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GECAM-Studie Fondsmanager aktiver in der Krise


30.03.09 13:28
GECAM

Wangen (aktiencheck.de AG) - Im Zeichen der Finanzmarktkrise ist die Bedeutung von aktivem Fondsmanagement gewachsen, so die Experten von GECAM.

Nur noch 75 statt bisher 86 Prozent aller in Europa zum Vertrieb zugelassenen Investmentfonds hätten ihre Benchmark über die vergangenen drei Jahre zu 70 Prozent und mehr abgebildet. "Der aktive, sich von der Masse abhebende Fondsmanager konnte auch im schwierigen Börsenumfeld teilweise deutlichen Mehrwert liefern", fasse Uwe Leonhardt, Vorstand der GECAM AG, die Ergebnisse der aktuellen Studie zusammen, in der das Korrelationsverhalten und die Managementerfolge von über 7.000 Investmentfonds über drei Jahre analysiert worden seien.

Das aktivere Managementverhalten sei bei Dach- und Mischfonds zu finden. Eindrucksvolle 41 Prozent dieser Fonds seien ihrem Index mittelfristig zu weniger als 60 Prozent gefolgt. Unter den Rentenfonds seien es immerhin noch 21 Prozent gewesen. Die höchste Indexorientierung sei einmal mehr unter Aktienfonds zu beobachten gewesen: Weniger als ein Prozent der Fondsmanager habe, wie schon im Vorjahr, seine Aktienfonds tatsächlich aktiv geführt.

Das Resultat: 36 Prozent aller Aktienfonds hätten es geschafft, ihre Benchmark in den vergangenen drei Jahren zu übertreffen. Wie gut Aktienfondsmanager ihre Expertise in Performance hätten umwandeln können, habe maßgeblich von der Höhe des verwalteten Fondsvolumens und dem Anlagefokus (Standard- oder Nebenwerte) abgehangen. "Kleinere Fonds versuchen eher, von Informationsineffizienzen außerhalb des Indexuniversums zu profitieren und Hidden-Champions unter den Nebenwerten aufzuspüren", erklärt Leonhardt.

Mit Erfolg: Aus allen analysierten Fondskategorien hätten volumenmäßig kleine bis mittlere Aktienfonds mit Fokus auf Nebenwerte deutlich mehr Outperformer hervorgebracht als ihre Pendants im Blue-Chip-Bereich. Exemplarisch für Deutschlandfonds: Rund ein Drittel der auf deutsche Standardwerte ausgerichteten, stark indexorientierten Aktienfonds habe in den vergangenen drei Jahren den Markt übertroffen. Von den deutlich aktiveren Small- und Mid-Cap-Fonds sei dies 87 Prozent gelungen. Letztere hätten die Benchmark um durchschnittlich 7 Prozent geschlagen und damit gegenüber den "Leitwölfen" (1,2 Prozent) einen deutlich höheren Mehrwert geschaffen.

Bei Dach- und Mischfonds liege die Zahl der Outperformer auf mittlere Sicht bei 33 Prozent. "Seit Ausbruch der Finanzkrise zeigt sich einmal mehr, wie elementar das richtige Market-Timing ist", betone Leonhardt. So hätten die fünf besten global flexiblen Dachfonds den Markt über drei Jahre hinweg um 9 Prozent übertroffen, im abgelaufenen Jahr sogar um 22 Prozent. Dabei hätten sie ihre Indexnähe noch einmal deutlich von 35 auf 21 Prozent reduziert.

Das Erfolgsgeheimnis habe nach Einschätzung von Leonhardt im aktiven Wandel des Managementstils gelegen: Auf den Gleichlauf der Anlageklassen, die hohen Volatilitäten und den eingeengten Zeithorizont von Anlegern hätten viele Fondsmanager mit taktischer Verlustvermeidung reagiert. Die Auswahl von Zielfonds unter dem Gesichtspunkt der langfristigen Risikostreuung rückte oftmals in den Hintergrund. "Wer hier nicht frühzeitig reagierte und seine Systeme umstellte, erlebte schmerzhafte Verluste."

Nur 12 Prozent aller Renten- und Geldmarktfonds hätten in den vergangenen drei Jahren ihren Index schlagen können, bei einer vergleichsweise geringen Korrelation von im Schnitt 64 Prozent. "Gerade über die Dauer von einem Jahr enttäuschten viele Anlagesegmente mit Verlusten, die denen im Aktienbereich in nichts nachstanden, und mit teilweise extremen Performanceunterschieden", fasse Leonhardt zusammen.

Während äußerst benchmarknah und konservativ gemanagte Fonds beziehungsweise Indexfonds mit Staatsanleihen zweistellige positive Ergebnisse erzielt hätten, hätten Anleger gerade bei den vermeintlich sicheren Geldmarkt-, Rentenkurzläufer- und Absolute-Return-Strategien Verluste von bis zu 47 Prozent allein im Kalenderjahr 2008 hinnehmen müssen. Die Beimischung von ABS-Papieren habe viele Anlagen als "Mogelpackungen" enttarnt, aber auch Genussscheine, Unternehmens- und Schwellenländeranleihen hätten sich auf mittlere Sicht als Minus-Strategien erwiesen.

Bereits zum dritten Mal in Folge veröffentliche die GECAM AG die Ergebnisse ihrer jährlichen Studie zum Korrelationsverhalten von Investmentfonds. Im Rahmen der diesjährigen Auswertung seien insgesamt 7.548 in Europa zum Vertrieb zugelassenen Aktien-, Renten-, Geldmarkt-, Dach- und Mischfonds aus 150 Anlagekategorien hinsichtlich ihrer Indexorientierung und Managementerfolge über die vergangenen drei Jahre sowie zusätzlich im Krisenjahr 2008 analysiert worden. Stichtag der Untersuchung sei der 31. Dezember 2008 gewesen. (30.03.2009/fc/n/s)