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Warum eigentlich nicht ETFs?


06.05.15 13:33
EYB & WALLWITZ

München (www.fondscheck.de) - Es sieht so aus, als seien mit der Erfindung der börsengehandelten Indexfonds (ETFs) alle Probleme des schlechten Investierens gelöst, so die Experten von EYB & WALLWITZ.

Man spare sich die teure Fondsverwaltung und bekomme die verdiente Wertentwicklung, so die Idee. Im aktuellen Börsenblatt hinterfrage Dr. Georg Graf von Wallwitz, Fondsmanager der Phaidros Funds und Geschäftsführer der EYB & WALLWITZ Vermögensmanagement GmbH, ob diese Theorie halte was sie verspreche, oder ob sie dem Anleger nur eine Lösung für das Problem des Investierens suggeriere.

Wie einst die Erfindung der Fotografie die Malerei grundlegend verändert habe, indem viele schlechte und ideenlose Maler ihr Geschäft verloren hätten, schwappe heute eine Technikwelle durch die Welt und sorge für Angst vor Überflüssigkeit. "Nicht anders geht es der Fondsbranche, deren Nemesis der Indexfonds ist. Sie hatte es sich in den letzten Jahrzehnten sehr bequem gemacht mit einem einfachen Geschäftsmodell: Die meisten Fondsmanager haben es wie die überflüssigen Landschaftsmaler gehalten und eine schlechte und ideenlose Abbildung der Märkte als große Kunst verkauft", so von Wallwitz. So liege der Durchschnitt der aktiv gemanagten Fonds dank den hohen Verwaltungskosten immer etwa 1,5 Prozent schlechter als der Index, der ohne die Kosten für das "Management" auskomme.

Eine solche Situation schreie nach einer technischen Lösung, in diesem Fall nach einem Indexfonds. "An dieser Idee ist zwar viel Wahres dran, aber die Theorie hält nur unter bestimmten Voraussetzungen, was sie verspricht", warne von Wallwitz. Man müsse mit einem sehr langen Zeithorizont und hoher Risikotoleranz gesegnet sein, ausschließlich in den MSCI World investiert und dies jahrelang durchhalten. Aber diese Voraussetzung sei in den seltensten Fällen gegeben.

Die Research-Firma Dalbar habe aufzeigt, dass die Divergenz zwischen der Wertentwicklung der Indices und der Investorenportfolios am größten sei, wenn die Märkte zum Extrem neigen würden. Fonds würden massiv gekauft, wenn die Wertentwicklung der letzten Jahre sehr gut gewesen sei und die Angst, etwas zu verpassen, sich breit mache. Das sei dann meistens der Höhepunkt im Zyklus der Börse. Und sie würden verkaufen, wenn die Aussichten finster seien und die Verluste der letzten ein bis drei Jahre hoch seien. Auf diese Weise würden sie den Abschwung fast vollständig mitmachen, während sie dem Aufschwung nur staunend von weitem zusehen würden.

Nun sei nicht zu sehen, wie der Einsatz von ETFs dem Durchschnittsanleger in Fonds wesentlich weiter helfen könne. "Das Grundproblem bleibt oder wird sogar noch verschärft: Wie wird der Anleger vor sich selbst beschützt, sind doch seine Leidenschaften und spontanen Ideen das eigentliche Problem?", frage von Wallwitz. Für die Fondsindustrie bedeute der Aufschwung der ETFs etwas Ähnliches wie das Aufkommen der Fotografie für die Malerei: Die schlechten würden verschwinden (das sei nicht schade) und die guten würden mehr denn je erklären müssen, was sie warum tun würden.

Wenn es Fondsmanagern gelinge, in euphorischen wie in depressiven Marktphasen die Nerven zu behalten und ihr Handeln offen und klar zu erklären, würden die Anleger genügend Vertrauen in deren Fähigkeiten haben und nicht in ihre eigenen alten Fehler verfallen. "Diese kommunikative Fähigkeit ist, neben einer guten Wertentwicklung ihrer Fonds, die wesentliche Daseinsberechtigung von Fondsmanagern, denn sie allein bewahrt die Vermögensinhaber in der Regel vor den wirklich teuren Torheiten. Auf ein Prozent mehr oder weniger relativ zum Index kommt es dann nicht an", so von Wallwitz. (06.05.2015/fc/a/e)