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Wie man von Disruption profitiert


23.08.16 12:05
Goldman Sachs Asset Management

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Aktienanleger müssen stets Veränderungen antizipieren und auf sie vorbereitet sein - ganz gleich, ob sie sich allmählich oder über Nacht vollziehen, so Suneil Mahindru, Manager des Goldman Sachs Europe Equity Partners Portfolios und Chief Investment Officer für internationale Aktien bei Goldman Sachs Asset Management.

Technologische Veränderungen würden oftmals über disruptives Potenzial verfügen, und in einem sich wandelnden, globalen Umfeld sei die Wahrscheinlichkeit für destabilisierende Ereignisse hoch. Die Fähigkeit, Umbrüche und die mit ihnen verbundenen Gewinner und Verlierer zu erkennen, sei für die Erzielung attraktiver Renditen an den globalen Aktienmärkten insofern von entscheidender Bedeutung.

Am Brexit-Votum werde die Zunahme populistischer Stimmungen in Europa und den USA am offensichtlichsten. Als Konsequenz seien die Wirtschaftsprognosen in Großbritannien und Kontinentaleuropa nach unten korrigiert worden. Aufgrund der gestiegenen makroökonomischen Unsicherheit dürften Unternehmensführungen ihre Entscheidungen über Ausgaben und Investitionen vertagen. An den globalen Aktienmärkten werde die Volatilität vermutlich nach wie vor über den relativ niedrigen Werten der letzten Jahre liegen, was die Experten darin bestärke, weiterhin auf die mittel- bis langfristige Wertentwicklung zu setzen.

Aus makroökonomischer Sicht würden die Experten für die globalen Aktienmärkte von niedrigen bis mittleren einstelligen Gewinnen für 2016 ausgehen. In einem Umfeld mit negativen Zinssätzen in vielen Märkten seien sie der Ansicht, dass Aktien weiterhin recht attraktiv bleiben würden, da andere Anlageklassen noch geringere Renditen böten.

Die Impulse für regionale Aktienmärkte hätten sich seit unserem letzten vierteljährlichen Ausblick nicht verändert. Dennoch seien die Experten überzeugt, dass die Risiken und Renditen in den einzelnen Regionen insgesamt ausgewogener seien.

USA: Die Wirtschaft und die Unternehmen der USA würden noch immer die stärksten Fundamentaldaten aufweisen. Die Arbeitslosigkeit liege weiterhin bei unter 5 Prozent, das Stellenwachstum habe im Juni wieder angezogen und die Immobilienpreise würden weiter steigen. Bessere Fundamentaldaten und weniger Unsicherheit im Vergleich zu anderen Regionen dürften für Vermögenszuflüsse sorgen und die Wertentwicklung der US-Aktien auf kurze Sicht vorantreiben.

Europa: Viele Unternehmen könnten aufgrund des Brexit gezwungen sein, Entscheidungen aufzuschieben, da sie auf Klarheit in Bezug auf dessen Auswirkungen auf den freien Personen- und Warenverkehr warten würden. Die Korrektur des BIP-Wachstums der Eurozone sei schwächer ausgefallen; es liege nun bei 1,3 Prozent gegenüber ursprünglichen 1,4 Prozent. Dies werde voraussichtlich die Unternehmensgewinne belasten, da europäische Unternehmen einen relativ hohen operativen Leverage aufweisen würden. Wenn das BIP-Wachstum anziehe, hätten europäische Unternehmen aber immer noch das Potenzial für Gewinnzuwächse, um ihre US-amerikanischen Konkurrenten einzuholen.

Schwellenmärkte: Generell wirke sich die Zunahme politischer und wirtschaftlicher Risiken in Europa noch am wenigsten auf die Schwellenländer aus. In Kombination mit Währungsschwankungen könnte auf kurze Sicht allerdings der Aktienmarkt betroffen sein. Die Experten würden weiterhin auf ein höheres Potenzial zur Alpha-Generierung in den Schwellenländern setzen; ein Ergebnis der Ineffizienz des Aktienmarkts und der Schwäche des nach der Marktkapitalisierung gewichteten Referenzindex. Die Experten würden damit rechnen, dass konsumentenorientierte Unternehmen zu den attraktivsten Anlagen in Schwellenländern gehören würden, da der steigende Konsum das langfristige Wachstum stützen dürfte.

Disruptive Entwicklungen würden häufig mit technologischem Fortschritt einhergehen, wodurch bestehende Geschäftsmodelle auf den Kopf gestellt würden. Heute habe man es allerdings mit einer Vielzahl destabilisierender Kräfte an den Aktienmärkten zu tun. Wahlergebnisse und aufsichtsrechtliche oder politische Veränderungen könnten zu Umbrüchen führen, in deren Folge gegensätzliche Entwicklungen möglich seien. Generell sei schwierig, in diesem Bereich Vorhersagen zu treffen. Die Experten würden Veränderungen allgemein wie auch im Bezug auf den Wettbewerb deswegen kontinuierlich bewerten und schauen, ob sich neue Gewinner oder Verlierer herausbilden würden.

Technologie: Cloud-basierte Computersysteme seien ein gutes Beispiel dafür, wie eine technologische Neuerung von geringem Ausmaß weit über das Silicon Valley hinaus Wellen schlagen könne. Die Cloud versetze Maschinen und andere Geräte in die Lage, direkt miteinander zu kommunizieren, ein Konzept, das unter der Bezeichnung "Internet der Dinge" bekannt geworden sei.

Da digitale und mechanische Technologien zunehmend stärker miteinander verknüpft würden, gehe man von einer Verschiebung der Gewinne in Richtung der Halbleiterindustrie aus. Im Zuge der Weiterentwicklung des "Internets der Dinge" dürften Hersteller analoger Halbleiter von einer steigenden Nachfrage profitieren. Die Experten würden die Portfolios insofern mit einem Schwerpunkt im Technologiesektor bei Software- statt Hardwareunternehmen positionieren.

Finanzen: Seit der Krise im Jahr 2008 hätten Geldpolitik und Regulierung permanent für Umbrüche in der Finanzbranche gesorgt. Kapital- und Compliance-Anforderungen für Banken seien verschärft worden, während niedrige Zinsen die Nettozinsmargen hätten schrumpfen lassen.

Ein Blick auf die Fundamentaldaten von Banken ergebe, dass die meisten Banken mittlerweile gut kapitalisiert seien, während die Kreditmarktentwicklung weiterhin relativ günstig ausfalle. Die meisten größeren US-Banken dürfen nun nach positiven Ergebnissen der letzten Stresstests mehr Kapital an ihre Aktionäre auszahlen.

Europäische Banken stünden aufgrund politischer und aufsichtsrechtlicher Unsicherheiten infolge des Brexit sowie der anhaltenden Besorgnis über anfällige Bereiche des Bankensystems weiter unter Druck. Der Fokus liege auf Banken mit übersichtlichen Geschäftsmodellen, die sich nach Auffassung der Experten besser entwickeln könnten als komplexe Finanzinstitute.

Als fundamental orientierte Aktienanleger würden die Experten grundsätzlich die Vielschichtigkeit von Disruption berücksichtigen und wie sich diese künftig auf Unternehmen, Branchen und Märkte auswirken könne. Ein nach Marktkapitalisierung gewichteter Index tue dies nicht: Er sei passiv und reflektiere lediglich die Gewinner und Verlierer vergangener Umbrüche. Die Ausrichtung der Positionierung auf den Konsumanstieg in den Schwellenländern, der im nach Marktkapitalisierung gewichteten Referenzindex merklich unterrepräsentiert sei, verdeutliche die Vorteile eines solchen Ansatzes. Als aktive Manager würden die Experten Bereiche erkennen, in denen sie einen Vorsprung hätten und eine bewusste Risikoentscheidung treffen könnten. Auf diese Weise würden die Experten ihr Ziel verfolgen, das Aufwärtspotenzial von Umbrüchen jeglicher Art für unsere Kunden zu nutzen. (23.08.2016/fc/a/m)