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Sojabohnen vor weiterem Kursrutsch?


06.03.09 08:58
Rohstoff-Trader

Gerbrunn (aktiencheck.de AG) - An den Sojabohnen gingen die ersten Jahre der jüngsten Rohstoff-Rally nahezu spurlos vorüber, so die Experten vom "Rohstoff-Trader".

Während viele "Naturschätze" zwischen 2000 und 2006 teilweise exorbitante Kurszuwächse erzielt hätten, hätten die Notierungen der Sojabohnen lustlos vor sich hingedümpelt, bevor sie dann innerhalb von wenigen Monaten von unter 600 auf 1.600 US-Cents angezogen hätten. Mittlerweile hätten sich die Preise wieder halbiert. Lohne sich auf diesem Niveau der Long-Einstieg oder gehe es noch eine "Etage" tiefer?

Unter fundamentalen Gesichtspunkten seien Sojabohnen nach wie vor ein knappes Gut: Mitte Februar habe das US-Landwirtschaftsministerium seine Schätzungen bezüglich der 2008/09er Endbestände nochmals von zuvor 225 auf jetzt 210 Millionen Scheffel reduziert. Wenngleich das einen leichten Anstieg gegenüber der vergangenen Saison bedeute (205 Millionen Scheffel), bleibe das Verhältnis zwischen Vorräten und Verbrauch mit nur sieben Prozent unverändert angespannt. Deutlich besser sehe es da auf globaler Ebene aus: Hier bewege sich die Ending Stock to Use Ratio bei 22 Prozent. Allerdings würden die Experten auch ebenfalls einen Rückgang der Endbestände von 53 auf 50 Millionen Tonnen erwarten.

Verantwortlich für die weltweite Mine auf der Angebotsseite seien in erster Linie Ernteausfälle in Südafrika und Südamerika. Im "Kap-Staat" habe zu trockenes und heißes Wetter zu Schäden an den Pflanzen geführt. Für Brasilien und Argentinien prophezeie das amerikanische Landwirtschaftsministerium einen Rückgang des Sojabohnen-Outputs von rund sechs Prozent. Ob es dazu wirklich komme, bleibe abzuwarten. In den letzten Jahren hätten die beiden bedeutenden Erzeuger-Länder ihre Produktion regelmäßig gesteigert.

Vor dem Hintergrund dieser Zahlen verwundere der Kursrutsch in den letzten Wochen doch etwas. Teilweise dürften die leichteren Notierungen sicherlich auf das generell nicht gerade günstige Gesamtmarktumfeld bei den Rohstoffen zurückzuführen sein. Hinzu komme, dass die Experten für 2010 einen recht deutlichen Angebotsüberschuss von 180 Millionen Scheffeln erwarten, der zu einem erkennbaren Plus bei den Endbeständen führe. Offenbar "spiele" der Markt bereits jetzt dieses Szenario, auch wenn wirklich verlässliche Prognosen zur Ernte im kommenden Wirtschaftsjahr eigentlich noch nicht möglich seien. Die gegenwärtigen Fundamentals würden in jedem Fall dafür sprechen, dass sich das weitere Abwärtspotenzial bei den "Bohnen" in einem überschaubaren Rahmen halten sollte.

Sehr "buhlisch" präsentiere sich davon abgesehen die Saisonalität: Von März bis Juni würden Sojabohnen für gewöhnlich eine bemerkenswerte "Rally" aufs "Börsenparkett" legen. In dieser Zeit würden bereits kleinere Sorgen bezüglich der Witterungsbedingungen Ängste vor Ernteausfällen insbesondere in den USA schüren. Bisher sei das Wetter im amerikanischen "Corn-Belt" zwar noch gut, aber das könne sich schnell ändern. Anleger, die vorzugsweise Saisonalitäten traden würden, könnten sich einen Long-Einstieg daher ernsthaft überlegen.

Wer hingegen lieber die Charttechnik zu Rate ziehe, sollte Long-Engagements zur Stunde noch meiden. Trotz des Erholungsversuchs zu Jahresbeginn sei der Abwärtstrend seit Sommer 2008 intakt. Nachdem sich im Bereich von knapp über 1.000 US-Cents ein Triple Top gebildet habe, seien die Kurse zuletzt wieder unter Abgabedruck geraten. Von daher verwundere es nicht, dass der MACD auf "verkaufen" stehe und auch der RSI mit deutlich unter 50 klar im "bärischen" Bereich verharre. Lediglich die dynamischere Stochastik schicke sich zur Stunde an, ein Kaufsignal zu generieren. Zugegebenermaßen bestehe eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass die "kleine" Unterstützung bei 850 US-Cents halte und die Kurse bereits kurzfristig wieder anziehen würden.

Die Experten vom "Rohstoff-Trader" gehen jedoch eher davon aus, dass die 800 US-Cents noch einmal in Angriff genommen werden. In diesem Bereich würden sie dann eine Umkehrformation erwarten. Komme es dazu, würden Long-Engagements ein vernünftiges Chance/Risiko-Verhältnis bieten. Sehr kurzfristig orientierte Investoren könnten zur Stunde möglicherweise den einen oder anderen Euro mit einer Short-Spekulation verdienen, wenn die Expertenerwartung eines nochmaligen Tests der 800-US-Cents-Marke Realität werde. (06.03.2009/ac/a/m)