Multi-Asset-Fonds: Kontrollierte Offensive


15.03.16 13:15
FundResearch

München (www.fondscheck.de) - So richtig in Schwung kommt der DAX auch nach drei Monaten im neuen Jahr nicht, so die Experten von "FundResearch".

Seit Anfang des Jahres breche das deutsche Aktienbarometer zwar immer wieder neue Rekorde - doch die wolle eigentlich kein Anleger sehen. Schlechtester Jahresstart seit einem Vierteljahrhundert, größter Wochenverlust seit 2011, 28-Monats-Tief. Über all dem schwebe die derzeitige Niedrigzinsphase.

Wo würden Investoren noch ihre Renditen her bekommen? Was sei auf den Märkten los? Und welche Strategie sei in diesem Umfeld die richtige? Darüber würden Markus Peter, Leiter Produkte von Bellevue Asset Management, Andrew Harmstone-Rakowski, Portfolio-Manager bei Morgan Stanley, Walter Liebe, Senior Investment Advisor bei Pictet Asset Management, Daniel Lösche, Investmentanalyst bei Schroders und Detlev Kleis, Senior Portfolio-Manager bei UBS Asset Management unter der Moderation von Peter Gewalt, stellvertretendem Chefredakteur der Euro am Sonntag diskutieren.

"Das Sentiment an den Märkten ist derzeit überpessimistisch. Es sind zwar fundamentale Verwerfungen in China und in den USA vorhanden. Aber das Weltwirtschaftswachstum ist positiv", fasse Lösche zusammen. Seine Einschätzung teile unter anderem Kleis: "Wir beobachten eine schlechte Stimmung trotz guter Unternehmensnachrichten." Eine Vielzahl von Krisen habe zu dieser Lage beigetragen: "Man muss aber betonen, dass der Auslöser für den Ölpreisverfall nicht eine schwächelnde Weltwirtschaft, sondern die Angebotsseite war."

Die Folge sei nun, dass im Energiesektor der USA Kreditausfälle drohen würden. "Da herrscht nicht nur schlechte Stimmung, sondern es besteht eine reale Gefahr. Die Gefahr einer negativen Abwärtsspirale ist da." Lösche halte dagegen: "Wir glauben weder an ein Hardlanding in China, noch an eine Rezession in den USA. Die Reaktionen auf die Entwicklung in China sind zudem nicht neu. Wir erleben 'nur' eine Abschwächung der konjunkturellen Erholung." Unterstützung erhalte er von Harmstone-Rakowski, der zwei Ursachen für die panikartigen Verkäufe ausmache.

"Die chinesische Regierung steht vor der Herausfoderung ihr Wirtschaftsmodell, das bisher auf Ausgaben für Investitionen und Exporte fußt, zu einem inländischen, konsumorientierten Modell umzubauen. Das braucht seine Zeit." Die Frage sei, wie lange die Regierung das durchhalte und ob sie in das vorausgegangene Modell zurückfalle.

Besonders beim Thema Öl beleuchte der Experte einen bisher wenig beachteten Aspekt: "Der Preisabsturz beim Öl stellt eine Verschiebung des Wohlstandes von Energieproduzenten hin zum Konsumenten dar." Die Auswirkungen hätten zwar noch auf sich warten lassen, aber "das heißt nicht, dass wir sie nicht sehen werden." Die Anzahl der Konsumenten sei dabei so groß, dass alleine diese Verschiebung ausreichen könne, um zu verhindern, dass die USA in eine Rezession stürzen würden.

Auch Peter glaube nicht an ein solches Szenario: Das Basisszenario, welches er in dem BB Global Macro-Fonds von Bellevue umsetze, gehe zwar von einem Andauern der Kreditkrise in den Schwellenländern aus. Zuletzt hätten die Schweizer aber die Wahrscheinlichkeit für ihr positives Szenario erhöht: Der DAX sei nach den massiven Kurskorrekturen wieder attraktiv bewertet.

Das negative Szenario, welches von einer Ansteckung der Industrieländer durch die Schwellenländerkrise ausgehe, halte Peter dagegen aktuell für eher unwahrscheinlich. Liebe ergänze die Diskussion um China schließlich um einen bisher weniger bekannten Aspekt: "Mitte Februar lief in Hongkong über öffentliche Leuchtschriftlaufbänder die Mitteilung: Chinesischer Handelsüberschuss wächst. Zwei Tage später lautete die Überschrift in der FAZ: Chinas Außenhandel schrumpft. In Asien werden Ereignisse, und damit auch die Krise, völlig anders wahrgenommen als bei uns."

Liebe empfehle Anlegern sich marktneutral zu positionieren: "Mit dem Pictet Total Return Phoenix-Fonds erwirtschaften wir unabhängig von der Marktrichtung eine positive Entwicklung. Wir wetten nicht darauf, dass die Märkte fallen." Lösche dagegen könne mit dem Schroder ISF European Equity Absolute Return-Fonds (ISIN LU0995125555 / WKN A1XB4L) auch auf fallende Märkte setzen: "Durch unseren überlegten Long-Short-Ansatz erzielen wir eine stabile Rendite."

Peter dagegen nutze die Möglichkeit Short zu gehen nur kurzfristig: "Die Zentralbanken sind immer noch expansiv unterwegs. Da sind wir lieber auf der Long-Seite. Short-Positionen bieten sich vor allem an, wenn die Zinsen schnell ansteigen. Denn dann verdienen Sie mit allen Assetklassen weniger." In der aktuellen Tiefzinsphase nutze Bellevue das Leverage, um zu günstigen Bedingungen eine Zusatzrendite zu erzielen.

"Wir nutzen kein Leverage", betone Harmstone-Rakowski. "Wir legen bei unserem MS INVF Global Balanced Income Fund Wert auf Flexibilität und wollen die Volatilität kontrollieren." Kleis dagegen setze mit den UBS Strategy Funds und dem UBS Global Allocation Focus Europe vermehrt auf Beta: "Wir möchten von dem, was die Märkte bieten, profitieren. Mit Alpha profitieren Sie mehr vom Können des Fondsmanagers. Die Frage ist, wie viel von welcher Komponente man will." Einig seien sich dagegen alle Experten in einem Punkt: Die aktuelle Phase trenne bei Fonds die Spreu vom Weizen.

Ob und welche Fonds durch die turbulenten Zeiten gut hindurchkommen würden, sei für viele Investoren aber nicht leicht zu erkennen: "Es besteht ein erheblicher Redebedarf bei den Kunden", berichte Kleis. "Abschwünge wie den derzeitigen haben wir nicht vorhergesehen. Aber wir wissen, dass Aktien ihre Risikoprämie verdienen. Gewisse Schwankungen muss man also durchhalten können, um mittel- bis langfristig Rendite zu erzielen." Umso länger man mit Kunden zusammenarbeiten dürfe, umso besser sei das Verständnis dafür.

"Es ist nun Mal auch Tatsache, dass Verluste wesentlich mehr schmerzen, als Gewinne gut tun. Da müssen wir viel Kommunikationsarbeit leisten", ergänze Lösche. Peter rate Anlegern dazu, mutig zu bleiben: "Bewegen Sie sich nicht mit dem Gros der Investoren." Auch Harmstone-Rakowski beschwichtige: "Volatilität ist ein Marktgeschehen, welches die Gelegenheit kreiert, in der Zukunft Wert zu generieren. Wichtig ist, nicht in Panik zu verfallen." Für Lösche jedenfalls sei klar: "Die Volatilität ist gekommen, um zu bleiben." Dennoch: "Auf Jahressicht sind wir positiv für Aktien", sage Liebe. (15.03.2016/fc/a/f)





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