http://www.swp.de/ulm/nachrichten/wirtschaft/...osten;art4325,1216894
"Berlin. Der Ökostrom kommt die Privathaushalte immer teurer zu stehen: Die Strompreise dürften in den nächsten Jahren weiter steigen. Ein wesentlicher Grund ist die Umlage für Strom aus alternativen Energien.
Für die Energiewende müssen die Privathaushalte 2012 nicht viel tiefer in die Tasche greifen: Die Umlage gemäß dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) steigt zum Jahresanfang nur um 1,8 Prozent auf 3,592 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Das haben die Betreiber der Übertragungsnetze bekannt gegeben. Im Jahr 2013 droht allerdings ein Kostenschub: Sie erwarten einen weiteren Anstieg auf 3,66 bis 4,74 Cent. Das ist bis zu einem Drittel mehr. Dabei war die EEG-Umlage schon Anfang 2011 um über 70 Prozent geklettert. Die Belastung eines Drei-Personen-Haushalts mit einem Jahresverbrauch von 3500 kWh könnte dadurch von 123 EUR in diesem Jahr auf bis zu 166 EUR im Jahr 2013 steigen. Hinzu kommen noch die Kosten für den dringend nötigen Ausbau der Stromnetze, um etwa Wind-Strom aus dem Norden in den Süden zu transportieren. Auch sie werden auf die Strompreise umgelegt. Nach dem EEG erhalten die Erzeuger von Strom aus alternativen Energien wie Windkraft und Solarzellen garantierte Preise, die weit über dem Marktpreis für Strom liegen. Die Differenz legen die Stromnetzbetreiber als Zwangszuschlag auf alle privaten Stromverbraucher um. 2012 ist das der gewaltige Betrag von 14,1 Mrd. EUR. Darin sind etwa 700 Mio. EUR für dieses Jahr enthalten, weil mehr Ökostrom produziert wurde als zu Jahresbeginn erwartet. Bis 2016 wird mit einem weiteren Anstieg auf 19 Mrd. EUR gerechnet. Hinzu kommen weitere 4,6 Mrd. EUR, die für ein weiteres Förderkonzept anfallen. Die Chefin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft, Hildegard Müller, wehrt sich gegen den Vorwurf, der Anstieg sei im wesentlichen auf die Befreiung energieintensiver Industriebetriebe von der EEG-Umlage zurückzuführen. Dies mache nur maximal 0,3 Cent des Anstiegs aus. Der Großteil entfalle dagegen mit 0,8 Cent auf die Zunahme der alternativen Energieerzeugung. Tatsächlich nahm allein 2010 die in Deutschland installierte Photovoltaik-Leistung um 6500 Megawatt (MW) auf 17 300 MW zu. Zum Vergleich: Die noch im Betrieb befindlichen Atomkraftwerke bringen zusammen 12 600 MW, die allerdings unabhängig von Sonne und Wind zur Verfügung stehen. In diesem Jahr rechnen die Netzbetreiber mit zusätzlich 6500 MW aus Photovoltaik-Anlagen. 2016 könnten schon insgesamt 44 000 MW installiert sein. Hinzu dürfte eine ähnlich hohe Kapazität bei Windenergie kommen. Samt Wasserkraft und anderen Quellen sollen dann rund 94 000 MW an erneuerbaren Energien verfügbar sein. Die drohende Kostenexplosion alarmiert auch die Politik. Hatte doch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei den Beschlüssen zur Energiewende im Sommer versprochen, die EEG-Umlage werde die Größenordnung von 3,5 Cent pro kWh nicht übersteigen und langfristig sogar sinken. "Nur wenn es gelingt, den weiteren Anstieg der EEG-Umlage zu stoppen, bleibt die Akzeptanz für die erneuerbaren Energien in Deutschland erhalten", betonten Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs (CDU) und der wirtschaftspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, Joachim Pfeiffer (CDU). Sie forderten von der Regierung Vorschläge, wie die politischen Beschlüsse vom Sommer umgesetzt werden sollen. Schließlich sind die Energiepreise derzeit der größte Inflationstreiber. Fuchs empfiehlt, dass im Solarbereich nur noch 500 MW an neu installierter Leistung gefördert werden. Es könne nicht sein, dass die Bürger 7 Mrd. EUR pro Jahr nur für Solarenergie zahlten, die im Vergleich zu Windkraft wenig bringe. Eine im wahrsten Sinne des Wortes spannende Frage bleibt, ob es im Winter zu Stromausfällen kommt, weil nach der Abschaltung von sieben Atomkraftwerken zu weniger Strom zur Verfügung steht. Auch der nächste Winter ist laut Müller noch kritisch. Es sei aber alle mögliche Vorsorge getroffen." |