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ETFs im Krisenmodus - ETF-News


12.10.15 14:24
FundResearch

München (www.fondscheck.de) - Marktteilnehmer schätzen besonders die hohe Liquidität von ETFs in einem ansonsten recht dünnen Markt, so die Experten von "FundResearch".

Auch im Bond-Bereich werde beherzt zu den vermeintlich liquiden Instrumenten gegriffen. Entsprechende Risiken, die durch die Diskrepanz zwischen der Liquidität von ETFs und ihren Underlyings entstehen könnten, sollten den meisten jedoch bekannt sein. Man sollte daher glauben, dass die bereits beschriebene Problematik an einem liquiden Markt, wie dem S&P 500, nicht auftreten sollte. Eine Ausnahme: Der 24. August 2015.

Der S&P 500 Equal Weight ETF (RSP) habe am Morgen des 24. Augusts um mehr als 30% notiert und der SPDR S&P 500 ETF (SPY) um etwa 6% tiefer. Der S&P 500 habe mit ca. -4% zwar auch deutlich leichter eröffnet, dennoch hätten beide ETFs weit unter dem fairen Wert ihrer Underlyings gelegen.

Wie sei es zu dieser Abweichung gekommen? Wenn der Preis eines ETFs nur wenige Punkte von seinem NAV abweiche, entstehe eine Arbitragemöglichkeit, die von Market Makern in der Regel ausgenutzt werde, um den Preis dem NAV wieder anzunähern. Doch am 24. August schien dieser Mechanismus nicht zu funktionieren, so die Experten von "FundResearch".

An diesem Tag seien sogar einige ETFs zeitweise vom Handel ausgesetzt worden - was recht verwunderlich sei. Denn auch wenn die Underlyings nicht mehr gehandelt würden, könnten dies ETF-Anteile i.d.R. weiterhin (siehe Griechenland-ETF).

Die Ursachen seien in diesem Fall nicht ausschließlich einer niedrigen Liquidität geschuldet. Denn der S&P 500 sei einer der liquidesten Märkte der Welt. Und an diesem Tag sei eines der höchsten Handelsvolumina des Jahres generiert worden. Dennoch schien es bei manchen Titeln kein Halten zu geben und sie wurden zeitweise vom Handel ausgesetzt, so die Experten von "FundResearch".

Aber sollten ETFs handeln, wenn ein Teil der Underlyings nicht gehandelt werde? Gerne werde dabei mit der "Price Discovery" argumentiert. Aber wenn es keine Käufer für einen Titel gebe, würden diese mit den beobachteten extrem hohen Abschlägen gehandelt. Davon würden auch die ETFs nicht verschont. Ohne den Teufel an die Wand malen zu wollen, wenn die Bedingungen vollkommener Märkte in einem solch extremen Ausmaß nicht mehr halten, stehen wir möglicherweise vor großen Problemen, so die Experten von "FundResearch".

Nach ein bis zwei Stunden hätten sich die Preise dann wieder dem fairen Wert angeglichen. Wenn man als Investor in dieser Situation Ruhe bewahrt hätte und davon ausgegangen wäre, dass eine solche Abweichung nur von temporärer Natur sei, hätte man am Ende des Tages keine Nachteile hinnehmen müssen. Anders bei Investoren mit Stop-loss Orders. Diese seien teilweise mit einem Abschlag von 30% ausgeübt worden. Es zeige sich ganz klar, dass ETFs in extremen Stressphasen auch keinen Schutz vor Marktverwerfungen bieten würden bzw. auch nicht notwendigerweise liquider als ihre Underlyings seien. (12.10.2015/fc/n/e)