Fondsmanager: "Das Thema Nachhaltigkeit hat an Glanz verloren" - Fondsnews


04.11.25 10:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Das hauseigene ESG-Office sei ein wichtiger Partner, der Fachwissen und Unterstützung bereitstelle, erklärt Bernd Deeken, verantwortlicher Fondsmanager des Berenberg Sustainable World Equities, im Interview mit "FONDS professionell", so die Experten von "FONDS professionell".

Die Verantwortung aber liege am Ende beim Fondsmanager.

"Ich würde sagen, dass wir in Unternehmen investieren, die zwei Dinge verbinden: auf der einen Seite eine überzeugende, nachhaltige Geschäftsausrichtung mit einem Mehrwert für Umwelt und Gesellschaft, und auf der anderen Seite hohe Qualität bei überdurchschnittlichem Wachstum." Mit diesen Worten erläutere Bernd Deeken, der die Geschicke des Berenberg Sustainable World Equities verantwortlich lenke, in der aktuellen Magazinausgabe von "FONDS professionell" die wesentlichen Grundzüge seines Investmentansatzes.

Es gehe ihm nicht darum, einfach ein grünes Etikett auf ein Portfolio zu kleben. Sein Anspruch sei es, Firmen im Fonds zu haben, die mit ihren Produkten oder Dienstleistungen tatsächlich einen Unterschied machen würden - beim Klimaschutz, beim Umgang mit Ressourcen oder auch beim demografischen Wandel. Gerade in diesen Themenfeldern entstehe sehr viel Dynamik, so Deeken, der betone, dass er solche Unternehmen gerade unter kleineren und mittleren Unternehmen finde.

Symptomatische Wertentwicklung

Wenn man sich die Performancehistorie des von Morningstar in der Kategorie Global Large-Cap Growth Equity geführten Portfolios anschaue, wirke diese geradezu symptomatisch für die dezidiert nachhaltig gemanagten Produkte innerhalb dieser Kategorie. 2019 und 2020 habe der Berenberg-Fonds jeweils weit oben im ersten Quartil gelegen. Als in den Folgejahren nachhaltiges Investieren zunehmend an Interesse verloren habe, sei Deeken mit seinem Fonds nicht mehr über eine Platzierung im vierten Quartil hinausgekommen.

Für seine Rubrik "Nachhaltig nachgefragt" habe "FONDS professionell" deshalb wissen, was das für die Strategie eigentlich bedeute und wovon diese im Wesentlichen geprägt sei. Gemeinsam mit Roland Kölsch, beim Wissenschaftsverein FIRST unter anderem für das FNG-­Siegel verantwortlich, habe "FONDS professionell" Bernd Deeken daher zu einem Analysegespräch besucht.
Bernd Deeken, Berenberg:

"Der Fonds ist in der Tat sehr wachstumsorientiert. Während der MSCI World im Durchschnitt vielleicht bei acht oder neun Prozent Gewinnwachstum liegt, streben wir zweistellige Raten an. Das heißt, wir suchen gezielt Unternehmen, die dynamischer wachsen, die ihre Märkte aktiv gestalten und ihren Marktanteil erhöhen."

"Anders als bei manchen Häusern ist unser ESG-Office nicht die Instanz, die am Ende den Daumen hebt oder senkt. Bei uns liegt die Verantwortung beim Portfoliomanager im Rahmen der ESG-Grundsätze und der Ausschlusskriterien, die mit dem ESG-Office entwickelt werden."

"Small und Mid Caps haben nach den Boomjahren 2020 bis teilweise 2022 deutlich korrigiert - das hat uns naturgemäß getroffen. Zudem hat das Thema Nachhaltigkeit an Glanz verloren. Während Rheinmetall-Aktien geradezu explodierten, weil sie als Profiteur des Ukraine-Krieges wahrgenommen wurden, haben sich Investoren von konsequent nachhaltigen Produkten abgewendet."

"In unserem Artikel-9-Fonds sind Rüstungstitel ausgeschlossen. Rheinmetall ist für uns nicht relevant, auch wenn der Kurs in den letzten zwei Jahren sehr stark gelaufen ist. In klassischen Strategien, die wir ebenfalls managen, gibt es begrenzte Möglichkeiten für konventionelle Rüstung - weil einige Kunden dies wünschen. Aber kontroverse Waffen wie Streubomben bleiben tabu."

"Es hilft niemandem, wenn Labels und Kategorien alle paar Monate wieder verändert werden. Natürlich braucht es Mindeststandards, Transparenz und vergleichbare Daten – gerade auf europäischer Ebene mit der CSRD oder der Taxonomie. Aber es sollte auch Raum für unterschiedliche Ansätze geben."

"Heute gibt es immer noch viele Produkte, die formal 'nachhaltig' heißen, bei genauerem ­Hinsehen aber Fragezeichen aufwerfen. Das schadet allen, die es wirklich ernst meinen." (04.11.2025/fc/n/s)





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