Erweiterte Funktionen
Aktives Management schließt Einsatz von ETFs nicht aus - ETF-News
18.04.24 14:30
Zürcher Kantonalbank
Zürich (www.fondscheck.de) - ETFs haben sich in den vergangenen Jahren als wichtige Anlageform etabliert. Doch hat dieser Trend auch Einzug in die Strategien von Privatbanken gehalten, fragt Martin Gautsch, Bereichsleiter Asset Management bei der Zürcher Kantonalbank Österreich AG.
Gautsch erkläre, wieso der Anteil an ETFs in der Vermögensverwaltung gewachsen sei, welche Rolle ETFs in den Kundenportfolios spielen und wie sich aktive und passive Fonds in ihrem Charakter annähern würden.
Der Trend zu ETFs, die einen konkreten Aktien- oder Anleihenindex nachbilden würden, sei ungebrochen. Die Vorteile lägen auf der Hand: Erstens seien ETFs meist günstiger als andere Fonds, da keine aktiven Entscheidungen getroffen würden. Zweitens sei man mit ETFs in der Regel besser diversifiziert. Während beispielsweise aktive Fonds in den USA oft nur rund 40 Aktientitel im Portfolio hätten und hoch konzentriert seien, enthalte ein ETF, der den S&P500 physisch - sprich bis in das kleinste Detail - abbilde, tatsächlich alle 500 Aktientitel. Drittens würden ETFs den Vorteil einer hohen Liquidität bieten. Im Gegensatz zu aktiven Fonds könne man in Echtzeit kaufen und verkaufen, also schnell ein- und aussteigen.
"In der Vermögensverwaltung greifen wir zu rund zwei Dritteln auf aktive Strategien zurück. Hier werden wir auch in Zukunft den Schwerpunkt setzen. Wir wollen selbst Kapitän sein und nicht nur Passagier. Unser Ziel ist es, für unsere Kundinnen und Kunden eine Outperformance zu erzielen und nicht nur so gut wie der Markt zu sein. Dennoch sind ETFs für uns eine gute Ergänzung zur aktiven Komponente. Ihr Anteil hat sich in den letzten fünf Jahren von etwa einem Fünftel auf ein Drittel erhöht", betone Martin Gautsch.
Die Zürcher Kantonalbank Österreich beobachte die Entwicklung und prüfe laufend, wie ETFs im Vergleich zu aktiven Fonds abschneiden würden. Sie setze ETFs beinahe zu gleichen Teilen im Aktien- und Anleihebereich ein - mit leichten Vorteilen für Letztere. "Wir verwenden nur ETFs, die eine bestimmte Region abbilden. Die genaue geografische Auswahl nehmen wir selbst vor, um im Rahmen der Auswahl der passiven Fonds aktive Entscheidungen treffen zu können."
In der Vermögensverwaltung stehe einerseits der Kostenvorteil von ETFs im Vordergrund. Da ein ETF im Gegensatz zu aktiven Fonds den Markt nicht schlagen, also keine Outperformance erzielen könne, sei ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis besonders wichtig. "Andererseits sehen wir in ETFs auch einen Liquiditätspolster und ein Basisinvestment. Wenn ich schnell Liquidität aufbauen will oder Geld benötigte, kann ich auch rasch über die Börse zu aktuellen Kursen verkaufen. Das zahlt sich aus, wenn zum Beispiel aufgrund einer Entscheidung oder Entwicklung der Markt plötzlich und sehr schnell stark korrigiert. Bei aktiven Fonds muss man bis zur Kursbildung mit ein, zwei Tagen Verzögerung rechnen - das kann einen großen Unterschied machen."
ETFs würden bei der Diversifikation unterstützen und helfen, Kosten zu reduzieren. Sie würden das Beste aus beiden Welten vereinen. Doch warne Gautsch: "Man muss sich bei der Auswahl gründlich überlegen, wie der zugrunde liegende Index des ETF zusammengesetzt ist und ihn laufend beobachten. Wir empfehlen, wie generell in Anlagefragen, einen langfristigen Horizont."
Für Anlegerinnen und Anleger, die ihre Investmententscheidung nach einer Beratung selbst treffen würden, seien ETFs sehr interessant, weil sie Gebühren sparen könnten. Die reine Passivität berge aber auch Risiken: Die Herausforderungen bei ETFs seien, dass man immer genau darauf achten müsse, welcher Index dahinterstehe und wie genau der ETF den Index tatsächlich abbilde. Eine ständige Beobachtung, wie sie Finanzprofis bieten würden, sei also notwendig.
Die Frage sei immer, welcher Index abgebildet werde - dann würden Lizenzkosten anfallen, die beispielsweise an Indexanbieter wie MSCI oder Standard & Poors zu zahlen seien - oder würden vom ETF-Anbieter individuell erstellte Indices verwendet. Dann würden zwar keine Lizenzkosten anfallen, es würden aber möglicherweise nicht alle Titel abgebildet, was den Tracking Error, also die Abweichung vom ursprünglichen Index, erhöhen könne. Bei kleineren ETFs könne es zudem vorkommen, dass sie durch den Börsenhandel zu wenig liquide seien und der Spread zwischen An- und Verkaufspreis hoch sei, was den Kostenvorteil schmälere.
"ETFs helfen bei der Diversifikation, es gibt jedoch einige Fallstricke. Beispielsweise kann es zu Sektorenverschiebungen kommen. Manche Indices haben dadurch einen deutlichen Branchenschwerpunkt, was zulasten der Diversifikation geht. Im S&P500 machen beispielsweise einige wenige große Titel wie Facebook (Meta), Amazon, Apple, Microsoft oder Google (Alphabet) allein rund ein Drittel des Index aus. Das muss man sich bewusst machen", so Gautsch.
"Generell ist zu beobachten, dass sich die aktive und die passive Welt annähern. Einige aktive Fonds werden günstiger, um mit ETFs konkurrieren zu können. Gleichzeitig gibt es bei den ETFs Ansätze, eine aktive Komponente in die Strategie einzubauen, um der Passivität entgegenzuwirken. Meist, indem Research betrieben wird und die Ergebnisse in die Indexzusammenstellung regelmäßig einfließen. Die beiden Ansätze passen sich zwar an, werden aber nicht vollständig miteinander verschmelzen", laute das Fazit von Martin Gautsch. (18.04.2024/fc/n/e)
Gautsch erkläre, wieso der Anteil an ETFs in der Vermögensverwaltung gewachsen sei, welche Rolle ETFs in den Kundenportfolios spielen und wie sich aktive und passive Fonds in ihrem Charakter annähern würden.
Der Trend zu ETFs, die einen konkreten Aktien- oder Anleihenindex nachbilden würden, sei ungebrochen. Die Vorteile lägen auf der Hand: Erstens seien ETFs meist günstiger als andere Fonds, da keine aktiven Entscheidungen getroffen würden. Zweitens sei man mit ETFs in der Regel besser diversifiziert. Während beispielsweise aktive Fonds in den USA oft nur rund 40 Aktientitel im Portfolio hätten und hoch konzentriert seien, enthalte ein ETF, der den S&P500 physisch - sprich bis in das kleinste Detail - abbilde, tatsächlich alle 500 Aktientitel. Drittens würden ETFs den Vorteil einer hohen Liquidität bieten. Im Gegensatz zu aktiven Fonds könne man in Echtzeit kaufen und verkaufen, also schnell ein- und aussteigen.
"In der Vermögensverwaltung greifen wir zu rund zwei Dritteln auf aktive Strategien zurück. Hier werden wir auch in Zukunft den Schwerpunkt setzen. Wir wollen selbst Kapitän sein und nicht nur Passagier. Unser Ziel ist es, für unsere Kundinnen und Kunden eine Outperformance zu erzielen und nicht nur so gut wie der Markt zu sein. Dennoch sind ETFs für uns eine gute Ergänzung zur aktiven Komponente. Ihr Anteil hat sich in den letzten fünf Jahren von etwa einem Fünftel auf ein Drittel erhöht", betone Martin Gautsch.
Die Zürcher Kantonalbank Österreich beobachte die Entwicklung und prüfe laufend, wie ETFs im Vergleich zu aktiven Fonds abschneiden würden. Sie setze ETFs beinahe zu gleichen Teilen im Aktien- und Anleihebereich ein - mit leichten Vorteilen für Letztere. "Wir verwenden nur ETFs, die eine bestimmte Region abbilden. Die genaue geografische Auswahl nehmen wir selbst vor, um im Rahmen der Auswahl der passiven Fonds aktive Entscheidungen treffen zu können."
ETFs würden bei der Diversifikation unterstützen und helfen, Kosten zu reduzieren. Sie würden das Beste aus beiden Welten vereinen. Doch warne Gautsch: "Man muss sich bei der Auswahl gründlich überlegen, wie der zugrunde liegende Index des ETF zusammengesetzt ist und ihn laufend beobachten. Wir empfehlen, wie generell in Anlagefragen, einen langfristigen Horizont."
Für Anlegerinnen und Anleger, die ihre Investmententscheidung nach einer Beratung selbst treffen würden, seien ETFs sehr interessant, weil sie Gebühren sparen könnten. Die reine Passivität berge aber auch Risiken: Die Herausforderungen bei ETFs seien, dass man immer genau darauf achten müsse, welcher Index dahinterstehe und wie genau der ETF den Index tatsächlich abbilde. Eine ständige Beobachtung, wie sie Finanzprofis bieten würden, sei also notwendig.
Die Frage sei immer, welcher Index abgebildet werde - dann würden Lizenzkosten anfallen, die beispielsweise an Indexanbieter wie MSCI oder Standard & Poors zu zahlen seien - oder würden vom ETF-Anbieter individuell erstellte Indices verwendet. Dann würden zwar keine Lizenzkosten anfallen, es würden aber möglicherweise nicht alle Titel abgebildet, was den Tracking Error, also die Abweichung vom ursprünglichen Index, erhöhen könne. Bei kleineren ETFs könne es zudem vorkommen, dass sie durch den Börsenhandel zu wenig liquide seien und der Spread zwischen An- und Verkaufspreis hoch sei, was den Kostenvorteil schmälere.
"ETFs helfen bei der Diversifikation, es gibt jedoch einige Fallstricke. Beispielsweise kann es zu Sektorenverschiebungen kommen. Manche Indices haben dadurch einen deutlichen Branchenschwerpunkt, was zulasten der Diversifikation geht. Im S&P500 machen beispielsweise einige wenige große Titel wie Facebook (Meta), Amazon, Apple, Microsoft oder Google (Alphabet) allein rund ein Drittel des Index aus. Das muss man sich bewusst machen", so Gautsch.
"Generell ist zu beobachten, dass sich die aktive und die passive Welt annähern. Einige aktive Fonds werden günstiger, um mit ETFs konkurrieren zu können. Gleichzeitig gibt es bei den ETFs Ansätze, eine aktive Komponente in die Strategie einzubauen, um der Passivität entgegenzuwirken. Meist, indem Research betrieben wird und die Ergebnisse in die Indexzusammenstellung regelmäßig einfließen. Die beiden Ansätze passen sich zwar an, werden aber nicht vollständig miteinander verschmelzen", laute das Fazit von Martin Gautsch. (18.04.2024/fc/n/e)


