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Schweizer Exporteure stark von der Krise betroffen


02.04.09 16:20
Erste Group Research

Wien (aktiencheck.de AG) - Mit einem Exportanteil am BIP von über 55% ist die Schweiz dem globalen wirtschaftlichen Abschwung stark ausgesetzt, so die Analysten von Erste Group Research.

Obwohl im vierten Quartal noch keine massive Eintrübung sichtbar gewesen sei, werde dies leider nicht so bleiben, wie die Exportdaten des Zollamtes andeuten würden.

Auch das KOF-Konjunkturbarometer bestätige diese Entwicklung. Dieser ziemlich zuverlässige Frühindikator für das BIP habe historische Tiefstände erreicht und deute eine beschleunigte Kontraktion der Wirtschaft mindestens im ersten Quartal, womöglich aber sogar im ersten Halbjahr an. Zusätzlich seien die Schweizer Großbanken stark von der Krise betroffen, was ihre Funktion als Unternehmensfinanzierer schwäche. Laut SNB (Schweizer Nationalbank) habe ein Transfer der Kundengelder von den Großbanken zu den Kantonalbanken festgestellt werden können, welche nun mehr Liquidität zur Verfügung hätten.

Geplant sei, dass die Großbanken vermehrt über Pfandbriefe, welche von den Kantonalbanken gekauft würden, Zugang zu deren Liquidität erhalten würden, um so die Kreditvergabe für Unternehmen zu unterstützen. Die Unternehmensinvestitionen sollten dennoch nachfragebedingt bis auf weiteres stark abfallen. Dies werde durch die erste und zweite Stufe des Konjunkturpaketes, welche auf Investitionen in Bau, Infrastruktur, Forschung und Tourismus abziele, abgemildert, aber nicht vermieden. Da der Arbeitsmarkt sich auch in der Schweiz seit einiger Zeit eintrübe (besonders betroffen seien Finanz und Industrie), sei ebenfalls mit einer deutlichen Abschwächung des Konsums zu rechnen, welche mit Zeitverzögerung eintreffen sollte.

Die Inflation, welche in der Schweiz traditionell niedrig sei, sollte wie in vielen industrialisierten Ländern dieses Jahr im Durchschnitt negativ sein. Vonseiten der SNB sei auch die Befürchtung anhaltend niedriger Raten geäußert worden, weshalb deutliche Maßnahmen getroffen worden seien, um gegenzusteuern.

Vonseiten der Geldpolitik habe es in der Schweiz große Neuigkeiten gegeben. Zusätzlich zu einer weiteren Zinssenkung (es werde ein 3M Libor bei 0,25% angestrebt) sei der Ankauf von Anleihen Privater Emittenten sowie Interventionen an den Währungsmärkten beschlossen worden. Diese sogar in Zeiten, wo "Quantitative Easing" bei vielen Notenbanken verbreitet sei. Innovative Maßnahmen würden zum einen auf ein direktes Absenken der Finanzierungskosten für Unternehmen abzielen, zum anderen auf eine allgemein expansivere Geldpolitik, um so der Gefahr zu niedriger Inflationsraten entgegenzuwirken.

Die Notenbank bringe durch die erste Maßnahme zusätzliche Liquidität ins System, durch die Intervention an den FX-Märkten sollte die Belastung durch einen starken Franken vermieden werden. SNB Ratsmitglied Jordan habe aber betont, dass keine massive Abschwächung im Sinne einer "Beggar thy neighbor" Wettbewerbsverzerrung angestrebt werde. Insgesamt deute dies auf eine Seitwärtsbewegung des Franken hin, welcher nur wenig von seiner Eigenschaft als sicherer Hafen eingebüßt habe. (Ausgabe 2. Quartal 2009) (02.04.2009/ac/a/m)