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Die neue Energieunabhängigkeit der USA - Fakt oder Fiktion?
09.04.13 12:15
Investec Asset Management
London (www.fondscheck.de) - Seit der "State of the Union" Rede von Richard Nixon im Jahre 1974 als Reaktion auf das arabische Ölembargo ist die Energieunabhängigkeit ein oft wiederholtes Mantra der US-Politik. Lange jedoch schien die Energieunabhängigkeit der USA, vor allem bei den fossilen Energieträgern Erdöl und Gas, mehr Wunschdenken als machbare Wirklichkeit zu sein, so die Experten von Investec Asset Management.
Dies habe sich geändert, nachdem mit der Einführung neuer Fördermethoden, genannt Fracking, die Produktionsraten von Erdöl und Flüssiggas seit 2005 massiv ansteigen würden.
Die gesteigerten US-Produktionsraten hätten zu einer wahren Euphorie und zu einem fast schon unrealistischen Optimismus geführt. So würden die meisten Konsens-Schätzungen heute davon ausgehen, dass die USA spätestens 2020 von einem Nettoimporteur zu einem Nettoexporteur von Erdöl und Gas würden. Verschiedenste Medienberichte würden gar von einem neuen "Saudi-Arabien des Westens" sprechen. Eine neue Studie von Investec Asset Management zeige jedoch, dass diese Vorhersagen mit Vorsicht zu genießen seien.
Charles Whall und Tom Nelson, Co-Portfolio Manager des Investec Global Energy Funds und Autoren der Studie, würden nicht an eine baldige Energieunabhängigkeit der USA glauben. Ihrer Meinung nach würden wesentliche Konsens-Schätzungen auf zwei unwahrscheinlichen Prämissen beruhen: Einerseits dass die USA die Produktion von Flüssiggas und von so genanntem "thight oil", also von Öl, das erst durch das Schaffen von künstlichen Wegsamkeiten aus seinem "dichten" Gestein befreit werden müsse, bis 2020 um mindestens 5 Mio. Barrel pro Tag gegenüber 2012 steigern würden. Die Studie gehe dem gegenüber von einer Erhöhung in diesem Zeitraum von 2 Mio. Barrel pro Tag aus, was bedeute, dass die USA weiterhin rund 25% ihres Bedarfs an flüssigen fossilen Brennstoffen importieren müssten.
Der zweite Grund, warum das Erreichen einer Selbstversorgung im Bereich der fossilen Brennstoffe unwahrscheinlich scheine, sei die Abhängigkeit des Verkehrs vom Erdöl. Denn während die USA bei Kohle bereits heute und bei Erdgas aufgrund der einfacheren Förderung von Schiefergas bis 2020 zum Nettoexporteur werden könnten, sei die amerikanische Automobil-Flotte zu über 97% auf Erdöl angewiesen. Dies dürfte sich aufgrund fehlender politischer Anreize und einer völlig unzureichenden Infrastruktur für den alternativen Brennstoff Erdgas auch in absehbarer Zukunft nicht ändern. Die Konsensschätzungen würden aber genau von einer solchen teilweisen Substitution von Erdöl durch Erdgas ausgehen.
Nichtsdestotrotz würden die Autoren der Studie eine Periode des tief greifenden Wandels in der nordamerikanischen Öl- und Gasindustrie mit signifikanten Investitionsmöglichkeiten voraussehen. Vor allem die langfristigen Aussichten für die US-Erdölförder- und Serviceindustrie würden die Autoren als viel versprechend beurteilen. Momentan schwinde die Anzahl der Bohrplattformen, da die Bohrgesellschaften aufgrund sinkender Profitabilität durch den geringeren Ölpreis ihr Kapital auf die ertragreichsten Vorkommnisse konzentrieren würden. Aber im Gegensatz zu konventionellen Ölfeldern sei die Erholungsrate von unkonventionellen, mit Fracking zu erschließenden Ölfeldern aufgrund der geologischen Beschaffenheit der Vorkommen massiv tiefer, weshalb die Förderraten sehr schnell sinken würden.
Nach Schätzungen der Experten von Investec müsse deshalb, um das angestrebte Wachstum in der Ölproduktion zu erreichen, die Zahl der Bohrplattformen bis 2015 in den "tight oil"-Vorkommen verdoppelt werden. (09.04.2013/fc/a/m)
Dies habe sich geändert, nachdem mit der Einführung neuer Fördermethoden, genannt Fracking, die Produktionsraten von Erdöl und Flüssiggas seit 2005 massiv ansteigen würden.
Die gesteigerten US-Produktionsraten hätten zu einer wahren Euphorie und zu einem fast schon unrealistischen Optimismus geführt. So würden die meisten Konsens-Schätzungen heute davon ausgehen, dass die USA spätestens 2020 von einem Nettoimporteur zu einem Nettoexporteur von Erdöl und Gas würden. Verschiedenste Medienberichte würden gar von einem neuen "Saudi-Arabien des Westens" sprechen. Eine neue Studie von Investec Asset Management zeige jedoch, dass diese Vorhersagen mit Vorsicht zu genießen seien.
Der zweite Grund, warum das Erreichen einer Selbstversorgung im Bereich der fossilen Brennstoffe unwahrscheinlich scheine, sei die Abhängigkeit des Verkehrs vom Erdöl. Denn während die USA bei Kohle bereits heute und bei Erdgas aufgrund der einfacheren Förderung von Schiefergas bis 2020 zum Nettoexporteur werden könnten, sei die amerikanische Automobil-Flotte zu über 97% auf Erdöl angewiesen. Dies dürfte sich aufgrund fehlender politischer Anreize und einer völlig unzureichenden Infrastruktur für den alternativen Brennstoff Erdgas auch in absehbarer Zukunft nicht ändern. Die Konsensschätzungen würden aber genau von einer solchen teilweisen Substitution von Erdöl durch Erdgas ausgehen.
Nichtsdestotrotz würden die Autoren der Studie eine Periode des tief greifenden Wandels in der nordamerikanischen Öl- und Gasindustrie mit signifikanten Investitionsmöglichkeiten voraussehen. Vor allem die langfristigen Aussichten für die US-Erdölförder- und Serviceindustrie würden die Autoren als viel versprechend beurteilen. Momentan schwinde die Anzahl der Bohrplattformen, da die Bohrgesellschaften aufgrund sinkender Profitabilität durch den geringeren Ölpreis ihr Kapital auf die ertragreichsten Vorkommnisse konzentrieren würden. Aber im Gegensatz zu konventionellen Ölfeldern sei die Erholungsrate von unkonventionellen, mit Fracking zu erschließenden Ölfeldern aufgrund der geologischen Beschaffenheit der Vorkommen massiv tiefer, weshalb die Förderraten sehr schnell sinken würden.
Nach Schätzungen der Experten von Investec müsse deshalb, um das angestrebte Wachstum in der Ölproduktion zu erreichen, die Zahl der Bohrplattformen bis 2015 in den "tight oil"-Vorkommen verdoppelt werden. (09.04.2013/fc/a/m)


