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Boom von nachhaltigen Fonds - Echtes Wachstum oder Greenwashing?


16.06.21 12:43
Triodos Bank

Zeist (www.fondscheck.de) - Der Markt für nachhaltige Geldanlage wächst seit Jahren schnell, so Georg Schürmann, Geschäftsleiter der Triodos Bank Deutschland.

Doch was sich im ersten Quartal 2021 auf dem deutschen Markt entwickelt habe, lasse aufhorchen: Das für deutsche Kundinnen und Kunden verwaltete Vermögen nachhaltiger Fonds sei in den ersten drei Monaten dieses Jahres um 107 Milliarden Euro auf einen neuen Höchststand von 254 Milliarden Euro angestiegen, wie der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) berichte. Dies entspreche einem Anteil von 8 Prozent am Gesamtmarkt. Ende 2020 habe der Anteil noch bei 5 Prozent gelegen.

Wie komme dieser sprunghafte Anstieg zustande? Die "Börsen-Zeitung" habe geschrieben: "Die wundersame Vermehrung nachhaltiger Fonds". Der Verdacht von Greenwashing dränge sich auf. Denn seitdem die EU-Offenlegungsverordnung am 10. März in Kraft getreten sei, hätten offenbar viele Fondsgesellschaften die EU-Vorgaben genutzt, um bisher konventionelle Produkte auf nachhaltige Anlagestrategien umzustellen - ohne dabei jedoch die Inhalte wesentlich zu verändern. Sie hätten konventionellen Fonds einfach ein neues Etikett verpasst.

Die neue EU-Verordnung solle Vorschriften für die Einordnung nachhaltiger Fonds harmonisieren und damit den Markt übersichtlicher gestalten. Kapitalverwaltungsgesellschaften müssten seitdem transparent über Nachhaltigkeitsaspekte ihrer Finanzprodukte informieren und ihre Fonds in eine von drei Kategorien einsortieren: Vereinfacht ausgedrückt würden Produkte, nicht sich nicht explizit "nachhaltig" nennen würden, unter Artikel 6 der Verordnung fallen. Wenn Fonds ökologische und soziale Aspekte berücksichtigen würden, also eine Art Nachhaltigkeit light, würden sie die Kriterien nach Artikel 8 erfüllen. Artikel 9 klassifiziere Produkte, die ein konkretes Nachhaltigkeitsziel verfolgen würden. Sie könnten auch als Impactfonds bezeichnet werden.

Es falle auf, dass der Anteil der Artikel-9-Fonds weiterhin verschwindend gering sei. Schon eine Analyse der Ratingagentur Morningstar von knapp 5.700 Fonds und ETFs, die in Europa angeboten würden, von Ende März habee gezeigt, dass nur 3,6 Prozent der Fonds nach der strengen Variante klassifiziert seien (darunter würden übrigens alle Fonds von Triodos Investment Management fallen).

Wir haben es also mit einem Boom von hellgrünen Fonds zu tun, die transparent sind, aber wohl oft nicht die Erwartungen an Nachhaltigkeit erfüllen, so Georg Schürmann, Geschäftsleiter der Triodos Bank Deutschland. Der Ecoreporter schreibe: "Dass alle diese Produkte für nachhaltige Anlegerinnen und Anleger uneingeschränkt zu empfehlen sind, darf bezweifelt werden." Die EU-Offenlegungsverordnung habe Verbraucherinnen und Verbrauchern einen Bärendienst erwiesen. Vor diesem Hintergrund sei die Initiative der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), die für mehr Klarheit bei nachhaltigen Fonds sorgen wolle, nur zu begrüßen. Denn am Ende müsse für Verbraucherinnen und Verbraucher Gewissheit herrschen, was ihr Geld finanziere. Diese Gewissheit erfolge nicht durch eine Umetikettierung. (16.06.2021/fc/n/s)