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Ölmarkt: Das neue Paradigma


06.02.15 12:32
Baring Asset Management

Boston (www.fondscheck.de) - Der globale Ölmarkt steht an einem noch nie da gewesenen Wendepunkt, so die Experten von Baring Asset Management ("Barings").

Der jähe Fall des Ölpreises im vergangenen halben Jahr habe für viele Produzenten offenkundig eine goldene Ära beendet. Diese sei zwar lediglich von kurzer Dauer gewesen, da sie nur wenige Jahre nach dem Absturz des Ölmarktes infolge der globalen Finanzkrise begonnen habe, die Experten seien jedoch davon überzeugt, dass das Verständnis über die Entwicklungen der Industrie in diesem Zeitraum wichtige Erkenntnisse darüber liefere, wie sich der Markt zukünftig entwickeln werde.

Im Gegensatz zum vorherigen Absturz sei die aktuelle Krise nicht das Ergebnis einer schwächeren Nachfrage, sondern eines strukturellen Überangebots, das von der gewaltigen Ausdehnung des amerikanischen Onshore-Bereichs herrühre. Für die Entwicklung der US-Onshore-Industrie, die durch historisch hohe Ölpreise, die Verfügbarkeit von günstigen Krediten und den rasanten technologischen Fortschritt bei der Schieferölförderung beflügelt worden sei, seien die letzten Jahre von entscheidender Bedeutung gewesen.

Durch den hohen Ölpreis, der beinahe drei Jahre lang über 100 USD je Barrel gelegen habe, hätten kostenintensive Investitionsvorhaben realisiert werden können, was mit niedrigeren Preisen nicht nachhaltig möglich gewesen wäre. Gleichzeitig habe das Preisniveau mehrere kleine Explorations- und Förderunternehmen in die Branche gezogen. Für das Verständnis über die weitere Entwicklung der aktuellen Marktdynamik sei dies ein äußerst wichtiger Punkt.

Nach Einschätzung der Experten werde der Absturz des Ölpreises zu Kürzungen und Verschiebungen von kostenintensiveren Projekten sowie zu Konsolidierungen am oberen Ende der Kostenkurve führen, an dem viele der erwähnten US-Onshore-Unternehmen angesiedelt seien. Darüber hinaus müssten einige größere integrierte Mineralölgesellschaften ihre zahlreichen Projekte außerhalb der USA, die ebenfalls am obersten Ende der Kostenkurve lägen, überdenken.

Die während der Sitzung im November 2014 getroffene Entscheidung der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC), die Fördermenge angesichts der sinkenden Preise nicht zu begrenzen, werde diese Neuausrichtung zusätzlich beschleunigen. Nach Ansicht der Experten läute diese aktive Maßnahme der OPEC die Entstehung eines neuen Paradigmas am Ölmarkt ein. Infolge der fällig werdenden Ölsicherungsgeschäfte und der Abwicklung von bestehenden Ölbohrverpflichtungen werde sich die neue Struktur durch eine erhöhte Volatilität und ein Überangebot auszeichnen.

Die Anzahl an Ölplattformbetreibern im US-Onshore-Sektor dürfte zukünftig schrumpfen und die Experten würden daher von einer starken Angebotskorrektur in den nächsten sechs bis zwölf Monaten ausgehen, was in der zweiten Jahreshälfte zu einer Preiserholung führen dürfte. Die Niveaus der Vergangenheit werde der Ölpreis nach Einschätzung der Experten allerdings nicht mehr erreichen. Sollten sich die Preise dahingehend entwickeln, dass sie eine erneute Kapitalflut in den US-Onshore-Bereich auslösen würden, sei es eher wahrscheinlich, dass die OPEC aktiv auf die Förderquote einwirken werde.

In einem Umfeld, das sich durch einschneidende Veränderungen auszeichne, sei es nach Ansicht der Experten unerlässlich, mit Blick auf Investitionen am globalen Markt für Rohstoffaktien eine ausgewogene Strategie beizubehalten. Die Experten würden die Bandbreite an verfügbaren Sektoren in ihrem Anlageuniversum vollständig ausschöpfen und die direkten und sekundären Anlagechancen, die sich durch das neue Paradigma des Ölmarktes im gesamten Rohstoffaktiensegment ergeben würden, interessiert zur Kenntnis nehmen. (06.02.2015/fc/a/m)