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Stark aufgeheizte Stimmung
08.03.17 16:04
Kames Capital
London (www.fondscheck.de) - Das Sturmtief "Doris" ist vorüber, neue Stürme könnten sich jedoch zusammenbrauen, so Patrick Schotanus, Global Investment Strategist bei Kames Capital.
Sei der Frühling dennoch in Sicht? So laute bildlich gesprochen wohl die Frage der Anleger, nachdem der Reflationskurs Fahrt aufnehme. Die wirtschaftlichen Aussichten seien zweifellos glänzend und die makroökonomischen Zahlen in den meisten wichtigen Regionen, darunter in Großbritannien, seien allgemein (und mitunter überraschend) solide. Die Inflation steige, sei aber bislang nicht besorgniserregend. Das weltweite Gewinnwachstum sei zum ersten Mal seit Langem wieder positiv. Gleichzeitig seien Verbrauchervertrauen und Geschäftsklima auf Mehrjahreshochs gestiegen. Was aber sei mit diesen Stürmen?
Sie fegen genau wie die meiste Zeit der letzten zehn Jahre in Gestalt politischer Ereignisse über uns hinweg, so die Experten von Kames Capital. Zunächst würden die Bürger in den Niederlanden am 15. März ein neues Parlament wählen. Die Umfragewerte seien zwar wechselhaft, dennoch werde die rechtspopulistische Freiheitspartei (PVV) unter Führung von Geert Wilders höchstwahrscheinlich die stärkste Kraft in den Niederlanden werden. Gleichwohl werde die PVV voraussichtlich nicht die Regierung übernehmen, da fast alle anderen Parteien eine Koalition mit ihr ablehnen würden. Andererseits könnte es für dieses kleine, aber zunehmend euroskeptische Land schwierig werden, eine Mehrheitsregierung aus anderen, kleineren Parteien zu bilden.
Ende April seien dann die Franzosen aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu wählen. Auch hier würden die Umfragen schwanken, aber gleichzeitig darauf hindeuten, dass der rechtspopulistische Front National unter Marine Le Pen die erste Runde für sich entscheiden werde. Bislang würden die Kampagnen einiger Kandidaten, unter anderem von Le Pen, von Streitigkeiten überschattet. Da im zweiten Wahlgang eine Stichwahl erforderlich sei, scheine ein Wahlsieg Le Pens unwahrscheinlich. Dennoch wachse in letzter Zeit die Sorge an den Märkten, wie die Ausweitung des Renditeabstands zwischen französischen und deutschen Anleihen belege.
Geschürt worden sei diese Sorge beispielsweise durch die Gefahr einer Koalition linksgerichteter Parteien. Das würde die Wähler im letzten Wahlgang nicht nur vor die Wahl zwischen zwei Euroskeptikern stellen, sondern auch Le Pens Chancen auf einen Wahlsieg erhöhen. Grund für die Nervosität der Anleger sei die Furcht vor den Auswirkungen eines Wahlsiegs von Le Pen. Ihre Pläne, unter anderem das geplante Referendum über die Zugehörigkeit zur EU, würden ernsthafte Fragen über die Zukunft der EU und des Euro aufwerfen und möglicherweise eine Umschuldung der französischen Staatsschulden auslösen.
In Europa gebe es daneben selbstverständlich aber auch andere heikle Themen, die Kopfzerbrechen bereiten würden, wie Italien, Griechenland oder der Brexit. Viel wichtiger sei aber der Regierungswechsel in den USA unter dem neuen US-Präsidenten Trump. Obwohl die neue Regierung gerade erst die Geschäfte übernommen habe, sehe es nicht danach aus, als würde der Himmel in den ersten 100 Tagen voller Geigen hängen.
Stattdessen bestehe nach Erachten der Experten die reale Gefahr einer dysfunktionalen Regierung. Und das nicht nur wegen Streitigkeiten in den eigenen Reihen und eines sprunghaften Präsidenten, sondern auch aufgrund der anhaltenden Passivität, des Widerstands anderer Interessengruppen, der bis hin zur Blockade gehe.
Hierzu würden neben den Nachrichtendiensten und den Medien Bundesbehörden wie die Steuerbehörde IRS und die Umweltschutzbehörde zählen. Das würde nicht nur die ehrgeizigen Haushalts-, Steuer-, Handels- und Regulierungs- bzw. Reformpläne ins Wanken bringen, die Anleger auf Anhieb begeistert hätten. Es würde auch eine breite Öffentlichkeit frustrieren, deren Geduld zu Ende sei.
Als Supertramp ihr Album "Crisis? What Crisis" unter anderem mit dem Titel "Soapbox Opera" (Seifenoper) herausgebracht habe, sei Gerald Ford US-Präsident gewesen. Der Wechselkurs des US-Dollar zum Pfund Sterling habe bei 2:1 gelegen und die US-Staatsschuldenquote (zum BIP) habe sich auf knapp über 30% belaufen, während der Goldpreis bei 150 US-Dollar notiert habe. Die Inflation sei jedoch so rasant gestiegen, dass die US-Notenbank FED und ihr damaliger Präsident Paul Volcker gezwungen gewesen seien, die Zinsen massiv zu erhöhen.
Die Inflation sei derzeit zwar nach wie vor niedrig, die Stimmung sei jedoch stark aufgeheizt und die Menschen würden sich aggressiv zu Wort melden. Die populistischen Trends im Allgemeinen und die jüngsten Wahlergebnisse im Besonderen würden eine Spaltung offenbaren, die eine Bewahrung des Status quo unmöglich mache.
So sei die aktive Teilnahme bislang gleichgültiger Wähler der beste Beweis dafür, dass die Menschen an Veränderungen glauben würden. Wirtschaftliche Reflation allein, nach dem guten alten Motto von Bill Clinton, wonach es auf die Wirtschaft ankomme (It's the economy, stupid), dürfte nicht ausreichen. Und sei es nur, weil sie auf denselben Dogmen einer expansiven Fiskal- und Geldpolitik basiere, welche die Staatsschuldenquote auf das aktuelle Niveau von 105% befördert habe und denjenigen, die die jüngsten politischen Veränderungen vorangetrieben hätten, nichts genützt hätten.
Einige Wirtschaftsfachleute und andere Experten würden anführen, die Wähler hätten nicht rational gehandelt. Einige wollten sogar Entscheidungen wie den Brexit rückgängig machen. Diese Leute hätten nicht verstanden, worum es gehe. In dieser Hinsicht treffe der Intro des Supertramp-Songs die Sache auf den Punkt. "I hear only what I want to hear; But, I have to believe in something; Have to believe just one thing". Vielleicht habe Obama letzten Endes Recht gehabt. (08.03.2017/fc/a/m)
Sei der Frühling dennoch in Sicht? So laute bildlich gesprochen wohl die Frage der Anleger, nachdem der Reflationskurs Fahrt aufnehme. Die wirtschaftlichen Aussichten seien zweifellos glänzend und die makroökonomischen Zahlen in den meisten wichtigen Regionen, darunter in Großbritannien, seien allgemein (und mitunter überraschend) solide. Die Inflation steige, sei aber bislang nicht besorgniserregend. Das weltweite Gewinnwachstum sei zum ersten Mal seit Langem wieder positiv. Gleichzeitig seien Verbrauchervertrauen und Geschäftsklima auf Mehrjahreshochs gestiegen. Was aber sei mit diesen Stürmen?
Sie fegen genau wie die meiste Zeit der letzten zehn Jahre in Gestalt politischer Ereignisse über uns hinweg, so die Experten von Kames Capital. Zunächst würden die Bürger in den Niederlanden am 15. März ein neues Parlament wählen. Die Umfragewerte seien zwar wechselhaft, dennoch werde die rechtspopulistische Freiheitspartei (PVV) unter Führung von Geert Wilders höchstwahrscheinlich die stärkste Kraft in den Niederlanden werden. Gleichwohl werde die PVV voraussichtlich nicht die Regierung übernehmen, da fast alle anderen Parteien eine Koalition mit ihr ablehnen würden. Andererseits könnte es für dieses kleine, aber zunehmend euroskeptische Land schwierig werden, eine Mehrheitsregierung aus anderen, kleineren Parteien zu bilden.
Ende April seien dann die Franzosen aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu wählen. Auch hier würden die Umfragen schwanken, aber gleichzeitig darauf hindeuten, dass der rechtspopulistische Front National unter Marine Le Pen die erste Runde für sich entscheiden werde. Bislang würden die Kampagnen einiger Kandidaten, unter anderem von Le Pen, von Streitigkeiten überschattet. Da im zweiten Wahlgang eine Stichwahl erforderlich sei, scheine ein Wahlsieg Le Pens unwahrscheinlich. Dennoch wachse in letzter Zeit die Sorge an den Märkten, wie die Ausweitung des Renditeabstands zwischen französischen und deutschen Anleihen belege.
Geschürt worden sei diese Sorge beispielsweise durch die Gefahr einer Koalition linksgerichteter Parteien. Das würde die Wähler im letzten Wahlgang nicht nur vor die Wahl zwischen zwei Euroskeptikern stellen, sondern auch Le Pens Chancen auf einen Wahlsieg erhöhen. Grund für die Nervosität der Anleger sei die Furcht vor den Auswirkungen eines Wahlsiegs von Le Pen. Ihre Pläne, unter anderem das geplante Referendum über die Zugehörigkeit zur EU, würden ernsthafte Fragen über die Zukunft der EU und des Euro aufwerfen und möglicherweise eine Umschuldung der französischen Staatsschulden auslösen.
Stattdessen bestehe nach Erachten der Experten die reale Gefahr einer dysfunktionalen Regierung. Und das nicht nur wegen Streitigkeiten in den eigenen Reihen und eines sprunghaften Präsidenten, sondern auch aufgrund der anhaltenden Passivität, des Widerstands anderer Interessengruppen, der bis hin zur Blockade gehe.
Hierzu würden neben den Nachrichtendiensten und den Medien Bundesbehörden wie die Steuerbehörde IRS und die Umweltschutzbehörde zählen. Das würde nicht nur die ehrgeizigen Haushalts-, Steuer-, Handels- und Regulierungs- bzw. Reformpläne ins Wanken bringen, die Anleger auf Anhieb begeistert hätten. Es würde auch eine breite Öffentlichkeit frustrieren, deren Geduld zu Ende sei.
Als Supertramp ihr Album "Crisis? What Crisis" unter anderem mit dem Titel "Soapbox Opera" (Seifenoper) herausgebracht habe, sei Gerald Ford US-Präsident gewesen. Der Wechselkurs des US-Dollar zum Pfund Sterling habe bei 2:1 gelegen und die US-Staatsschuldenquote (zum BIP) habe sich auf knapp über 30% belaufen, während der Goldpreis bei 150 US-Dollar notiert habe. Die Inflation sei jedoch so rasant gestiegen, dass die US-Notenbank FED und ihr damaliger Präsident Paul Volcker gezwungen gewesen seien, die Zinsen massiv zu erhöhen.
Die Inflation sei derzeit zwar nach wie vor niedrig, die Stimmung sei jedoch stark aufgeheizt und die Menschen würden sich aggressiv zu Wort melden. Die populistischen Trends im Allgemeinen und die jüngsten Wahlergebnisse im Besonderen würden eine Spaltung offenbaren, die eine Bewahrung des Status quo unmöglich mache.
So sei die aktive Teilnahme bislang gleichgültiger Wähler der beste Beweis dafür, dass die Menschen an Veränderungen glauben würden. Wirtschaftliche Reflation allein, nach dem guten alten Motto von Bill Clinton, wonach es auf die Wirtschaft ankomme (It's the economy, stupid), dürfte nicht ausreichen. Und sei es nur, weil sie auf denselben Dogmen einer expansiven Fiskal- und Geldpolitik basiere, welche die Staatsschuldenquote auf das aktuelle Niveau von 105% befördert habe und denjenigen, die die jüngsten politischen Veränderungen vorangetrieben hätten, nichts genützt hätten.
Einige Wirtschaftsfachleute und andere Experten würden anführen, die Wähler hätten nicht rational gehandelt. Einige wollten sogar Entscheidungen wie den Brexit rückgängig machen. Diese Leute hätten nicht verstanden, worum es gehe. In dieser Hinsicht treffe der Intro des Supertramp-Songs die Sache auf den Punkt. "I hear only what I want to hear; But, I have to believe in something; Have to believe just one thing". Vielleicht habe Obama letzten Endes Recht gehabt. (08.03.2017/fc/a/m)


