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Der Sturzflug des Euro


30.03.15 16:40
EYB & WALLWITZ

München (www.fondscheck.de) - Die Stärke des Euro löste noch vor zwölf Monaten tiefe Besorgnis aus, so die Experten von EYB & WALLWITZ.

Dr. Ernst Konrad, Geschäftsführer der Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement GmbH und Fondsmanager der Phaidros Funds, werfe in den aktuellen Makroperspektiven einen Blick auf den Sturzflug des Euros und zeige, was zurückgehende Anleiherenditen und Währungskurse für die Anlagepolitik in der Eurozone, den USA und Japan bedeuten würden.

Obwohl der Wechselkurs des Euro keine direkte Zielgröße der Europäischen Zentralbank (EZB) sei, belaste der seit der Finanzkrise deutlich überbewertete Euro die konjunkturelle Erholung und erschwere der EZB den Kampf gegen deflationäre Tendenzen, so Konrad. Der seit Anfang März begonnene Kauf von Anleihen durch die EZB habe die Rendite von Staatsanleihen aus der Eurozone nun auf vor wenigen Monaten noch unvorstellbare Tiefstände gedrückt. "Der Euro hat bis zum Ende des ersten Quartals gegenüber dem US-Dollar um zehn Prozent auf 1,10 nachgegeben und sich auch gegenüber den Währungen der wichtigsten Handelspartner im Durchschnitt um acht Prozent abgeschwächt", sage Konrad.

Laut Konrad sei das von Ökonomen gerne ins Feld geführte Argument, dass ein Land mit einem Leistungsbilanzüberschuss keine schwache Währung haben könne, wieder einmal eindrucksvoll wiederlegt worden. Es stelle sich die Frage, wie es weiter gehe. Damit der Euro gegenüber dem US-Dollar weiter falle, müsse entweder die FED die Zinsen schneller als vom Markt erwartet anheben oder die EZB ihr Anleihekaufprogramm zeitlich oder im Volumen deutlich ausdehnen.

"Dass die FED aggressiver als angenommen handeln wird, ist aktuell nicht sehr wahrscheinlich", meine Konrad. "Ob es der EZB dagegen gelingt, die Finanzmärkte mit ihrer Entschlossenheit zu überraschen, hängt davon ab, welche Ziele sie letztlich mit ihrem Anleihekaufprogramm verfolgt."

Offiziell gehe es hauptsächlich um die Ankurbelung der Kreditgewährung durch das Bankensystem. Um dieses Ziel zu erreichen, dürfte der aktuelle Zuschnitt des Anleihekaufprogramms ausreichen - also keine zusätzlichen Impulse für einen schwächeren Euro. "Anders verhält es sich jedoch, wenn die EZB vor allem die Ankurbelung der Konjunktur in den wenig wettbewerbsfähigen Ländern Italien und Frankreich im Sinn hat. Hierfür ist ein noch deutlich niedrigerer Euro-Kurs nötig", so Konrad.

Angesichts des beschleunigten Kursverfalls in den letzten Wochen würden viele Investoren dieses konjunkturpolitische Ziel der EZB offenbar für realistisch halten. "Die EZB will aber sicher keinen Währungskrieg riskieren und die Kontrolle über die Gemeinschaftswährung verlieren. Alles in allem gibt es also genügend Anzeichen für eine baldige Stabilisierung des Eurokurses", meine Konrad.

Während für Unternehmen aus der Eurozone die schwächere Währung eine willkommene Gelegenheit sei, ihre Marge auszuweiten und damit den Gewinn zu steigern, werde es für Unternehmen aus den Ländern, deren Währung sich aufgewertet habe, immer schwieriger, ihr Gewinnziel zu erreichen. "Wir wollen im weiteren Jahresverlauf als "Co-Investor" der Notenbanken agieren und unsere Investments auf Regionen beziehungsweise Länder konzentrieren, in denen sich die Liquiditätssituation tendenziell verbessert. Aus diesem Blickwinkel sind Anlagen vor allem in der Eurozone attraktiver als in den USA", schließe Konrad. (30.03.2015/fc/a/m)