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US-Wirtschaft Aussicht bleibt trübe


24.09.08 11:54
Erste Group Research

Wien (aktiencheck.de AG) - Der Ausblick für die US-Wirtschaft bleibt trübe, so die Analysten der Erste Group Research.

Bei den belastenden Faktoren zeige sich keine Entspannung; im Gegenteil, Gläubigerschutz für die Investmentbank Lehman Brothers, sowie der dringende Kapitalbedarf des größten US-Versicherungsunternehmens, AIG, hätten der Finanzmarktkrise einen neuen Höhepunkt gegeben.

Gleichzeitig zeige sich am Immobilienmarkt keine Verbesserung - aber immerhin auch keine Verschlechterung, sehe man von den Preisen ab. Die Verkaufszahlen seien stabil aber niedrig während die Lagerbestände auf hohem Niveau verharren würden. Durch die Zwangsvollstreckungen bei zahlungsunfähigen Schuldnern kämen permanent zusätzliche Objekte auf den Markt, sodass es trotz äußerst schwacher Bautätigkeit nicht zu einer Verringerung der unverkauften Objekte komme.

Der einzig entlastende Faktor, der sich für die Wirtschaft erkennen lasse, sei der massive Rückgang des Ölpreises seit Jahresmitte. Dies sollte aber reichen, um die Wachstumsraten positiv zu halten. Die größte Unbekannte sei, wie weit sich die Finanzmarktkrise noch zuspitzen und wie sich dies auf die Kreditvergabe auswirken werde. Während es für die US-Wirtschaft möglich sein sollte, trotz der Korrektur am Immobilienmarkt, Wachstumsraten auszuweisen, berge eine restriktivere Kreditvergabe erhebliche Abwärtsrisiken.

Die Zwangsvollstreckungen bei Hypothekenschuldnern sollten zwar noch in diesem Jahr ihren Höhepunkt erreichen, die Eigenkapitaldecke innerhalb des Finanzsektors sei aber nach einem Jahr Krise ausgedünnt. Obwohl die Liquiditätsspritzen die Kreditvergabe seitens Banken unterstützen würden, werde die Unsicherheit über die weitere Entwicklung anhalten. In Summe erwarte man eine Stagnation der US-Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte.

Die US-Notenbank sei nach den jüngsten Ereignissen (Lehman Brothers, AIG) vollauf damit beschäftigt, die Finanzmärkte wieder ins Lot zu bringen und habe dabei eine "ruhige Hand" bewiesen. Während der kommenden Monate würden die Daten von der US-Wirtschaft alles andere als gut sein. Neben den schwachen Nachfrageindikatoren werde sich der Arbeitsmarkt weiter eintrüben. Die Arbeitslosenrate werde damit wie üblich mit einer zeitlichen Verzögerung auf die Konjunktur reagieren.

Dieser Zusammenhang sei allgemein bekannt und sollte daher zu keiner Kursänderung der Notenbank führen. Das Risiko sei aber sicherlich asymmetrisch in Richtung einer Zinssenkung gerichtet, da sich das Umfeld vorerst eher verschlechtern als verbessern könnte. Der Rentenmarkt sei derzeit bestimmt durch "safe haven flows", was die Renditen deutlich nach unten getrieben habe. Die Analysten würden nicht glauben, dass diese Krisenstimmung anhalten werde und somit sollten die Renditen langsam ansteigen. Dieser Bewegung würden aber schwache Konjunkturdaten Grenzen setzen.

Nach der Sommerrally erwarte man keine weiteren Zugewinne des US-Dollars gegenüber dem Euro. Der Grund für die starke Bewegung von EUR/USD habe einerseits in der (Rekord-) Bewertung der Gemeinschaftswährung sowie dem überraschend starken Konjunktureinbruch im zweiten Quartal gelegen. Die Analysten würden die Korrektur des Euro im Wesentlichen aus zwei Gründen vorerst als abgeschlossen sehen: Erstens sei die Situation der US-Wirtschaft alles andere als unterstützend für den US-Dollar und die Abwärtsrisiken - wie sich eben erst wieder gezeigt habe - seien erheblich. Zweitens sei das Zinsniveau am Geldmarkt in Euroland deutlich höher und daran sollte sich auch vorerst nichts ändern. Man erwarte daher EUR/USD in einer Bewegung um die 1,45. (Ausgabe 4. Quartal 2008) (24.09.2008/ac/a/m)