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Märkte ab August Licht aus - Licht an


02.12.11 13:31
GECAM

Wangen (aktiencheck.de AG) - Verschwörungstheorien sind nicht jedermanns Sache, aber wenn man die Entwicklung der Märkte ab August betrachtet, kommt man ins Zweifeln, so die Experten von GECAM.

Exakt zum ersten August sei es so gewesen, als hätte jemand das Licht ausgeknipst - alle Risiko-Assetklassen seien wie ein Stein gefallen (-2.300 Punkte im DAX). Als fundamentale Gründe seien die Angst vor einer drohenden US-Rezession, eine harte Landung der Konjunktur in China, und vor allem die europäische Schuldenkrise und die Unfähigkeit der politisch Handelnden genannt worden. Mit dem Konstrukt eines europäischen Rettungsfonds namens EFSF sei dann neue Hoffnung aufgekeimt, dass der Weltuntergang doch nicht unmittelbar bevorstehen könnte.

Die Märkte hätten sich pünktlich mit dem ersten Handelstag im Oktober entspannt, wodurch das Licht den ganzen Monat lang gebrannt habe (+1.300 Punkte im DAX). Zum Beginn des neuen Monats November sei das Licht jedoch wieder ausgemacht worden, diesmal in Person des Herrn Papandreou, der plötzlich eine Volksabstimmung über den mühsam ausgehandelten Rettungsfonds gewollt habe (DAX -1.000 Punkte). Nachdem dann in der Woche zum 25. November bereits von den großen Banken in Amerika und Europa ein Zerfall der Währungsunion durchgerechnet worden sei, sei wie durch Zauberhand wieder Licht ins Dunkel gekommen und der DAX gewinne bis zur Stunde (01.12.) rund 750 Punkte auf 6.100.

Für die jüngste Kurserholung seien insbesondere die Notenbanken verantwortlich, die mit ihrer abgestimmten Aktion den Märkten das Gefühl vermitteln würden, im Ernstfall zu handeln. Jedem Marktteilnehmer sei klar, dass man sich nicht gegen die sechs wichtigsten Zentralbanken der Welt stelle. Dies schaffe zunächst einmal Entspannung und die Experten würden glauben, dass dies, nicht zuletzt unter saisonalen Aspekten, durchaus für ein positives Jahresende sorgen könne. Statistisch betrachtet, sei der Dezember der beste Börsenmonat, wobei die erste Woche oft seitwärts verlaufe und sich zum Monatsende hin die Wahrscheinlichkeit einer positiven Entwicklung stark erhöhe.

Es dürfte bekannt sein, dass die Bewertung von Unternehmen, vor allem auch im DAX, nach diversen Beurteilungsmaßstäben günstig sei. Dies schütze natürlich nicht vor starken Kursschwankungen, die vorwiegend durch politische Unsicherheiten geprägt seien, bilde jedoch den Nährboden für mittel- und langfristig positive Entwicklungen. Denn im Einkauf liege der Hebel, wie alle vorsichtigen Kaufleute wissen würden.

Deutsche Aktien würden im Durchschnitt ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 8 und ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,2 aufweisen, was beides historisch günstige Werte seien. Die Dividenden-Rendite von 4 Prozent sei vor allem im Vergleich zu Bundesanleihen (2,23 Prozent) sehr attraktiv. Diese Kennzahlen seien vor dem Hintergrund zu betrachten, dass die Weltwirtschaft weiter wachse. Die Unternehmen würden weiter Gewinne machen und die Finanzierungsstruktur (Verschuldungsgrad, Liquiditätsausstattung) dürfe getrost als äußerst robust und gesund klassifiziert werden.

Von der konjunkturellen Seite könne man in den USA eine durchaus erfreuliche Entwicklung in allen relevanten Parametern über die letzten Wochen konstatieren. Vor allem die Verbraucher seien in Konsumlaune. Das Verbrauchervertrauen habe im November um 15 Punkte auf 56 zulegen können. Auch der wichtigste Tag des Jahres, was den Einzelhandel anbelange, der sog. "Black Friday", der Tag nach Thanksgiving habe die Kauflaune der US-Konsumenten bestätigt - und diese stünden immerhin für rund 70 Prozent des US-BIP. Amerika komme also im Konjunktur-Zyklus als erster wieder in Schwung und könnte im Jahr 2012 durchaus als Konjunktur-Lokomotive fungieren.

Auch die Emerging Markets hätten durchaus Potenzial über die Fiskal- und Geldpolitik nach einer jahrelangen Konsolidierungsphase wieder den Fuß aufs Gaspedal zu legen. Über Zinssenkungen, Mindestreserve-Reduktion oder etwa Abbau von Handelsbeschränkungen könnten sie wieder konjunkturstimulierend wirken. China und Brasilien hätten nach dreijährigen Restriktionen erstmalig wieder die Mindestreserve für Banken bzw. die Zinsen gesenkt. Gebe China wieder als erste große Nation das Signal zur Konjunkturwende wie 2008/2009? Die Experten würden glauben, dass sich die besonnene und antizyklische Politik des Riesenreiches auszahle.

Wie in der Einleitung skizziert, würden die Schwankungen der Märkte während der risikofreundlichen und risikoaversen Intervalle immer geringer. Vor allem die Amerikanischen Indices seien durchaus in der Lage, 2011 im positiven Terrain abzuschließen. Dem S&P 500 fehle hierzu noch ein knappes Prozent, Dow Jones und NASDAQ seien bereits jetzt 3 Prozent im Plus. Der DAX und die europäischen Indices hätten naturgemäß den Malus der Eurokrise und lägen noch tief im Minus (DAX -12 Prozent, EURO STOXX 50 -16 Prozent). Jedoch seien die kurzfristigen Abwärtstrends verlassen worden und die Marken von 6.400 und 2.500 dürften mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit erreicht werden. Darüber hinaus bedürfte es einer deutlicheren politischen Klärung der weiteren Handhabung der Staatsverschuldung, um eine Dynamisierung in Richtung der Jahreshochs zu erreichen.

Die Experten seien also zumindest kurzfristig positiv gestimmt und würden ein versöhnliches Jahresende erwarten. Im nächsten Jahr bleiben uns natürlich die bekannten Belastungsfaktoren wie die Euro-Verschuldung, US-Staatsverschuldung, labiler Bankensektor etc. erhalten, so die Experten von GECAM. Es könnten sogar noch weitere dominante Themen, wie eine Eskalierung des Iran-Konfliktes dazukommen. Bei aller Vorsicht sollte man jedoch berücksichtigen, dass im Iran am 29. März 2012 Wahlen stattfinden würden und im Vorfeld gerne der Blick auf den "Feind im Ausland" gelenkt werde, um die "nationale Karte" zu spielen.

Auch in den USA werde 2012 gewählt. Statistisch betrachtet seien Präsidentschaftswahljahre gute Börsenjahre, da alles dafür getan werde, dass die Konjunktur und der Arbeitsmarkt brummen würden, um wieder gewählt zu werden. Also besonnen handeln, auf Bewertungen achten und versuchen kurzfristig herbeigeführte politische Lichtschalter zu ignorieren, so die Experten von GECAM. (02.12.2011/fc/a/m)