Ein paar Gedanken zum Thema Vertrauen und Umgang mit Investoren.
Ich halte es für höchstproblematisch, dass der im Vorfeld des Börsengangs tolle Abschluss 2017 mit den 47 Mio. Euro erfolgswirksam erfassten „bargain purchase gains“ den Anlegern als lucky buy schmackhaft gemacht wurde, obwohl es aus Verkäufersicht wohl vielmehr um ein Badwill handelte (Trennung von Altlasten - negative Perspektive). Die Einzelgesellschaften fahren – soweit ersichtlich – Verluste ein und weisen ein negatives Eigenkapital aus. Da fragt man sich doch, wollte die Gesellschaft den potenziellen Investoren im Vorfeld des Börsengangs ein X für ein U verkaufen? Denn vom Grundsatz her handelt es sich bei einer Anschaffung – gleichgültig ob Einzelwirtschaftsgut oder Bewertungseinheit Unternehmung - um einen erfolgsneutralen Vorgang.
Der IASB führt selbst an, dass eine negative Differenz i.d.R auf Fehler bei der Ermittlung der Anschaffungskosten zurückzuführen ist. Daher auch die Forderung nach dem reassessment. Stattdessen wurden u.a. immaterielle Vermögensgegenstände für 19 Mio. Euro aktiviert, die hinsichtlich der Bewertung stets höchst problematisch sind und Bewertungsspielräume bei den restlichen Aktiva und Passiva nicht genutzt. Das nachhaltig nicht erzielbare Ergebnis 2017 wird STS nun jahrelang verfolgen. Man war hier m.E. zu optimistisch. Wie soll man da Vertrauen gewinnen. Es ist für Kleinanleger sowieso schon schwierig genug die Zuverlässigkeit der Aussagen eines Börsenneulings bzw. der Unternehmensleitung einzuschätzen.
Zum anderen offenbart die Vorgehensweise m.E. auch das Verhältnis der Gesellschaft zur WP-Gesellschaft und offenbart die kritische (!) Haltung des Wirtschaftsprüfers. Fraglich ist nun auch, ob man der Abhängigkeitsberichterstattung trauen kann oder hellhörig werden muss, da die Bewertung von Beratungsleistungen und auch die tatsächliche Leistungserbringung nur schwer für einen Wirtschaftsprüfer nachzuvollziehen ist. Meine Erfahrung sagt mir, dass eine skeptische Grundhaltung durchaus berechtigt sein kann.
Alles in allem ist es daher aus meiner Sicht gut, dass nun ein neuer in der Branche gut vernetzter CFO für das Accounting zuständig ist. Es wird aus o.g. Gründen schwer genug sein weitere Investoren zu gewinnen, die zu einem deutlichen Kursanstieg beitragen könnten. |