PNE (das PNE steht für Pure New Energy) baut, betreibt und veräußert Windparks. Während man einerseits im Auftrag von Windparkbetreibern tätig wird und bei diesen Projekten im Projektverlauf sog. Meilensteinzahlungen erhält für das Erreichen bestimmter fixierter Zwischenschritte, baut PNE auch für den eigenen Bestand. Aus Anlegersicht ist dieser zweite Part des PNE-Geschäftsmodells schwierig, weil PNE große und kapitalintensive Windparks baut, diese aber nicht zeitnah nach Fertigstellung verkauft. Es fallen also die hohen Kosten an, aber es gibt selten dagegen stehende Erträge. Die werden erst dann erzielt, wenn es zum Paketverkauf kommt, der aber eben erst nach einigen Jahren erfolgt. In der Zwischenzeit muss man als Aktionär mit den vermeintlich schlechten Zahlen und der Unsicherheit leben, ob es mit dem Verkauf und den Gewinnen am Ende denn auch klappt. Aus diesem Grund sieht PNE stets viel teurer aus als Wettbewerber wie z.B. Energiekontor, und die Erlöse und Gewinne erscheinen weniger visibel.
2016 konnte PNE mit seiner Strategie einen großen Erfolg verbuchen und sein angesammeltes Portfolio an die Allianz verkaufen. Die hohen Einnahmen und der üppige Gewinn sanierten die Bilanz und schafften die Grundlagen, um mit dem Windparkportfolio2020 diesen Erfolg in noch größerem Umfang zu wiederholen. Doch vor einem halben Jahr trat Morgan Stanley Infrastructure Partners auf den Plan und platzierte mit Billigung von PNE ein Delisting-Übernahmeangebot zu 4 Euro je Aktie. Doch es regte sich Widerstand und mehrere aktivistische Investoren kauften sich ein, weil sie den gebotenen Preis für zu niedrig erachteten. Am Ende kam MSIP lediglich auf einen Anteil von knapp 40% und von einem Delisting ist erstmal keine Rede mehr. Allerdings ist die zwischenzeitliche Euphorie, die den Aktienkurs bis knapp 5,50 Euro hochtrieb, im Zuge der Corona-Krise wieder verflogen und der Kurs sogar unter die 4-Euro-Marke gefallen. Doch das könnte sich als große Chance erweisen, denn bei PNE werden die Karten gerade neu gemischt.
Denn soeben hat das Unternehmen einen Strategieschwenk vermeldet. So wird das Windparkportfolio2020 nicht mehr veräußert, sondern in den Eigenbestand überführt. Was nur konsequent ist, denn Großaktionär MSIP dürfte es mit dem Übernahmeversuch bei PNE nicht nur auf den Projektentwickler abgesehen haben, sondern eben auch auf die bestehenden Windparks.
Die Folgen des Strategieschwenks werden bisher übersehen. Zum einen werden die Erträge von PNE künftig viel planbarer, da den Ausgaben nun dauerhaft die steigen Einnahmen aus den Windparks gegenüberstehen. Der entscheidende Effekt dürfte aber sein, dass PNE bisher die Kosten für den Aufbau des Windparkportfolio2020 bilanziell verarbeitet hat, aber den Wert der Anlagen nicht. Dieser wird bisher nur nachrichtlich bekanntgegeben und würde schlagartig auf einmal in die Bilanz eingehen, sobald das Portfolio verkauft wird. Da der Verkauf nicht mehr erfolgen wird und die Windparks nun in den Eigenbestand wechseln, wird ihr Wert nun sofort in der Bilanz aufschlagen und sämtliche Ergebnis- und Wertansätze massiv nach oben treiben. Eine kleine Meldung mit enormen Auswirkungen sobald diese in den nächsten Geschäftszahlen Schwarz auf Weiß auftauchen. Quelle : https://www.nebenwerte-magazin.com/m-dax/item/...ktien-in-crashzeiten |