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Wie Fondsmanager in die Zukunft blicken


20.11.24 12:00
ZKB Österreich AG

Salzburg (www.fondscheck.de) - Im Asset Management und vor allem bei der Auswahl von Aktien ist es von großer Bedeutung, nicht nur aktuelle Zahlen und Fakten in die Überlegungen miteinzubeziehen, so Martin Gautsch, Bereichsleiter Asset Management bei der Zürcher Kantonalbank Österreich AG.

Es gehe darum, den Blick in die Zukunft zu richten, um Trends bestmöglich zu antizipieren und daraus die richtige Strategie abzuleiten. Die sagenumwobene Glaskugel gebe es nicht, aber es gebe bestimmte Signale, die - richtig interpretiert und in einen breiteren Kontext gesetzt - eine wertvolle Orientierungshilfe bieten könnten. Martin Gautsch, Bereichsleiter Asset Management bei der auch in Süddeutschland tätigen Zürcher Kantonalbank Österreich AG, gebe einen Einblick in die Welt der Stimmungs- bzw. Sentimentindikatoren und erkläre, wie diese gedeutet werden könnten.

"Stimmungs- bzw. Sentimentindikatoren sind wertvolle Werkzeuge, um die Marktstimmung zu messen und Trends besser zu verstehen. Sie helfen Vermögensverwaltern, ein Gefühl für die Stimmung der Marktteilnehmer zu bekommen und das Marktverhalten vorauszusehen", erkläre Martin Gautsch. Es gebe eine Vielzahl solcher Indikatoren, die sich grob in drei Kategorien einteilen ließen:

1. Umfragebasierte Stimmungsindikatoren

- Der Einkaufsmanagerindex (PMI, Purchasing Managers' Index) sei ein wichtiger Stimmungsindikator für die wirtschaftliche Entwicklung. Er basiere auf monatlichen Befragungen von Einkaufsmanagern aus verschiedenen Branchen und werde häufig als Frühindikator für die wirtschaftliche Aktivität genutzt. Der PMI messe die Erwartungen und die tatsächliche Aktivität der Unternehmen in Bereichen wie Produktion, Auftragslage, Beschäftigung und Lieferzeiten.

- Sentiment Indices: Dabei handele es sich um Umfragen unter Finanzberatern, die den Anteil von Bullen (Optimisten), Bären (Pessimisten) und neutral eingestellten Experten messen würden und somit ein Gradmesser für Emotionen am Markt seien.

2. Technische Stimmungsindikatoren

- Volatilitätsindizes (z.B. VIX): Der VIX werde oft als "Angstindikator" bezeichnet. Ein hoher VIX deute auf eine angespannte Marktstimmung hin, während ein niedriger VIX eine ruhigere, optimistischere Haltung erahnen lasse.

- Moving Average Convergence Divergence (MACD): Auch wenn dies ein technischer Indikator sei, zeige er an, wenn Marktbewegungen zu extrem würden, was ein Hinweis auf überkaufte Bedingungen (der Preis von Vermögenswerten sei zu schnell zu stark gestiegen) oder überverkaufte Bedingungen (der Preis von Vermögenswerten sei zu schnell zu stark gesunken) sein könne.

3. Verhaltensindikatoren

- Put/Call-Ratio: Diese messe das Verhältnis von Put-Optionen (Verkaufsoptionen) zu Call-Optionen (Kaufoptionen) und gebe Hinweise darauf, ob Anleger mehr auf fallende oder steigende Kurse spekulierten.

- Short Interest Ratio: Diese messe die Menge an leerverkauften Aktien im Vergleich zum durchschnittlichen täglichen Handelsvolumen. Hohe Short-Interest-Werte könnten auf Pessimismus oder Unsicherheit hindeuten, weil Leerverkäufer damit spekulierten, verkaufte Wertpapiere später günstiger zurückkaufen zu können, würden jedoch oft auch als Kontraindikator genutzt.

- Margin Debt: Die Höhe der Verschuldung auf Marginkonten* spiegele die Risikobereitschaft der Anleger wider. Ein stark steigender Margin Debt könne ein Zeichen für exzessiven Optimismus sein und eine mögliche Trendwende andeuten.

"Viele der genannten Indikatoren funktionieren besonders gut, wenn sie als Kontraindikatoren verwendet werden. Hohe Optimismuswerte (z.B. niedriger VIX, niedrige Put/Call-Ratio) können als Warnsignal für eine mögliche Korrektur interpretiert werden und umgekehrt", so Gautsch.

"Eine isolierte Betrachtung der Stimmungsindikatoren kann oft fehlleiten. Setzt man sie jedoch in Kombination mit makroökonomischen und fundamentalen Daten ein, können sie helfen, einen besseren Überblick über Markttrends zu bekommen. Zu beachten ist auch, dass kurzfristige Marktstimmungen oft flüchtig sind. Indikatoren wie Margin Debt oder Volatilität sind wertvoller, wenn sie in einen längerfristigen Kontext gesetzt werden. Die Wahl und Kombination von Indikatoren sollte auch an die jeweilige Marktphase und die Risiko-Rendite-Erwartung angepasst werden. Hier hilft eindeutig langjährige Erfahrung", unterstreiche Martin Gautsch.

*Bei einem Marginkonto würden die eingesetzten Investitionsmittel von einem Broker als Darlehen an Investoren zur Verfügung gestellt. Das Darlehen werde durch das bestehende Investorenportfolio besichert. (20.11.2024/fc/a/m)