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US-Wirtschaft im Fokus


14.11.08 14:59
Federated Asset Management

Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Der US-Arbeitsmarktbericht für Oktober zeigte eine drastische Verschlechterung der Beschäftigungslage des Landes und lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass die US-Konjunktur bereits in einer ausgeprägten Rezession steckt, so die Experten von Federated Asset Management.

Die Arbeitslosigkeit sei mit 6,5% (Vormonat: 6,1%) stärker als erwartet gestiegen und befinde sich damit auf ihrem höchsten Stand seit 1994. Die Beschäftigtenzahl außerhalb der Landwirtschaft sei den zehnten Monat in Folge gesunken und habe im Oktober mit einem Minus von 240.000 über den Erwartungen der Volkswirte gelegen.

Zudem habe das US-Amt für Arbeitsstatistik (BLS) die bereits schwachen Zahlen der beiden Vormonate nach unten revidiert, wodurch der Rückgang um insgesamt weitere 179.000 Stellen angestiegen sei; der Beschäftigungsabbau im August habe sich von 73.000 auf 127.000 erhöht, während im September 284.000 statt zunächst 159.000 Arbeitsplätze weggefallen seien. Damit seien in der US-Wirtschaft seit Jahresbeginn bereits 1,18 Millionen Arbeitsplätze verloren gegangen, ein beunruhigender Trend, der sich vermutlich auch 2009 fortsetzen werde.

Zugegeben, die Beschäftigung ist ein typischer nachlaufender Indikator, und die Experten von Federated Asset Management gehen in ihren Prognosen nach wie vor davon aus, dass die Rezession (deren Beginn sie auf das vierte Quartal 2007 datieren) ab Mitte des kommenden Jahres allmählich zu Ende gehen wird. Dies impliziere jedoch auch, dass die Arbeitslosenquote bis Ende 2009 auf 8% klettern könnte, was dem Höchststand der Rezession 1990/91 entspräche.

Der Zustand des Verarbeitenden Gewerbes habe dem des Dienstleistungssektors in nichts nachgestanden: Die Beschäftigtenzahl im Verarbeitenden Gewerbe - die bereits seit Juni 2006 Monat für Monat rückläufig sei - sei im Oktober mit 90.000 Stellen stärker als erwartet gesunken und habe damit den größten Monatsverlust seit Juli 2003 markiert.

Die einzige gute Nachricht im Arbeitsmarktbericht für Oktober sei die vergleichsweise verhalten ausgefallene Entwicklung der Lohninflation. Die durchschnittlichen Stundenlöhne hätten sich gegenüber dem Vormonat um geringe 0,2% erhöht, was einem Anstieg von 3,5% im Jahresvergleich entspreche. Angesichts der in den vergangenen vier Monaten um mehr als 50% gefallenen Preise für Rohöl und Agrarrohstoffe sei dieser minimale Einkommenszuwachs jedoch von einem deutlichen Rückgang der Teuerungsrate überkompensiert worden.

Genauso beunruhigend wie die Arbeitsmarktzahlen sei auch der Trend, der sich in den zurückliegenden Monaten bei den gesamtwirtschaftlichen Daten abgezeichnet habe. Seit dem Labor Day am 1. September scheine sich die US-Konjunktur im freien Fall zu befinden.

Die nominalen Einzelhandelsumsätze seien erstmals seit 1992 in drei aufeinander folgenden Monaten rückläufig gewesen. Die bevorstehende Weihnachtssaison könnte für den Einzelhandel die schlechteste seit 25 Jahren werden. Die Automobilabsätze seien auf ihren niedrigsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg gesunken.

Der Häusermarkt stehe nach wie vor stark unter Druck und es sei damit zu rechnen, dass die desolate Lage noch ein weiteres Jahr anhalte. Der ISM-Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe, ein monatlich veröffentlichter Frühindikator der wirtschaftlichen Tätigkeit, sei unlängst auf ein Allzeit-Tief gesunken. Der vom privaten Forschungsinstitut Conference Board ermittelte Verbrauchervertrauensindex sei im Oktober auf ein Rekordtief gestürzt.

Vor dem Hintergrund dieser schlechten Wirtschaftsdaten waren die Experten von Federated Asset Management nicht überrascht, als die amtierenden Republikaner bei den US-Präsidentschafts- und Kongresswahlen am 4. November scheiterten, während die Demokraten die Präsidentschaft erringen und zudem ihre klare Mehrheit im Kongress ausbauen konnten.

Mit Blick auf das bisher Gesagte würden die Experten hoffen, dass sich der neu gewählte US-Präsident, Barack Obama, dem ganzen Ernst der Lage wirklich bewusst sei. Er demonstriere politische Führung, indem er mit seinen Wirtschaftsberatern und mit dem Kongress Vorschläge für ein neues zweistufiges Konjunkturprogramm erarbeite, dessen Umfang 300 Milliarden US-Dollar oder mehr betragen könnte.

Die erste Stufe mit einem Volumen von rund 100 Milliarden US-Dollar könnte bereits in diesem Monat in einem parteiübergreifenden Kraftakt den Kongress passieren, um den nach Schätzungen der Experten starken Rückgang des US-Bruttoinlandsprodukts im vierten Quartal abzumildern. Der zweite Teil des Konjunkturprogramms dürfte kurze Zeit nach Obamas Amtseinführung am 20. Januar verabschiedet werden.

Gegenwärtig würden folgende Kernelemente des Konjunkturprogramms erwogen und diskutiert: Ausweitung der Leistungen für Arbeitslose, Lebensmittelmarken, staatliche und lokale Unterstützung bei Gesundheitsausgaben, Infrastrukturprojekte (z.B. Straßen- und Schienennetz, Brücken, Tunnel und Flughäfen), Steuersenkungen.

Mögliche Optionen seien: Steuerbefreiung von Senioren mit Jahresbezügen unter 50.000 US-Dollar; Steuernachlass für Arbeitnehmer in Höhe von 6,2% auf die ersten 8.100 US-Dollar ihres Einkommens; dauerhafte Verlängerung der von Präsident George W. Bush vorgenommenen Steuersenkungen für die Mittelschicht; Unterstützung bei Hypothekendarlehen für Familien in Finanznöten, um Zahlungsverzug und den Verlust ihres Hauses durch Zwangsversteigerung zu verhindern; zusätzliches Rettungsprogramm für die Automobilindustrie im Volumen von 25 Milliarden US-Dollar unter der Prämisse ihrer Unterstützung der von Obama angestrebten Umweltziele durch drastische Anhebung der Standards für sparsamen Kraftstoffverbrauch, durch Senkung der Fahrzeugemissionen oder breite Einführung von "Flex-Fuel"-Fahrzeugen (die sowohl Kraftstoff mit hohem Ethanolgehalt (85%) als auch normalen Ottokraftstoff nutzen könnten) oder durch verstärkte Anstrengungen bei der Entwicklung von Hybrid- und Elektroautos.

Die USA seien mit ihren politischen Maßnahmen natürlich nicht allein. Auch in anderen Teilen der Welt folge man dem amerikanischen Vorbild aggressiver Leitzinssenkungen und fiskalischer Initiativen. Jüngstes Beispiel sei das von China am vergangenen Sonntag angekündigte massive Konjunkturprogramm im Volumen von 568 Milliarden US-Dollar, mit dem bis Ende 2010 Infrastrukturprojekte finanziert und damit das Wirtschaftswachstum angekurbelt werden solle.

Letztlich halten die Experten von Federated Asset Management weiterhin an ihrer Überzeugung fest, dass diese fiskalischen und geldpolitischen Maßnahmen im In- und Ausland dazu beitragen würden, die globale Kreditklemme zu beseitigen und die US-Konjunktur wieder auf die Beine zu bringen, woraufhin sie gegen Mitte des kommenden Jahres die Rezession hinter sich lasse. Hierin liege nach Einschätzung der Experten auch der Grund, weshalb sich Aktien im zurückliegenden Monat besser geschlagen hätten und der marktbreite S&P 500 seit seinem Tagestief am 10. Oktober 2008 um 10% gestiegen sei.

Die Experten hätten zahlreiche historische Rezessionszyklen untersucht und herausgefunden, dass die Talfahrt der Aktienmärkte etwa nach der Hälfte der Rezession zu Ende gehe, während das Trommelfeuer negativer Wirtschaftsmeldungen (wie auch die Rezession selbst) anhalte. Doch ab einem bestimmten Zeitpunkt setze sich bei Investoren die Erkenntnis durch, dass sie die Rezession in angemessener Weise in die Kurse eingepreist hätten und dass es nun gelte, über das Tal der Tränen hinweg zu blicken und damit zu beginnen, eine letztlich eintretende konjunkturelle Erholung vorwegzunehmen.

In den Augen der Experten von Federated Asset Management steht diese Zyklusphase nun bevor, nachdem die Aktienkurse im vergangenen Monat trotz extrem negativer Wirtschaftsnachrichten nach oben tendierten. Darüber hinaus habe der designierte Präsident Obama in den Tagen nach der Wahl ein starkes Signal an Investoren gesendet, dass die Unsicherheit des Wahlkampfes nun beendet sei und durch die Hoffnung ersetzt worden sei, dass die neue Regierung die notwendigen mutigen Schritte unternehmen werde, um die US-Wirtschaft und die Finanzmärkte wieder auf Kurs zu bringen. (14.11.2008/fc/a/m)