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US-Wahlen: Das Ende der Blockade kann eine Chance sein


11.11.16 11:34
Erste Asset Management

Wien (www.fondscheck.de) - Mit der Mehrheit der Republikaner im Repräsentantenhaus und Senat sowie Donald Trump als zukünftigen Präsidenten wird sich die Blockade lösen, die die Politik der Vereinigten Staaten (USA) in den vergangenen Jahren paralysierte. Zu dieser Einschätzung kommt Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

"Das Ergebnis der Wahlen ist zwar überraschend, kann aber auch eine Chance für die USA sein", so der Experte. Donald Trump stehe für Veränderung, während mit Hillary Clinton eher eine Zementierung des Status Quo antizipiert worden sei. Die Kernfrage werde sein, inwieweit sich Trump und der republikanisch dominierte Senat sowie der Kongress zum Wohle der Gewaltenteilung entgegenkämen und welche von Trumps im Wahlkampf angedeuteten Maßnahmen letztendlich umgesetzt würden.

Trump habe enorme Investitionen in die Infrastruktur der Vereinigten Staaten ankündigt. Diese dürften sowohl den Arbeitsmarkt anschieben als auch für Bauunternehmen eine gute Nachricht sein. Zugleich sollten die Abgaben drastisch gesenkt werden, dabei habe Trump Firmen und Privatleute gleichermaßen im Blick. Dies dürfte enorme Steuerausfälle zur Folge haben, die nur durch weitere Schulden - also eine noch expansivere Fiskalpolitik - gegenfinanziert werden könnten.

Handelskriege, etwa mit China, denen Trump immer wieder Manipulationen seiner Währung vorgeworfen habe, seien eher unwahrscheinlich. Jedoch sei mit selektiven Erhöhungen von Zöllen zu rechnen, die den freien Handel behindern würden. "Das wäre nicht überraschend, nachdem sich Trump beispielsweise kritisch gegenüber NAFTA und anderen Freihandelsabkommen äußerte", so Winzer. Auch mit einer verschärften Einwanderungspolitik sei zu rechnen, im Extremfall sogar mit der Ausweisung aller illegalen Zuwanderer. "Weil dies die Zunahme der arbeitsfähigen Bevölkerung beschränkt, schlägt sich das zwangsläufig in einem niedrigeren Potenzialwachstum nieder", so Winzer weiter.

Das Resultat eines niedrigeren Potenzialwachstums, des volkswirtschaftlichen Angebots würde bei einem gleichzeitig höheren Wachstum, der volkswirtschaftlichen Nachfrage zu einem stärkeren Inflationsdruck führen. Laut Winzer wären in diesem Szenario Leitzinsanhebungen wahrscheinlich.

Das Zusammenspiel einer expansiven Fiskalpolitik und einer weniger expansiven Geldpolitik bedeute einen zunehmenden Festigungsdruck des US-Dollar. Dies wiederum könne das Ausmaß von Leitzinsanhebungen reduzieren. Langfristig bestehe die Gefahr eines Vertrauensverlusts in den Greenback als Reservewährung.

In diesem Szenario würden sich die Renditen der US-Treasuries voraussichtlich nach oben bewegen. Wie bei der Geldpolitik würden mögliche Renditeanstiege durch eine Festigung des US-Dollar allerdings gedämpft.

Für Aktien und das wirtschaftliche Umfeld in anderen Ländern bleibe die Aussicht gemischt. Die Zeit der erhöhten Unsicherheit, eine restriktivere Handelspolitik, ein festerer US-Dollar sowie mehr Leitzinsanhebungen seien hierfür die Ursachen.

"Auch die Ausstrahlung der Wahlergebnisse auf die globale Politik darf nicht unterschätzt werden", so Winzer abschließend. "Die Anti-Establishment-Bewegung erhält durch den Ausgang der US-Wahl weiteren Auftrieb - das ist vor dem Hintergrund bevorstehender Wahlen in Italien, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden von besonderer Relevanz." (11.11.2016/fc/a/m)