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Die Welt spart sich arm
09.01.15 11:50
GECAM
Wangen (www.fondscheck.de) - Im sechsten Jahr der Erholung nach der Finanzkrise ist die Weltwirtschaft nach wie vor mit einem auf den ersten Blick vermeintlich als Luxusproblem interpretierten Phänomen konfrontiert: Massive Sparüberschüsse, die nicht in Konsum oder Investitionen fließen, sondern in Vermögenspreise, so die Experten von GECAM.
Die Folgen davon seien deflationäre Tendenzen und unterdurchschnittliches Wirtschaftswachstum in vielen Teilen der Welt. Europa stecke nach wie vor in einer deflationären Stagnation. China wachse mit der geringsten Dynamik seit 2009, Japan kämpfe mit immer wiederkehrenden Einbrüchen der Konjunktur und die meisten Schwellenländer würden unter der Doppelbelastung eines starken USD (Kapitalabflüsse) sowie fallender Rohstoffpreise leiden.
Bereits seit Beginn der 1980er Jahre seien Effekte zu beobachten, die dem Einsatz von Kapital eine geringere Bedeutung zukommen lassen würden. Statistisch beobachten lasse sich in der westlichen Welt, dass der Kapitalstock von Unternehmen im Vergleich zum Wirtschaftswachstum stetig abnehme. Im Umkehrschluss bedeute das, dass die Kapitaleffizienz steige. Das heiße, dass zur Erzielung einer gleich bleibenden Wertschöpfung oder Gewinn, weniger Kapitaleinsatz notwendig sei. Daraus folge, dass das Potenzial einer Volkswirtschaft, die Ersparnisbildung in Investitionen und Konsum umzuleiten und somit zu absorbieren, abnehme.
Wie bereits an dieser Stelle ausgeführt, sei der technologische Fortschritt natürlich einer der Hauptgründe für den Anstieg der Kapitaleffizienz. Damit gehe einher, dass Wertschöpfung heutzutage viel stärker mit dem Einsatz geistigen Potenzials zusammenhänge, als mit Investitionen in Produktionsanlagen. Das heiße, Investmentkapital sei weniger gefragt und werde somit gespart. Mit der massiv zunehmenden Nutzung des Internets für Anschaffungen aller Art werde eine Nachfragemacht wirksam, die kaum Raum für steigende Preise lasse. Somit sei das Internet global betrachtet eine Spar- und Deflationsmaschine ersten Ranges.
Frühere volkswirtschaftliche Betrachtungen seien davon ausgegangen, dass das Lohnwachstum mit der Produktivität zusammenhänge. In den Industrieländern habe sich hier jedoch in den letzten Jahrzehnten eine große Lücke aufgetan. Das Lohnwachstum habe bei weitem nicht mit der Entwicklung der Arbeitsproduktivität mithalten können. Globaler Handel und internationaler Wettbewerb hätten zu einem Druck auf Löhne und Gehälter insbesondere nicht qualifizierter Tätigkeiten geführt, was das Lohnwachstum dämpfe. Unternehmensgewinne würden von dieser Tatsache überdurchschnittlich profitieren und seien ein wichtiger Treiber für die Sparüberschüsse einer Volkswirtschaft.
Die Finanzkrise 2008 habe zu grundlegenden Veränderungen in der Weltwirtschaft geführt. Unternehmen und Private hätten sich seither massiv entschuldet (Deleveraging). So habe zum Beispiel das Verhältnis von Bankaktiva zum Welt-BIP um rund 25 Prozent abgenommen. Die größte Veränderung sei jedoch der dramatische Fall der Investitionsausgaben in den G7-Staaten gewesen. Hätten diese 2007 noch rund 19 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausgemacht, seien es 2009 nur noch 15 Prozent gewesen. Ein großer Push im Hinblick auf Ersparnisüberschüsse. Im Jahr 2006 hätten diese innerhalb der G7-Staaten 4,5 Prozent des BIP betragen. Heute seien dies rund 9 Prozent, beziehungsweise würden einem Betrag von rund 3 Billionen USD entsprechen. Auch in China steige die Ersparnisbildung. Im privaten Sektor betrage diese rund 10 Prozent des BIP oder bedeute 1,1 Billionen USD pro Jahr.
Um in der Finanzkrise einen Systemzusammenbruch zu verhindern und dem Einbruch privater Investitionen entgegenzutreten, hätten Regierungen rund um den Globus mit staatlichen Ausgabeprogrammen reagiert. In ähnlichem Umfang wie die privaten Investitionen zurückgegangen seien, hatten die Staaten nun versucht, die fehlenden Ausgaben auszugleichen, was natürlich eine erhebliche Ausweitung der Defizite zur Folge gehabt habe.
Diese Politik sei jedoch seit 2010 stark zurückgefahren worden. Die Gründe seien vielfältig: Parlamentarische Schuldenobergrenzen würden haltloses Schuldenmachen (USA) verhindern und Misstrauen gegenüber anderen Staaten begrenze staatliche Investitionsausgaben (Euroraum). Effekte daraus seien natürlich Ersparnisüberschüsse durch geringe Investitionsausgaben, deflationäre Tendenzen und schwaches Wachstum.
Die Erschöpfung fiskalpolitischer Möglichkeiten lenke den Blick auf die monetären Instrumente der Notenbanken. Um negative Auswirkungen auf die Realwirtschaft und eine Verselbstständigung der deflatorischen Kräfte zu verhindern, hätten sich die Notenbanken gezwungen gesehen, eine sehr expansive Geldpolitik zu initiieren. Das heiße, durch massive Zinssenkungen und Kauf von Vermögenswerten Geld in den Kreislauf zu pumpen. Leider sei Geldpolitik nur indirekt in der Lage, realwirtschaftliche Effekte zu erzielen - über niedrige Zinsen und eventuell Währungseffekte. Dabei gelte das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens - je niedriger das Zinsniveau bereits sei, desto geringer seien die Effekte der Geldpolitik.
Fallende Rohstoffpreise würden wie eine Bremse auf der Kostenseite industrieller Produktion und Verarbeitenden Gewerbes, aber auch der privaten Haushalte wirken. Die Kapitaleffizienz steige also weiter und das Sparpotenzial wachse. Niedrige Zinsen, die eigentlich Investitionen anregen sollten, würden in einer von Zukunftsängsten durchzogenen Welt eben nicht zu Verschuldung und Ausgaben führen, sondern würden die Kostenseite reduzieren und das Sparpotenzial erhöhen.
Um Sparziele innerhalb des Vermögensaufbaus oder geplanter Anschaffungen zu erreichen, müssten bei niedrigem Zinsniveau höhere Sparraten aufgebracht werden als bei hohen Zinsen - zumindest gelte dies nominal. Das Ergebnis sei ein höheres Sparpotenzial.
Insgesamt führe die hohe Verunsicherung bezüglich geopolitischer Instabilitäten sowie wirtschaftspolitischer Unberechenbarkeit zu Ängsten. Ängste würden zu Entschuldung, Zurückhaltung bei Investitionen und zu Spareffekten führen.
Die zu geringen Investitionen seien nicht in der Lage, die Ersparnis zu absorbieren. Oder umgekehrt existiere zu viel Geld, das nicht für Investitionen gebraucht werde oder aus anderen Gründen nicht abgerufen werde. Es fließe also in Vermögenswerte. In erster Linie Staatsanleihen, aber auch Unternehmensanleihen sowie Immobilien und Aktien würden in unterschiedlicher Form starke Zuflüsse verzeichnen.
Wir leben in einer Niedrig-Inflations-Welt, in einer Niedrig-Zins-Welt sowie in weiten Teilen auch in einer Niedrig-Wachstums-Welt (Europa, Japan, Südamerika), so der GECAM-Experte. Diese Tendenzen würden sich auch 2015 weiter fortsetzen. Notenbanken würden an expansiver Geldpolitik festhalten, was tendenziell Anleihen- als auch Aktienmärkte unterstütze. (09.01.2015/fc/a/m)
Die Folgen davon seien deflationäre Tendenzen und unterdurchschnittliches Wirtschaftswachstum in vielen Teilen der Welt. Europa stecke nach wie vor in einer deflationären Stagnation. China wachse mit der geringsten Dynamik seit 2009, Japan kämpfe mit immer wiederkehrenden Einbrüchen der Konjunktur und die meisten Schwellenländer würden unter der Doppelbelastung eines starken USD (Kapitalabflüsse) sowie fallender Rohstoffpreise leiden.
Bereits seit Beginn der 1980er Jahre seien Effekte zu beobachten, die dem Einsatz von Kapital eine geringere Bedeutung zukommen lassen würden. Statistisch beobachten lasse sich in der westlichen Welt, dass der Kapitalstock von Unternehmen im Vergleich zum Wirtschaftswachstum stetig abnehme. Im Umkehrschluss bedeute das, dass die Kapitaleffizienz steige. Das heiße, dass zur Erzielung einer gleich bleibenden Wertschöpfung oder Gewinn, weniger Kapitaleinsatz notwendig sei. Daraus folge, dass das Potenzial einer Volkswirtschaft, die Ersparnisbildung in Investitionen und Konsum umzuleiten und somit zu absorbieren, abnehme.
Wie bereits an dieser Stelle ausgeführt, sei der technologische Fortschritt natürlich einer der Hauptgründe für den Anstieg der Kapitaleffizienz. Damit gehe einher, dass Wertschöpfung heutzutage viel stärker mit dem Einsatz geistigen Potenzials zusammenhänge, als mit Investitionen in Produktionsanlagen. Das heiße, Investmentkapital sei weniger gefragt und werde somit gespart. Mit der massiv zunehmenden Nutzung des Internets für Anschaffungen aller Art werde eine Nachfragemacht wirksam, die kaum Raum für steigende Preise lasse. Somit sei das Internet global betrachtet eine Spar- und Deflationsmaschine ersten Ranges.
Frühere volkswirtschaftliche Betrachtungen seien davon ausgegangen, dass das Lohnwachstum mit der Produktivität zusammenhänge. In den Industrieländern habe sich hier jedoch in den letzten Jahrzehnten eine große Lücke aufgetan. Das Lohnwachstum habe bei weitem nicht mit der Entwicklung der Arbeitsproduktivität mithalten können. Globaler Handel und internationaler Wettbewerb hätten zu einem Druck auf Löhne und Gehälter insbesondere nicht qualifizierter Tätigkeiten geführt, was das Lohnwachstum dämpfe. Unternehmensgewinne würden von dieser Tatsache überdurchschnittlich profitieren und seien ein wichtiger Treiber für die Sparüberschüsse einer Volkswirtschaft.
Die Finanzkrise 2008 habe zu grundlegenden Veränderungen in der Weltwirtschaft geführt. Unternehmen und Private hätten sich seither massiv entschuldet (Deleveraging). So habe zum Beispiel das Verhältnis von Bankaktiva zum Welt-BIP um rund 25 Prozent abgenommen. Die größte Veränderung sei jedoch der dramatische Fall der Investitionsausgaben in den G7-Staaten gewesen. Hätten diese 2007 noch rund 19 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausgemacht, seien es 2009 nur noch 15 Prozent gewesen. Ein großer Push im Hinblick auf Ersparnisüberschüsse. Im Jahr 2006 hätten diese innerhalb der G7-Staaten 4,5 Prozent des BIP betragen. Heute seien dies rund 9 Prozent, beziehungsweise würden einem Betrag von rund 3 Billionen USD entsprechen. Auch in China steige die Ersparnisbildung. Im privaten Sektor betrage diese rund 10 Prozent des BIP oder bedeute 1,1 Billionen USD pro Jahr.
Diese Politik sei jedoch seit 2010 stark zurückgefahren worden. Die Gründe seien vielfältig: Parlamentarische Schuldenobergrenzen würden haltloses Schuldenmachen (USA) verhindern und Misstrauen gegenüber anderen Staaten begrenze staatliche Investitionsausgaben (Euroraum). Effekte daraus seien natürlich Ersparnisüberschüsse durch geringe Investitionsausgaben, deflationäre Tendenzen und schwaches Wachstum.
Die Erschöpfung fiskalpolitischer Möglichkeiten lenke den Blick auf die monetären Instrumente der Notenbanken. Um negative Auswirkungen auf die Realwirtschaft und eine Verselbstständigung der deflatorischen Kräfte zu verhindern, hätten sich die Notenbanken gezwungen gesehen, eine sehr expansive Geldpolitik zu initiieren. Das heiße, durch massive Zinssenkungen und Kauf von Vermögenswerten Geld in den Kreislauf zu pumpen. Leider sei Geldpolitik nur indirekt in der Lage, realwirtschaftliche Effekte zu erzielen - über niedrige Zinsen und eventuell Währungseffekte. Dabei gelte das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens - je niedriger das Zinsniveau bereits sei, desto geringer seien die Effekte der Geldpolitik.
Fallende Rohstoffpreise würden wie eine Bremse auf der Kostenseite industrieller Produktion und Verarbeitenden Gewerbes, aber auch der privaten Haushalte wirken. Die Kapitaleffizienz steige also weiter und das Sparpotenzial wachse. Niedrige Zinsen, die eigentlich Investitionen anregen sollten, würden in einer von Zukunftsängsten durchzogenen Welt eben nicht zu Verschuldung und Ausgaben führen, sondern würden die Kostenseite reduzieren und das Sparpotenzial erhöhen.
Um Sparziele innerhalb des Vermögensaufbaus oder geplanter Anschaffungen zu erreichen, müssten bei niedrigem Zinsniveau höhere Sparraten aufgebracht werden als bei hohen Zinsen - zumindest gelte dies nominal. Das Ergebnis sei ein höheres Sparpotenzial.
Insgesamt führe die hohe Verunsicherung bezüglich geopolitischer Instabilitäten sowie wirtschaftspolitischer Unberechenbarkeit zu Ängsten. Ängste würden zu Entschuldung, Zurückhaltung bei Investitionen und zu Spareffekten führen.
Die zu geringen Investitionen seien nicht in der Lage, die Ersparnis zu absorbieren. Oder umgekehrt existiere zu viel Geld, das nicht für Investitionen gebraucht werde oder aus anderen Gründen nicht abgerufen werde. Es fließe also in Vermögenswerte. In erster Linie Staatsanleihen, aber auch Unternehmensanleihen sowie Immobilien und Aktien würden in unterschiedlicher Form starke Zuflüsse verzeichnen.
Wir leben in einer Niedrig-Inflations-Welt, in einer Niedrig-Zins-Welt sowie in weiten Teilen auch in einer Niedrig-Wachstums-Welt (Europa, Japan, Südamerika), so der GECAM-Experte. Diese Tendenzen würden sich auch 2015 weiter fortsetzen. Notenbanken würden an expansiver Geldpolitik festhalten, was tendenziell Anleihen- als auch Aktienmärkte unterstütze. (09.01.2015/fc/a/m)


