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US-Aktienmarkt Risiken höher als Chancen
24.09.08 10:53
Erste Group Research
Wien (aktiencheck.de AG) - Fundamental gesehen hat sich die Situation am US-Aktienmarkt in den vergangenen Monaten weiter verschlechtert, so die Analysten von Erste Group Research.
Die Krise im Finanzsektor habe keine Anzeichen der Beruhigung gezeigt. Im Gegenteil: In einer spektakulären Rettungsaktion seien Anfang September die angeschlagenen Immobilienfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae unter die Verwaltung der Federal Housing Finance Agency (FHFA) gestellt und damit de facto verstaatlicht worden. Diese Maßnahme des US-Finanzministers werde voraussichtlich einige hundert Milliarden US-Dollar an künftigen Kosten für den Staatshaushalt zur Folge haben. Die genaue Summe sei derzeit nicht abschätzbar.
Während die Ansprüche der Gläubiger durch diese Aktion gewahrt geblieben seien, hätten die Aktionäre dramatische Kursverluste hinnehmen müssen. Als Konsequenz bleibe, dass risikobereite Investoren bei US-Finanztiteln künftig sehr genau darauf schauen würden, ob sie weiterhin bereit sein wollten, hohe Risiken zu übernehmen ohne gleichzeitig die Aussicht auf potenziell adäquate Erträge zu haben.
Mit der Verstaatlichung der vorhin erwähnten Immobilienfinanzierer durch das US-Finanzministerium sei zudem ein Example statuiert worden, das bei potenziellen Kapitalgebern berechtigterweise zu einer Neueinschätzung der gesamten Lage geführt habe. Das sei auch ein Grund, warum die US-Behörden so lange gezögert hätten, diese radikalen Schritte zu setzen.
Bereits Mitte September sei die nächste Hiobsbotschaft aus der US-Finanzwirtschaft gefolgt: Das traditionsreiche Investmenthaus Lehman Brothers habe seine Zahlungsunfähigkeit gemeldet und sei unter Gläubigerschutz gestellt worden. Der dramatische Abstieg von Lehman Brothers zeige, dass es für angeschlagene Finanzunternehmen immer schwieriger geworden sei, die Aktionäre für weitere, aber zum Überleben dringend benötigte Kapitalerhöhungen zu gewinnen.
Nahezu zeitgleich mit der Bekanntgabe der Zahlungsunfähigkeit von Lehman Brothers sei auch die Übernahme von Merrill Lynch durch die Bank of America publik geworden. Merrill Lynch habe ebenfalls mit der Problematik illiquider und nicht leicht bewertbarer Vermögenswerte zu kämpfen gehabt. Diese Akquisition habe die Bank of America höchstwahrscheinlich nicht aus wirtschaftlichen Gründen gemacht. Die negativen Folgewirkungen würden sich in den kommenden Quartalen durch eine fallende Profitabilität der Bank of America zeigen.
Auch American International Group (AIG), die weltgrößte Versicherung, sei Mitte September in ernsthafte Liquiditätsschwierigkeiten gekommen, wobei der Aktienkurs innerhalb weniger Tage um 80% eingebrochen sei. Die US-Regierung werde bei der Rettungsaktion von AIG eine wichtige Rolle spielen und halte bereits die Mehrheit der Anteile des Versicherers.
Aufgrund der anhaltend schwierigen Situation bei zahlreichen Finanzhäusern habe der S&P 500-Index im dritten Quartal etwa zehn Prozent an Wert eingebüßt. Durch den seit Anfang Juli deutlich gesunkenen Ölpreis seien zuletzt auch die vergleichsweise stark gewichteten Öl- und Gastitel unter massiven Verkaufdruck gekommen.
Die wichtigsten Wirtschaftsdaten wie Arbeitslosigkeit und Industrieproduktion hätten eine anhaltende Schwäche der US-Konjunktur signalisiert. In diesem Umfeld sei der kurze und ausgeprägte Anstieg des US-Dollars im Juli und August für viele Marktteilnehmer eine Überraschung gewesen, die fundamental allein nicht begründet werden könne. Die Notwendigkeit der Repatriierung liquider Mittel in die USA und die schwache Konjunktur in Europa seien wahrscheinlich die treibenden Kräfte hinter der kurzfristigen Stärke des US-Dollars zum Euro gewesen.
Das Sentiment der US-Einkaufmanager sei nur leicht im negativen Bereich was angesichts der angespannten Situation im Finanzsektor als positiver Aspekt im derzeitigen Wirtschaftsumfeld gesehen werden könne.
Hinsichtlich der Aussichten auf eine baldige Erholung der abgeschwächten Unternehmensgewinne bei US-Aktien sei ein frühzeitiger Optimismus derzeit leider noch nicht mit Fakten unterlegt. Das Revision-Ratio für den S&P 500 zeige immer noch einen Überhang an negativen Gewinnrevisionen, wenn auch nicht mehr so ausgeprägt wie in den Monaten davor.
Die Entwicklung der prognostizierten Gewinne signalisiere einen weiteren Rückgang der Profitabilität der Unternehmen. Dies sollte in den kommenden Monaten einen Belastungsfaktor für den Aktienmarkt darstellen, da wichtige Einflussgrößen wie beispielsweise der zuvor erwähnte Anstieg des US-Dollars negativere Auswirkungen auf die Ergebnisse international tätiger Konzerne haben werde als das derzeit viele Marktteilnehmer vermuten würden.
Das erwartete Umsatzwachstum für die Unternehmen des S&P 500 betrage etwa sechs Prozent, ähnliche Steigerungsraten sollten gemäß dem Konsensus-Forecast auch in den kommenden Jahren erzielt werden. Diese prognostizierten Zuwachsraten scheinen aber nur realistisch, wenn sich der US-Dollar bald wieder abschwächt, so die Analysten von Erste Group Research. Die binnenorientierten US-Unternehmen würden in den kommenden Quartalen definitiv große Schwierigkeiten haben, im Durchschnitt die prognostizierten Umsatzwachstumsraten zu erreichen. Die immer noch hohe und sogar steigende Arbeitslosigkeit sei ein wichtiger Faktor, der das Steigerungspotenzial bei den Erlösen der Unternehmen begrenze.
Die Bewertungsrelation Gewinnrendite zu Bondrendite zeige eine geringfügig höhere Attraktivität von US-Aktien versus Anleihen. Allerdings müsse bei diesem Vergleich angemerkt werden, dass die Risikoprofile dieser beiden Assetklassen stark unterschiedlich seien.
Die Bewertung des S&P 500 sei mit einem KGV von 24,0 aktuell sehr hoch, weshalb Aktien auf diesem Bewertungsniveau langfristig nur einen unterdurchschnittlichen Ertrag bieten würden. Fundamental gebe es also derzeit viele Gründe, die für eine Untergewichtung von Aktienengagements in US-Titeln sprechen würden.
Der US-Leitindex habe seinen Abwärtstrend im letzten Quartal weiter fortgesetzt. Besonders negativ zu werten sei zudem das Faktum, dass wichtige, vom Markt als relevant erachtete Aufwärtstrendlinien bereits seit einigen Monaten gebrochen worden seien und die wenigen Gegenbewegungen im Abwärtstrend nicht von steigenden Volumina begleitet worden.
Nachdem sich die Erwartungen der Analysten hinsichtlich der Entwicklung des US-Leitindex im abgelaufenen Quartal ziemlich genau erfüllt hätten, sehe man, dass die Voraussetzungen für eine rasche Trendwende derzeit noch nicht gegeben seien. Weder habe es beim S&P 500 einen starken Abschwung begleitet von hohen Volumina noch eine wochenlange Seitwärtsbewegung mit stark überdurchschnittlicher Volatilität gegeben.
Aus heutiger Sicht sei also klar, dass der US-Leitindex weiter in einer schwachen Verfassung bleiben werde. Für eine mögliche Jahresendrally sei es definitiv noch zu früh. Erst wenn konkrete Anzeichen dafür sichtbar würden, würden die Analysten dies entsprechend kommunizieren. Die voraussichtlich schwache Entwicklung der Unternehmensergebnisse bleibe fundamental ein wichtiger Belastungsfaktor für US-Aktien. Eine baldige Änderung diesbezüglich sei momentan nicht in Sicht.
Derzeit seien die Risiken bei Aktien immer noch höher als die Chancen, weshalb die Analysten weiterhin empfehlen würden, diese Assetklasse und hier insbesondere US-Aktien unterzugewichten. Weiterhin sollten insbesondere US-Finanzwerte gemieden werden, da die Marktbereinigung in diesem Sektor erst begonnen habe und dieser Prozess noch zahlreiche Quartale in Anspruch nehmen werde.
Hinsichtlich der Saisonalitäten im Zusammenhang mit den Präsidentschaftswahlen könnten Erwartungswerte in Bezug auf Performances von Aktienindices abgeleitet werden. Aus der Entwicklung des Dow-Jones-Index während der Wahljahre für die US-Präsidentschaft und danach (1900 - 2008) gehe zudem klar hervor, dass sich der Index im dritten Jahr nach der Wahl durchschnittlich am besten entwickle. Die statistisch beste Performance wäre demnach wieder im Jahr 2011 zu erwarten. (Ausgabe 4. Quartal 2008) (24.09.2008/ac/a/m)
Die Krise im Finanzsektor habe keine Anzeichen der Beruhigung gezeigt. Im Gegenteil: In einer spektakulären Rettungsaktion seien Anfang September die angeschlagenen Immobilienfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae unter die Verwaltung der Federal Housing Finance Agency (FHFA) gestellt und damit de facto verstaatlicht worden. Diese Maßnahme des US-Finanzministers werde voraussichtlich einige hundert Milliarden US-Dollar an künftigen Kosten für den Staatshaushalt zur Folge haben. Die genaue Summe sei derzeit nicht abschätzbar.
Während die Ansprüche der Gläubiger durch diese Aktion gewahrt geblieben seien, hätten die Aktionäre dramatische Kursverluste hinnehmen müssen. Als Konsequenz bleibe, dass risikobereite Investoren bei US-Finanztiteln künftig sehr genau darauf schauen würden, ob sie weiterhin bereit sein wollten, hohe Risiken zu übernehmen ohne gleichzeitig die Aussicht auf potenziell adäquate Erträge zu haben.
Mit der Verstaatlichung der vorhin erwähnten Immobilienfinanzierer durch das US-Finanzministerium sei zudem ein Example statuiert worden, das bei potenziellen Kapitalgebern berechtigterweise zu einer Neueinschätzung der gesamten Lage geführt habe. Das sei auch ein Grund, warum die US-Behörden so lange gezögert hätten, diese radikalen Schritte zu setzen.
Bereits Mitte September sei die nächste Hiobsbotschaft aus der US-Finanzwirtschaft gefolgt: Das traditionsreiche Investmenthaus Lehman Brothers habe seine Zahlungsunfähigkeit gemeldet und sei unter Gläubigerschutz gestellt worden. Der dramatische Abstieg von Lehman Brothers zeige, dass es für angeschlagene Finanzunternehmen immer schwieriger geworden sei, die Aktionäre für weitere, aber zum Überleben dringend benötigte Kapitalerhöhungen zu gewinnen.
Nahezu zeitgleich mit der Bekanntgabe der Zahlungsunfähigkeit von Lehman Brothers sei auch die Übernahme von Merrill Lynch durch die Bank of America publik geworden. Merrill Lynch habe ebenfalls mit der Problematik illiquider und nicht leicht bewertbarer Vermögenswerte zu kämpfen gehabt. Diese Akquisition habe die Bank of America höchstwahrscheinlich nicht aus wirtschaftlichen Gründen gemacht. Die negativen Folgewirkungen würden sich in den kommenden Quartalen durch eine fallende Profitabilität der Bank of America zeigen.
Auch American International Group (AIG), die weltgrößte Versicherung, sei Mitte September in ernsthafte Liquiditätsschwierigkeiten gekommen, wobei der Aktienkurs innerhalb weniger Tage um 80% eingebrochen sei. Die US-Regierung werde bei der Rettungsaktion von AIG eine wichtige Rolle spielen und halte bereits die Mehrheit der Anteile des Versicherers.
Aufgrund der anhaltend schwierigen Situation bei zahlreichen Finanzhäusern habe der S&P 500-Index im dritten Quartal etwa zehn Prozent an Wert eingebüßt. Durch den seit Anfang Juli deutlich gesunkenen Ölpreis seien zuletzt auch die vergleichsweise stark gewichteten Öl- und Gastitel unter massiven Verkaufdruck gekommen.
Die wichtigsten Wirtschaftsdaten wie Arbeitslosigkeit und Industrieproduktion hätten eine anhaltende Schwäche der US-Konjunktur signalisiert. In diesem Umfeld sei der kurze und ausgeprägte Anstieg des US-Dollars im Juli und August für viele Marktteilnehmer eine Überraschung gewesen, die fundamental allein nicht begründet werden könne. Die Notwendigkeit der Repatriierung liquider Mittel in die USA und die schwache Konjunktur in Europa seien wahrscheinlich die treibenden Kräfte hinter der kurzfristigen Stärke des US-Dollars zum Euro gewesen.
Hinsichtlich der Aussichten auf eine baldige Erholung der abgeschwächten Unternehmensgewinne bei US-Aktien sei ein frühzeitiger Optimismus derzeit leider noch nicht mit Fakten unterlegt. Das Revision-Ratio für den S&P 500 zeige immer noch einen Überhang an negativen Gewinnrevisionen, wenn auch nicht mehr so ausgeprägt wie in den Monaten davor.
Die Entwicklung der prognostizierten Gewinne signalisiere einen weiteren Rückgang der Profitabilität der Unternehmen. Dies sollte in den kommenden Monaten einen Belastungsfaktor für den Aktienmarkt darstellen, da wichtige Einflussgrößen wie beispielsweise der zuvor erwähnte Anstieg des US-Dollars negativere Auswirkungen auf die Ergebnisse international tätiger Konzerne haben werde als das derzeit viele Marktteilnehmer vermuten würden.
Das erwartete Umsatzwachstum für die Unternehmen des S&P 500 betrage etwa sechs Prozent, ähnliche Steigerungsraten sollten gemäß dem Konsensus-Forecast auch in den kommenden Jahren erzielt werden. Diese prognostizierten Zuwachsraten scheinen aber nur realistisch, wenn sich der US-Dollar bald wieder abschwächt, so die Analysten von Erste Group Research. Die binnenorientierten US-Unternehmen würden in den kommenden Quartalen definitiv große Schwierigkeiten haben, im Durchschnitt die prognostizierten Umsatzwachstumsraten zu erreichen. Die immer noch hohe und sogar steigende Arbeitslosigkeit sei ein wichtiger Faktor, der das Steigerungspotenzial bei den Erlösen der Unternehmen begrenze.
Die Bewertungsrelation Gewinnrendite zu Bondrendite zeige eine geringfügig höhere Attraktivität von US-Aktien versus Anleihen. Allerdings müsse bei diesem Vergleich angemerkt werden, dass die Risikoprofile dieser beiden Assetklassen stark unterschiedlich seien.
Die Bewertung des S&P 500 sei mit einem KGV von 24,0 aktuell sehr hoch, weshalb Aktien auf diesem Bewertungsniveau langfristig nur einen unterdurchschnittlichen Ertrag bieten würden. Fundamental gebe es also derzeit viele Gründe, die für eine Untergewichtung von Aktienengagements in US-Titeln sprechen würden.
Der US-Leitindex habe seinen Abwärtstrend im letzten Quartal weiter fortgesetzt. Besonders negativ zu werten sei zudem das Faktum, dass wichtige, vom Markt als relevant erachtete Aufwärtstrendlinien bereits seit einigen Monaten gebrochen worden seien und die wenigen Gegenbewegungen im Abwärtstrend nicht von steigenden Volumina begleitet worden.
Nachdem sich die Erwartungen der Analysten hinsichtlich der Entwicklung des US-Leitindex im abgelaufenen Quartal ziemlich genau erfüllt hätten, sehe man, dass die Voraussetzungen für eine rasche Trendwende derzeit noch nicht gegeben seien. Weder habe es beim S&P 500 einen starken Abschwung begleitet von hohen Volumina noch eine wochenlange Seitwärtsbewegung mit stark überdurchschnittlicher Volatilität gegeben.
Aus heutiger Sicht sei also klar, dass der US-Leitindex weiter in einer schwachen Verfassung bleiben werde. Für eine mögliche Jahresendrally sei es definitiv noch zu früh. Erst wenn konkrete Anzeichen dafür sichtbar würden, würden die Analysten dies entsprechend kommunizieren. Die voraussichtlich schwache Entwicklung der Unternehmensergebnisse bleibe fundamental ein wichtiger Belastungsfaktor für US-Aktien. Eine baldige Änderung diesbezüglich sei momentan nicht in Sicht.
Derzeit seien die Risiken bei Aktien immer noch höher als die Chancen, weshalb die Analysten weiterhin empfehlen würden, diese Assetklasse und hier insbesondere US-Aktien unterzugewichten. Weiterhin sollten insbesondere US-Finanzwerte gemieden werden, da die Marktbereinigung in diesem Sektor erst begonnen habe und dieser Prozess noch zahlreiche Quartale in Anspruch nehmen werde.
Hinsichtlich der Saisonalitäten im Zusammenhang mit den Präsidentschaftswahlen könnten Erwartungswerte in Bezug auf Performances von Aktienindices abgeleitet werden. Aus der Entwicklung des Dow-Jones-Index während der Wahljahre für die US-Präsidentschaft und danach (1900 - 2008) gehe zudem klar hervor, dass sich der Index im dritten Jahr nach der Wahl durchschnittlich am besten entwickle. Die statistisch beste Performance wäre demnach wieder im Jahr 2011 zu erwarten. (Ausgabe 4. Quartal 2008) (24.09.2008/ac/a/m)


