erforderlich, die neben den finanziellen Ergebnissen auch die Wirkungen auf Umwelt und Gesellschaft miteinbeziehen und die gleichzeitig eine effektive Risikosteuerung ermöglichen."

Die Renditeerwartungen seien in den letzten zwölf Monaten gestiegen, denn die Investoren würden ihren Blick allmählich auf die Zeit nach der Pandemie richten. 82 Prozent der Anleger würden in den nächsten fünf Jahren eine Rendite von mindestens 4 Prozent pro Jahr erwarten. Vor einem Jahr hätten 72 Prozent diese Erwartung gehabt.

47 Prozent der Investoren würden sogar mit einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von mehr als 6 Prozent rechnen, verglichen mit 35 Prozent vor einem Jahr. Und auch der Anteil der Investoren weltweit, die jährliche Renditen von über 9 Prozent erwarten würden, habe sich von 5 Prozent in 2020 auf 13 Prozent in 2021 erhöht.

Die Zuversicht, dass sich die Renditeerwartungen erfüllen würden, habe von 33 Prozent im letzten Jahr auf 46 Prozent zugenommen. Dabei seien Investoren in Europa (53 Prozent) am optimistischsten, gefolgt von Anlegern in Nordamerika (44 Prozent).

Die Pandemie und die Verlangsamung der Weltwirtschaft würden den Investoren weiterhin am meisten Sorgen bereiten. Angesichts zunehmender Inflationsängste seien viele aber auch wegen einer möglichen Verschärfung der Geldpolitik beunruhigt und sähen in einer Erhöhung der Fremdkapitalkosten ein erhebliches Risiko.

Wenn auch von niedrigem Niveau aus würden mit dem Klimawandel verbundene Risiken zunehmend als Problem wahrgenommen, das sich auf die Performance auswirken könnte.

Keith Wade, Chefvolkswirt bei Schroders: "Die Pandemie wird immer noch als größter Einflussfaktor für die Portfolio-Performance angesehen. Gegenüber dem Vorjahr hat es hier jedoch einen deutlichen Rückgang gegeben. Die verbesserten Aussichten für die Weltwirtschaft haben sicherlich Einfluss, und die Investoren machen sich allmählich Sorgen über einen Entzug von Liquidität durch eine Verschärfung der Geldpolitik. Darin kommen wahrscheinlich Inflationsängste zum Ausdruck, wenngleich die Erwartung besteht, dass die äußerst niedrigen Zinssätze erhalten bleiben werden. Weitere zunehmend bedeutsame Einflussfaktoren sind die Regulierung und der Klimawandel, worin sich zweifellos die Agenda der neuen US-Regierung unter Präsident Biden, aber auch von China und der EU ergriffene Maßnahmen widerspiegeln." (02.08.2021/fc/n/s)