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Makroökonomische Trends für 2013 im Detail


27.12.12 13:47
Erste Group Research

Wien (www.aktiencheck.de) - Notwendige staatliche Sparmaßnahmen werden 2013 das weltweite wirtschaftliche Umfeld dämpfen und eine Rückkehr zu Boom-Phasen verhindern, sagt Fritz Mostböck, Chefanalyst von Erste Group Research, voraus.

Der ungelöste Syrienkonflikt sowie die politisch angespannte Lage in Ägypten könnten zumindest zeitweise für Verunsicherung auf den Finanzmärkten sorgen und die Rohstoffpreise belasten. In den USA werde infolge der Ankäufe der Federal Reserve das Konsumentenvertrauen gestärkt und der private Konsum gestützt. Das Wachstum sollte daher 2013 stabil bei 2% bleiben, 2014 werde mit einer Beschleunigung gerechnet. Das sollte auch dem globalen Wachstum einen dringend benötigten Impuls geben, speziell den Exporten der Eurozone.

Die Maßnahmen der Europäischen Zentralbank hätten die Stimmung an den Finanzmärkten verbessert. Unter Betrachtung eines niedrigen Wachstums könnte es nur eine Frage der Zeit sein, wann sich die Finanzmärkte und die Realwirtschaft einander wieder annähern würden. "Mit dem Beitritt Kroatiens zur EU im Juli 2013 erwarten wir durch den Zugang zum gemeinsamen Markt und zu EU-Fördermitteln ein zusätzliches BIP-Wachstum von bis zu 2,5% zwischen 2014 und 2020. Der EU-Integrationsprozess am Balkan wird noch einen weiteren Schub bekommen: Serbien sollte ein Datum für die Beitrittsverhandlungen bekommen", füge Mostböck hinzu.

"Die globalen Aktienmärkte werden im nächsten Jahr weiter zulegen", sage der Chefanalyst. Moderate Bewertungen und der Mangel an attraktiven Alternativen würden einen Anstieg der globalen Aktienindices unterstützen. Unternehmen mit einem hohen Grad an geographischer Diversifikation und einer breiteren Kundenbasis würden auf eine bessere Cash-Flow-Generierung verweisen können. Die begrenzten Investitionen im Bereich Erweiterung und M&A könnten zu einer stark erhöhten Nachfrage nach Neuemissionen und zur Einengung der Spreads führen, insbesondere bei Unternehmen in der Kernregion.

"Anleger sollten aus unserer Sicht Investitionen in Telekommunikations- und Versorgeraktien meiden", empfehle Mostböck. "Wir sehen die Autoproduktion in Zentral- und Osteuropa als attraktives Investment. Jedes vierte in der EU produzierte Auto wird das Schild "Made in CEE" tragen. Die ehemalige Tschechoslowakei ist mit geschätzten 2 Mio PKWs im Jahr 2012 der zweitgrößte Autoerzeuger in Europa gleich nach Deutschland. Die Autoherstellung in dieser Region gewinnt kontinuierlich Marktanteile und profitiert von ihren kompetitiven Arbeitskosten und der starken Präsenz von deutschen (Volkswagen (ISIN DE0007664039/ WKN 766403), Skoda) und asiatischen Herstellern (KIA Motors (ISIN KR7000270009/ WKN 885677), Hyundai Motor (ISIN USY384721251/ WKN 885166), Toyota Motor (ISIN JP3633400001/ WKN 853510))."

Die Trends für 2013 im Detail:

Die globale Verschuldungssituation werde ein dominantes Thema bleiben. Die hohen Gesamtverschuldungsraten würden sich - auch außerhalb der Eurozone - nicht in kurzer Zeit abbauen lassen. Aller Voraussicht nach werde uns die Verschuldungskrise der großen Industrienationen (Eurozone, aber auch USA, Japan, Großbritannien) noch mehrere Jahre herausfordern. Das ökonomische Umfeld werde unterdessen fragil bleiben. Der Abbau der Verschuldung könne nur zäh und langfristig erfolgen. Dies werde in den kommenden Monaten Finanzmärkte und Realwirtschaft gleichermaßen immer wieder auf die Probe stellen.

Die Konjunktur werde sich global, aber vor allem in Europa, verhalten entwickeln. Die vergangenen fünf Jahre seit der Finanzkrise 2008 hätten im Zeichen konjunktureller Abschwächung gestanden. Das wirtschaftliche Umfeld sei nicht zuletzt infolge der vielfach hohen Staatsverschuldungen belastet und deshalb verletzlicher für konjunkturelle Rückschläge geworden. Notwendige staatliche Sparmaßnahmen würden das Umfeld nachfrageseitig weiterhin dämpfen und eine Rückkehr zu Boom-Phasen verhindern. Dabei werde die ökonomische Abschwächung auf moderatere Wachstumsniveaus von großen Schwellenländern wie China oder Indien ihr Übriges tun.

Der noch ungelöste Syrien-Konflikt sowie die politisch angespannte Lage in Ägypten könnten Verunsicherung sorgen. Konflikte dieser Art im Nahen Osten würden zumindest kurzfristig die Finanzmärkte und vor allem längerfristig Öl- und Rohstoffpreise belasten.

Die Erholung am US-Häusermarkt scheine nun robust, insbesondere infolge der Ankäufe der Federal Reserve: Die Hauspreise und die Verkäufe von Eigenheimen würden steigen, während der Häuserlagerbestand sinke (Zwangsvollstreckungen würden noch auf hohem Niveau bleiben). Das sollte das Konsumentenvertrauen stärken und den privaten Konsum 2013 stützen, was angesichts zu erwartender staatlicher Sparmaßnahmen besonders wichtig sei. Die Analysten würden glauben, dass diese durch eine Erholung der Binnennachfrage kompensiert werden könnten. Das Wachstum sollte daher 2013 insgesamt stabil bei 2% bleiben, bevor eine Beschleunigung für 2014 erwartet werde. Das sollte auch dem globalen Wachstum einen Impuls geben, speziell den Exporten der Eurozone.

Sei 2013 mit einer Fortsetzung des "Riks-on-Modus" und einer weiteren Einengung der Spreads zu rechnen? Hohe Unsicherheit resultiere normalerweise in einer hohen Volatilität und hohen Spreads. Die Maßnahmen der Zentralbank (LTROs, Ankündigung des OMT Programms etc.) hätten die Stimmung an den Finanzmärkten jedoch verbessert und seit Juni hätten alle wichtigen Assetklassen - auch jene mit höherem Risiko - eine positive Performance verzeichnet.

Wenn man das zugrundeliegende fundamentale Umfeld (niedriges Wachstum) betrachte, scheine dieser "Risk-on Modus" allerdings nicht völlig gerechtfertigt und es könnte eine Frage der Zeit sein, wann sich die Finanzmärkte und die Realwirtschaft einander wieder annähern würden. Würden Ertrags-Risiko-Überlegungen über längere Zeit ignoriert (und werde Geld zum "falschen" Zeitpunkt und zum "falschen" Preis investiert), könnte dies in der Zukunft in hohen Verlusten resultieren. Für eine weitere Einengung der Spreads werde eine Bodenbildung der Wirtschaft der Eurozone 2013 wichtig sein.

Europäische Unternehmensanleihen sollten trotz eingeschränkter fundamentaler Wachstumsperspektiven im Fokus der Anleger bleiben. Das Umsatzwachstum im Unternehmenssektor sollte 2013 aufgrund der schwachen Nachfrage in Europa innerhalb enger Grenzen verharren. Die Analysten würden denken, dass sich die Schere zwischen Unternehmen aus der Kernregion und der Peripherie weiter öffnen werde und seien auch der Ansicht, dass im Unternehmenssektor weiterhin eine defensive Bilanzstrategie gefahren werde. Während die Analysten zwar wenig Potenzial für Kostenreduktionen sehen würden, könnte sich die Einführung von neuen Produkten verzögern.

Die Unternehmen würden zur Sicherstellung von Liquidität auf Anlagenverkäufe und Anleiherückkaufprogramme bei gleichzeitiger Refinanzierung vermittels länger laufender Anleihen zurückgreifen. Unternehmen mit einem hohen Grad an geographischer Diversifikation und einer breiteren Kundenbasis würden auf bessere Cash-Flow-Generierung verweisen können. Die begrenzten Investitionen im Bereich Erweiterung und M&A würden den Schluss nahe legen, dass das Neuemissionsvolumen im Primärmarkt ein eingeschränktes bleiben dürfte. Dies könnte zu einer stark erhöhten Nachfrage nach Neuemissionen und zur Einengung der Spreads führen, insbesondere bei Unternehmen in der Kernregion.

Die Arbeitslosigkeit in der Eurozone sei durch die Entwicklungen in der Peripherie stark gestiegen. Das gedämpfte Wirtschaftswachstum, welches durch die Schuldenkrise ausgelöst worden sei, werde auch von einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit in der Peripherie begleitet. Davor sei die Arbeitslosenrate in Deutschland und Frankreich gesunken, was den Anstieg in der Peripherie ausgeglichen habe. Der Anstieg der Arbeitslosenraten in Italien und Spanien als Folge des wirtschaftlichen Einbruchs seit Beginn der Schuldenkrise halte die Arbeitslosenrate in der Eurozone auf einem hohen Niveau.

Äußerst hohe Arbeitslosigkeit dämpfe die Inflation durch schwache Nachfrage und niedrige Lohnforderungen. Auf Basis der Analystenerwartungen für die Arbeitslosigkeit rechne man mit einer Inflationsrate von 1,7% für 2013 und 1,3% für 2014. Der Abwärtsdruck auf die Inflation sollte auch weitere EZB-Unterstützungen nach sich ziehen (Zinssenkung auf 0,5%, alternative Maßnahmen), was den Zinsausblick und die Renditen drücke.

In Italien seien die Strukturreformen entscheidend und könnten nur von "maßvollen" Politikern umgesetzt werden. Langfristige Wachstumsaussichten seien für das Land entscheidend, besonders im Hinblick auf die Verschuldung. Die Schuldenquote würde schrumpfen, wenn das nominelle Wachstum über den Finanzierungskosten des Staates liegen würde. Daher müsse sich Italien vor allem auf Wachstumsförderung konzentrieren. In einer Umgebung, die von gedrückter Innennachfrage und Schuldenabbau geprägt sei, sei die Außennachfrage von entscheidender Bedeutung und müsse durch eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit gefördert werden.

Diesbezüglich würden die Analysten denken, dass das geschäftliche Umfeld für Firmen (einschließlich Produktionskosten) durch weitere Arbeitsmarktreformen, Reform der Produktmärkte (z.B. im Energiesektor) und ein unternehmensfreundlicheres Umfeld stark verbessert werden könnte. Außerdem müsse Italien der technologischen Spitze näherkommen, sowohl in der Forschung und Entwicklung als auch in der Bildung.

Diese Faktoren seien essenziell für Innovation und sollten im Vordergrund stehen. Andernfalls könnte Italien erneut unter Druck kommen, da auch das EZB-Ankaufprogramm an die Nachhaltigkeit des Schuldenabbaus geknüpft sei. Wenn der eingeschlagene Reformkurs fortgesetzt werde, sollte ein zentraler Faktor auf dem Weg zu einem besseren Konjunkturausblick im nächsten Jahr erfüllt sein. Eine fehlende Verbesserung in der Peripherie würde Risiken einer stärkeren Rezession und einer erneuten Eskalation der Schuldenkrise nach sich ziehen.

Die globalen Aktienmärkte würden im nächsten Jahr weiter zulegen. Viele Investoren hätten die Aktienmarkt-Rally im Jahr 2012 verpasst und würden ihr Engagement in risikoreiche Anlagen im Jahr 2013 voraussichtlich erhöhen. Aufgrund des erwarteten Gewinnwachstums bei den Unternehmen bleibe die Volatilität im nächsten Jahr niedrig. Moderate Bewertungen und der Mangel an attraktiven Alternativen würden einen Anstieg der globalen Aktienindices unterstützen.

Die schwachen Performances der europäischen Telekommunikations- und Versorgeraktien würden auch 2013 und in den Folgejahren andauern. Aufgrund fehlender Wachstumschancen, ineffizienter Strukturen und politischer Einflüsse würden diese Sektoren auf lange Sicht eine unterdurchschnittliche Rentabilität zeigen. Es gebe derzeit keine Anzeichen für eine Umkehr der schlechten Perspektiven dieser absteigenden Branchen. Negative Renditen im Jahr 2013 seien sehr wahrscheinlich. Anleger sollten Investitionen in Unternehmen dieser Art meiden.

Jedes vierte in der EU produzierte Auto werde das Schild "Made in CEE" tragen. Die Autoproduktion in Zentral- und Osteuropa werde die Produktion in Westeuropa auch in Zeiten der Krise übertreffen. Die ehemalige Tschechoslowakei sei bereits der zweitgrößte Autoerzeuger in Europa gleich nach Deutschland. Die addierte Erzeugung von Autos in Tschechien und der Slowakei, die 2012 auf 2 Mio. PKWs geschätzt werde, übersteige bereits die Autoproduktion von Ländern wie Frankreich oder Spanien. Diese Region profitiere von ihren kompetitiven Arbeitskosten und der starken Präsenz von deutschen (Volkswagen, Skoda) und asiatischen Herstellern (KIA Motors, Hyundai Motor, Toyota Motor), die ihren Marktanteil hätten vergrößern können.

Kroatien werde im Juli zum 28. Mitgliedsland der EU. Während die Vorzüge einer EU-Mitgliedschaft im Vergleich mit den zwei früheren Erweiterungswellen an Attraktivität verloren zu haben scheinen, sehen wir eine Verbesserung der mittelfristigen Wachstumsaussichten durch den Zugang zum gemeinsamen Markt und zu EU-Fördermitteln, so die Analysten von Erste Group Research. Kroatien könne auf ein zusätzliches BIP-Wachstum von 2,5% im Zeitraum von 2014 bis 2020 hoffen. Die Analysten würden erwarten, dass der EU-Integrationsprozess am Balkan kommendes Jahr noch einen weiteren Schub erfahre: Serbien sollte das Anfangsdatum für die Beitrittsverhandlungen bekommen, was in Serbien zu einer noch stärkeren Orientierung an der EU und der Unterstützung struktureller Reformen führen werde. (27.12.2012/ac/a/m)