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USA Stabilisierung der Wirtschaft in Q2/09


02.04.09 15:29
Erste Group Research

Wien (aktiencheck.de AG) - Die jüngsten Indikatoren der US-Wirtschaft weisen auf einen langsameren Abschwung der US-Wirtschaft im ersten Quartal als im vierten Quartal 2008 hin, so die Analysten von Erste Group Research.

Ein negatives Vorzeichen sei aber auch für die eben zu Ende gegangene Periode zu erwarten. Der Ausblick für das zweite Quartal bleibe trübe, auch wenn die Konjunktur wieder etwas festeren Boden unter den Füssen bekommen sollte. Keine Schreckensmeldungen vom Finanzsektor, anhaltend niedrige Benzinpreise sowie das Stimuluspaket der US-Regierung würden für eine Stagnation der US-Wirtschaft im zweiten Quartal sprechen. Das Umfeld bleibe aber unsicher, da Schockwellen jederzeit wieder durch das Finanzsystem gehen könnten, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Ausgaben der Konsumenten und der Unternehmen.

Blicke man über das zweite Quartal hinaus, so würden erhebliche Risiken für die US-Wirtschaft bestehen bleiben. Bis ins Jahr 2011 hinein würden Impulse vom Stimuluspaket kommen - das Ausmaß sei aber offen. Steuersenkungen würden ca. ein Drittel des Pakets ausmachen und hier sei das Risiko, wie viel davon in die Wirtschaft fließe und wie viel auf den Sparkonten liegen bleibe, am größten. Bei den zusätzlichen Ausgaben der öffentlichen Hand sei zwar ein Einmal-Effekt garantiert, in welchem Ausmaß die Mittel aber darüber hinaus die Nachfrage anregen würden, sei ungewiss.

Somit erwarte man auch im zweiten Halbjahr nur niedrige Wachstumsraten der US-Wirtschaft. In jedem Fall werde aber das generierte Wachstum auf einer massiven Ausweitung der Schulden basiert sein. Nur, dass im Unterschied zu vorangegangenen Jahren, anstatt des privaten Sektors, die öffentliche Hand dafür verantwortlich sein werde. Für das Fiskaljahr 2009 (Ende: September 2009) werde eine Neuverschuldung der öffentlichen Hand von 12% des BIP kalkuliert, für 2010 von 8% (allerdings unter aus der Sicht der Analysten von Erste Group Research sehr optimistischen Annahmen). Die Hoffnung sei, dass durch diesen Anschub der Wirtschaftsmotor wieder zu laufen beginne. Auch wenn dies gelingen sollte, erwarte man langfristig relativ niedrige Wachstumsraten der US-Wirtschaft, da eine Konsolidierung nach einer Phase starken Wachstums unausweichlich sei.

Für die Kapitalmärkte kämen neben der Konjunktur neue Unsicherheitsfaktoren hinzu. Die Ausweitung der Verschuldung der öffentlichen Hand sei noch halbwegs evaluierbar. Mehr Unsicherheit würden hingegen die Maßnahmen der FED enthalten. Erst bei der letzten Sitzung seien die Ankäufe von Wertpapieren (darunter auch Staatsanleihen) von USD 600 Mrd. auf 1750 Mrd. ausgeweitet worden, zusätzlich zu den Maßnahmen zur Ausweitung der Liquidität im letzten Jahr. Die Größenordnung der Maßnahmen berge erhebliche inflationäre Risiken, auch wenn momentan eher die miese Konjunktur im Vordergrund stehe.

Der Markt stelle sich aber bereits jetzt die Frage, was es bedeuten werde, wenn bei einer Stabilisierung der Konjunktur die Notenbank beginne, wieder Mittel abzuziehen. Wie und ob das gelinge, sei mit soviel Unsicherheit behaftet, dass es schlussendlich nicht ohne einen erheblichen Anstieg der Renditen von Statten gehen werde. Dass dies in einem Umfeld hoher Emissionstätigkeit der öffentlichen Hand passieren sollte, verschärfe die Risiken zusätzlich.

Auch der USD werde durch die explodierende US-Staatsverschuldung, stärker aber durch die inflationären Maßnahmen der Notenbank in Mitleidenschaft gezogen werden. Unsicherheit bestehe zwar noch zu welchen "non-standard" Maßnahmen die EZB greifen könnte, schlussendlich würden die Maßnahmen der FED aber drastischer sein, da die Probleme in den USA größer seien. Die Analysten von Erste Group Research prognostizieren daher eine merkliche Abschwächung des USD im Jahresverlauf. (Ausgabe 2. Quartal 2009)(02.04.2009/ac/a/m)