http://www.wsj.de/article/...9628272429802320.html?mod=trending_now_1
In Saal am Ribnitzer Bodden ist am Montag erstmals seit 2011 in Deutschland wieder gefrackt worden. Techniker der Firma Halliburton pumpten in drei Durchgängen 450 Kubikmeter Flüssigkeit unter hohem Druck in die 2.700 Meter tiefe Lagerstätte, um die Zuflussbedingungen des Erdöls zu verbessern.
Damit endet ein seit drei Jahren andauerndes informelles Moratorium, auf das sich Behörden und Rohstoffunternehmen unter dem Druck der öffentlichen Meinung geeinigt hatten.....
Eine Bundesratsinitiative Niedersachsens sieht vor, das Fracking in konventionellen Lagerstätten auch künftig zu erlauben. Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums sagte: "Das konventionelle Fracking wird seit vielen Jahren praktiziert. Die Genehmigung für solche Vorhaben liegt in den Händen der zuständigen Landesbehörden."
Das Kabinett will sich angeblich noch vor der Sommerpause mit einem Gesetzesentwurf beschäftigen, der konventionelles Fracking der Aufsicht der Wasserbehörden unterstellen würde. Zudem soll eine Umweltverträglichkeitsprüfung obligatorisch werden. .....
Techniker von Halliburton dichteten jeweils 100 Meter lange Abschnitte des Horizontalbereichs ab und pumpten mit rund 450 Bar mit Zellulose und Keramikkügelchen versetztes Wasser nach unten. Dort bildeten sich bis zu 50 Meter lange, ebenfalls horizontale Risse im Gebirge, durch die Öl zum Loch fließen kann....CEP-Geschäftsführer Thomas Schröter sagt: "Das, was wir hier tun, ist ein erprobtes Verfahren, das in Deutschland seit Jahrzehnten eingesetzt wird. Das hat mit dem Schiefergasfracking in Amerika nichts zu tun. Alle Kritik, wie der Einsatz hoher Wassermengen, die Grundwassergefährdung, der Rückfluss giftiger Substanzen, die Notwendigkeit, den Vorgang mehrfach zu wiederholen und anderes - all das trifft hier nicht zu."
Tatsächlich wird diese Technik der hydraulischen Stimulierung - dieses Wort mag Schröter lieber - seit den 1960er Jahren erfolgreich und unfallfrei angewendet. Auf der Insel Usedom zum Beispiel fördern heute noch Ölsonden, die in den 1970er Jahren gebohrt und ... gefrackt wurden.....
...Noch nie ist dagegen in Deutschland das getan worden, was in den USA in den vergangenen Jahren zur neuen Normalität geworden ist: Die Förderung von Gas aus Schiefergestein, auf Englisch shale gas, Schiefergas. Wer hier etwas fördern will, muss ganze Serien von Bohrungen abteufen. Er sollte die Lagerstätte – möglicherweise in mehreren Etagen – horizontal erschließen und anschließend mehrfach fracken. In der Regel wird er dazu eine größere Menge Flüssigkeit benötigen als bei den oben genannten Beispielen.
In den scheinbar endlosen Weiten der USA ist dieses Verfahren besonders in den Anfangsjahren sehr intensiv angewendet worden. Amerikas schwer zu stillender Energiehunger traf auf einen nicht minder hohen Kapitalanlagehunger, der im Verein mit dem Recht des amerikanischen Grundstücksbesitzers auf die Ausbeutung "seiner" Bodenschätze und laschen Umweltschutzvorschriften zum berühmten Schiefergas-Boom führte.
In den USA ist die Wild-West-Phase des Schiefergas-Booms inzwischen vorbei. Die Bevölkerung ist kritischer geworden, die Umweltvorschriften sind vielerorts strenger, die Investitionen in Schiefergas machten im vergangenen Jahr nur noch ein Bruchteil der vor drei oder vier Jahren erreichten Werte aus.
Zudem haben sich manche Lagerstätten als nicht besonders ergiebig erwiesen .... |