Verrückte Fonds: Alternative Rendite-Ideen


01.03.16 12:10
FundResearch

München (www.fondscheck.de) - Faule Fonds, intelligente Fonds, Frauenfonds. Wenn es um renditebringende Ideen geht, kennt die Kreativität keine Grenzen, so die Experten von "FundResearch".

Doch könnten die alternativen Produkte mit dem Markt mithalten?

Sei das Ganze mehr als die Summe seiner Teile? Ja, würden Schwarmintelligenzfonds behaupten. Die Idee dahinter: Lösungen von Gruppen, deren Ideen zu einer gemeinsamen Entscheidung führen würden, seien oft besser, als die Lösungen der einzelnen Mitglieder der Gruppe. "Die Weisheit der Vielen", so habe James Surowiecki 2004 sein Buch genannt, in dem er diese These vertrete.

Beispielsweise hätten Teilnehmer eines Gewinnspiels das Schlachtgewicht eines Rindes wesentlich schlechter eingeschätzt als es der Mittelwert der einzelnen Schätzungen vermocht habe. Die Schätzung der Gruppe sei sogar besser gewesen als die jedes einzelnen Teilnehmers. Dieses Prinzip der kollektiven Intelligenz wollten sich die Mitmachfonds zunutze machen. So beispielsweise der Multi Structure Investtor Aktien Global. Jeder könne sich auf der Onlineplattform des Fonds registrieren. 250 internationale Aktientitel könnten dann mit "Kaufen" oder "Verkaufen" bewertet werden. Daraus werde eine Rangfolge der Werte mit hoher und niedriger Zustimmungsquote gebildet. Auf Grundlage der Liste werde das Portfolio schließlich bestückt. Aber auch Tipps von Fondsmanagern würden mit berücksichtigt.

Das gesamte Portfolio mitbestimmen dürfe jedoch nur wer auch tatsächlich Fondsanteile halte. 2015 habe der Fonds 6,8 Prozent hinzugelegt. Die Kategorie Aktienfonds International des FINANZEN FundAnalyzers (FVBS) schaffe im selben Zeitraum 7,8 Prozent. Im Januar verliere der "intelligente Fonds" aber 8,3 Prozent. Auf einem ähnlichen Prinzip fuße der Schmollers Intelligent Recommendations Global Growth Fund. 2015 erwirtschafte er fünf Prozent. Besonderen Wert lege der Fonds auf unabhängige Teilnehmer, deren Stimmen alle gleich gewichtet würden.

Während die einen Fonds gar keinen Fondsmanager besitzen würden, frage man sich bei einem anderen Fonds, was die Manager den ganzen Tag wohl so machen würden. Den Fonds managen oder Aktien kaufen müssten sie jedenfalls nicht. Denn der Voya Corporate Leaders Trust investiere seit 1935 in dieselben Unternehmen - oder ihre direkten Nachfolger. Dahinter stecke die Idee, dass Unternehmen, die die Great Depression hätten überstehen können, in der Lage sein würden, alle Wirtschaftskrisen zu überleben. Mehr als 75 Jahre investiere der Fonds nun bereits in dieselben 23 Unternehmen. Seit seiner Auflegung könne der Fonds den S&P 500 mit der Strategie schlagen. 2015 fahre er jedoch zweistellige Verluste ein, während der S&P 500 das vergangene Jahr leicht im Plus abschließe. Weiterer Nachteil: Der Fonds sei weder in Deutschland noch in Österreich zum Vertrieb zugelassen.

Viel zu tun hätten dagegen wohl die Fondsmanager des geschlossenen Private-Equity-Fonds Prosperia Mephisto 1. Schließlich würden sie in die sieben Todsünden investieren: "Der Prosperia Mephisto 1 selektiert Private-Equity-Beteiligungen ohne Rücksicht darauf, ob dies politisch korrekt ist." Alkohol und Zigaretten für Völlerei, Luxus für Hochmut und Neid, Glücksspiel für Trägheit, die Rüstungsindustrie für Zorn, die Finanzindustrie für Geiz und Erwachsenenunterhaltung für Wollust - von den sieben Todsünden würden sich die Fondsmanager eine überdurchschnittliche Rendite erwarten. Getreu dem Motto: "Wer frei von Sünde ist, werfe den ersten Stein." Auch der nicht in Deutschland zugelassene USA Mutuals Barrier Investor Fund, auch Vice Fund genannt, investiere in sündhafte Unternehmen. 2015 schließe er mit 2,6 Prozent im Plus ab.

Die Bibel ganz genau nehme dagegen der Ave Maria Catholic Values Fund. Hier werde ausschließlich auf Aktien von Unternehmen, die "die Kernwerte und Lehren der römisch-katholischen Kirche nicht verletzen", gesetzt. Seit seiner Auflegung 2001 erziele er kumuliert ein Plus von 5,1 Prozent. Die Kategorie Aktienfonds USA erziele in 15 Jahren ein Plus von 21 Prozent. Im Januar verliere der katholische Fonds 6,8 Prozent. Er sei ebenfalls in Deutschland nicht genehmigt.

Auf eher neuzeitliche Themen würden sogenannte Frauenfonds setzen. Dahinter stecke die Vorstellung, dass Investitionen in die Gleichstellung der Geschlechter einen Wandel der Gesellschaft nach sich ziehen könnten. Das US-Unternehmen U.S. Trust beispielsweise habe eine "Women & Girls Equality"- Strategie aufgelegt. Zudem, so die These, hätten Unternehmen mit einem hohen Frauenanteil in Führungspositionen eine bessere Performance gezeigt.

Der UBS Hana She&Style in Südkorea konzentriere sich dagegen lediglich auf Firmen, die Produkte herstellen würden, die "weibliche Konsumenten ansprechen". Die Börse Hannover berechne gar einen German Gender Index. Er spiegele 50 Aktien deutscher Unternehmen mit einem "ausgewogenen Verhältnis zwischen weiblichen und männlichen Führungskräften in Vorstand und Aufsichtsrat". Aktuell stehe der Index bei rund 800 Punkten, das Jahreshoch liege bei 925 Punkten. (Ausgabe vom 29.02.2016) (01.03.2016/fc/a/f)






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