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M&G (Lux) Climate Solutions Fund: Erdbeben auf dem Kunststoffrecyclingmarkt - Fondsanalyse
30.05.23 11:00
M&G Investments
London (www.fondscheck.de) - Michael Rae, Fondsmanager des M&G (Lux) Climate Solutions Fund bei M&G Investments, erläutert, warum Pyrolyse eine wichtige Lösung im Kampf um den steigenden Plastikmüll sein kann und wie sich gerade die Hersteller von Konsumgütern mehr anstrengen müssen.
Viele Unternehmen würden ihre Ziele zur Reduzierung des Verbrauchs neuer Kunststoffe und zur Erhöhung des Recyclinganteils von Verpackungen nicht erreichen. Der Markt für Kunststoffverpackungen wachse sogar weiter. Deshalb würden sich die Regierungen inzwischen ehrgeizigere Ziele für die Verwendung von recyceltem Kunststoff setzen. Die Pyrolyse, eine Form des chemischen Recyclings, könnte eine innovative Lösung für den Umgang mit schwer zu verarbeitenden gemischten Kunststoffabfällen bieten.
Nur wenige Branchen würden ein so strenges Zeugnis wie die Kunststoffverpackungsindustrie erhalten. Einer der bekanntesten Berichte über den Stand des Kunststoffrecyclings vom November 2022 sei eine düstere Lektüre. Der Global Commitment Report der Ellen MacArthur Foundation, die sich bei Unternehmen und politischen Entscheidungsträgern für den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft einsetze, befasse sich mit den Fortschritten bei der langfristigen Zielerreichung der Branche, den Kunststoffverbrauch zu reduzieren und die Nachhaltigkeit zu verbessern.
Im Rahmen der Ziele bis 2025, zu denen sich sechs der zehn weltweit führenden Unternehmen für schnelllebige Konsumgüter (FMCG) verpflichtet hätten, müsse der Einsatz von Neuplastik in Verpackungen um 5% pro Jahr sinken. Dieser Wert sei jedoch seit 2018 etwa gleich geblieben. Bei der Erhöhung des Recyclinganteils von Verpackungen seien zwar einige Fortschritte zu verzeichnen. Aber da die führenden FMCG-Unternehmen derzeit durchschnittlich nur etwa 11% Recyclinganteil in ihren Kunststoffverpackungen verwenden würden, müssten sie ihre Anstrengungen etwa verdoppeln, um ihre Verpflichtungen, die zwischen 25% und 50% lägen, zur Mitte des Jahrzehnts zu erfüllen.
Die Statistiken, die unsere steigende Abhängigkeit von Kunststoffen verdeutlichen, sind schockierend, so die Experten von M&G Investments. Etwa 40% des weltweit jemals synthetisierten Kunststoffs seien in den letzten zehn Jahren hergestellt worden. Fast die Hälfte davon werde für Verbrauchsverpackungen verwendet, von denen nach Angaben der Ellen MacArthur Foundation etwa 95% nach einmaligem Gebrauch weggeworfen würden - und genau dafür würden sie auch konzipiert. Trotz des steigenden Bewusstseins für das Problem des Plastikmülls verschärfe sich die Situation weiter. Selbst wenn sich das Wachstum des weltweiten Kunststoffverbrauchs auf die Hälfte seiner Trendentwicklung abschwäche, werde der Gesamtmarkt nach Schätzungen der Internationalen Organisation für Normung (ISO) bis 2050 um das 2,5Fache ansteigen.
Das Ausmaß dieser Herausforderung sei den politischen Entscheidungsträgern auf der ganzen Welt bewusst. Die EU habe sich ehrgeizige Ziele für den Recyclinganteil in allen Kunststoffen und eine Recyclingquote von 50% aller Kunststoffabfälle bis 2025 gesetzt. Dies sei mehr als nur eine vage Zielvorgabe. Seit Januar 2021 werde auf alle nicht recycelten Kunststoffverpackungsabfälle eine Abgabe in Höhe von 800 Euro pro Tonne erhoben, wobei die Mitgliedsländer die Wahl hätten, ob die Abgabe von den petrochemischen Unternehmen, den Verpackungsherstellern, den FMCG-Unternehmen oder direkt von den Verbrauchern getragen werde.
Die USA würden bis 2025 einen Recyclinganteil von 30% bei Kunststoffverpackungen anstreben. Auch China habe erste Schritte unternommen, indem es 2018 die Einfuhr von unsortierten Kunststoffabfällen verboten habe.
Die Experten von M&G Investments seien davon überzeugt, dass die Kombination aus dem Nachfragedruck der FMCG-Unternehmen und dem regulatorischen Druck in den kommenden zehn Jahren zu grundlegenden Veränderungen in der petrochemischen Industrie führen werde. Die heutige Kunststoff-Wertschöpfungskette bestehe aus milliardenschweren Anlagen, die fossile Brennstoffe in Kunststoffe umwandeln würden, und zwar auf eine weitgehend lineare Weise. Schätzungen zufolge werde jedoch nach 2030 der gesamte zusätzliche Kunststoffbedarf der Welt aus mechanisch oder chemisch recycelten Quellen stammen.
Die Antwort auf die Frage, wie man eine breitere Palette von Kunststoffrohstoffen verarbeiten könne, liege im "chemischen" Recycling, das sich in zwei große Technologien aufteile: "Pyrolyse" und "Monomere"-Recycling. Nach ihrer Analyse sähen die Experten von M&G Investments die Pyrolyse vorn. Dabei würden gemischte Kunststoffabfälle mithilfe von Wärme und unter Ausschluss von Sauerstoff in ihre ursprünglichen Kohlenwasserstoffbausteine zerlegt. Bei einigen Kunststoffen könnten dabei zwar höhere Treibhausgasemissionen entstehen als bei der Verwendung von neuem Harz. Dennoch sei dieses Verfahren besser für die Umwelt, da ansonsten ein Großteil der verwendeten Kunststoffrohstoffe entweder in Müllverbrennungsanlagen verbrannt werde oder auf Deponien langsam verrotte. Die Kunststoffe seien frei von dem beim mechanischen Recycling üblichen Abbau und würden sich für lebensmitteltaugliche Anwendungen eignen, was für FMCG-Unternehmen von zentraler Bedeutung sei.
In der petrochemischen Industrie würden sich nun einige ernsthaft angestrebte Ziele abzeichnen, die das Wachstum der Pyrolysebranche in diesem Jahrzehnt unterstützen würden. TotalEnergies produziere heute 60.000 Tonnen hochwertige Kreislaufpolymere und wolle diesen Wert bis 2030 auf eine Million Tonnen steigern. In ähnlicher Weise wolle INEOS bis 2030 mindestens 850.000 Tonnen recycelte und biobasierte Polymere in seine Produkte einbauen; heute seien es nahezu null. Beide Unternehmen hätten Pyrolyse-Partnerschaften mit Plastic Energy, einem Unternehmen, an dem M&G Catalyst beteiligt sei, angekündigt.
Wir alle werfen unsere Kunststoffbehälter in die richtige Tonne und gehen davon aus, dass die Recyclingindustrie den Rest erledigt, so die Experten von M&G Investments. Doch obwohl die Wertschöpfungskette des werkstofflichen Recyclings in beeindruckender Weise gewachsen sei, um bestimmte Abfallströme zu bewältigen, würden jetzt innovative Pyrolyse-Lösungen gebraucht, um den Rest zu bewältigen. Dies sei der Weg, um die 14% Kunststoff, die derzeit recycelt würden, in Richtung der 70% bis 80% - wie in der Papier- und Glasindustrie - zu steigern - also auf ein Niveau, das jetzt sowohl von der Industrie als auch von den politischen Entscheidungsträgern ausdrücklich angestrebt werde. (30.05.2023/fc/a/f)
Viele Unternehmen würden ihre Ziele zur Reduzierung des Verbrauchs neuer Kunststoffe und zur Erhöhung des Recyclinganteils von Verpackungen nicht erreichen. Der Markt für Kunststoffverpackungen wachse sogar weiter. Deshalb würden sich die Regierungen inzwischen ehrgeizigere Ziele für die Verwendung von recyceltem Kunststoff setzen. Die Pyrolyse, eine Form des chemischen Recyclings, könnte eine innovative Lösung für den Umgang mit schwer zu verarbeitenden gemischten Kunststoffabfällen bieten.
Nur wenige Branchen würden ein so strenges Zeugnis wie die Kunststoffverpackungsindustrie erhalten. Einer der bekanntesten Berichte über den Stand des Kunststoffrecyclings vom November 2022 sei eine düstere Lektüre. Der Global Commitment Report der Ellen MacArthur Foundation, die sich bei Unternehmen und politischen Entscheidungsträgern für den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft einsetze, befasse sich mit den Fortschritten bei der langfristigen Zielerreichung der Branche, den Kunststoffverbrauch zu reduzieren und die Nachhaltigkeit zu verbessern.
Im Rahmen der Ziele bis 2025, zu denen sich sechs der zehn weltweit führenden Unternehmen für schnelllebige Konsumgüter (FMCG) verpflichtet hätten, müsse der Einsatz von Neuplastik in Verpackungen um 5% pro Jahr sinken. Dieser Wert sei jedoch seit 2018 etwa gleich geblieben. Bei der Erhöhung des Recyclinganteils von Verpackungen seien zwar einige Fortschritte zu verzeichnen. Aber da die führenden FMCG-Unternehmen derzeit durchschnittlich nur etwa 11% Recyclinganteil in ihren Kunststoffverpackungen verwenden würden, müssten sie ihre Anstrengungen etwa verdoppeln, um ihre Verpflichtungen, die zwischen 25% und 50% lägen, zur Mitte des Jahrzehnts zu erfüllen.
Die Statistiken, die unsere steigende Abhängigkeit von Kunststoffen verdeutlichen, sind schockierend, so die Experten von M&G Investments. Etwa 40% des weltweit jemals synthetisierten Kunststoffs seien in den letzten zehn Jahren hergestellt worden. Fast die Hälfte davon werde für Verbrauchsverpackungen verwendet, von denen nach Angaben der Ellen MacArthur Foundation etwa 95% nach einmaligem Gebrauch weggeworfen würden - und genau dafür würden sie auch konzipiert. Trotz des steigenden Bewusstseins für das Problem des Plastikmülls verschärfe sich die Situation weiter. Selbst wenn sich das Wachstum des weltweiten Kunststoffverbrauchs auf die Hälfte seiner Trendentwicklung abschwäche, werde der Gesamtmarkt nach Schätzungen der Internationalen Organisation für Normung (ISO) bis 2050 um das 2,5Fache ansteigen.
Die USA würden bis 2025 einen Recyclinganteil von 30% bei Kunststoffverpackungen anstreben. Auch China habe erste Schritte unternommen, indem es 2018 die Einfuhr von unsortierten Kunststoffabfällen verboten habe.
Die Experten von M&G Investments seien davon überzeugt, dass die Kombination aus dem Nachfragedruck der FMCG-Unternehmen und dem regulatorischen Druck in den kommenden zehn Jahren zu grundlegenden Veränderungen in der petrochemischen Industrie führen werde. Die heutige Kunststoff-Wertschöpfungskette bestehe aus milliardenschweren Anlagen, die fossile Brennstoffe in Kunststoffe umwandeln würden, und zwar auf eine weitgehend lineare Weise. Schätzungen zufolge werde jedoch nach 2030 der gesamte zusätzliche Kunststoffbedarf der Welt aus mechanisch oder chemisch recycelten Quellen stammen.
Die Antwort auf die Frage, wie man eine breitere Palette von Kunststoffrohstoffen verarbeiten könne, liege im "chemischen" Recycling, das sich in zwei große Technologien aufteile: "Pyrolyse" und "Monomere"-Recycling. Nach ihrer Analyse sähen die Experten von M&G Investments die Pyrolyse vorn. Dabei würden gemischte Kunststoffabfälle mithilfe von Wärme und unter Ausschluss von Sauerstoff in ihre ursprünglichen Kohlenwasserstoffbausteine zerlegt. Bei einigen Kunststoffen könnten dabei zwar höhere Treibhausgasemissionen entstehen als bei der Verwendung von neuem Harz. Dennoch sei dieses Verfahren besser für die Umwelt, da ansonsten ein Großteil der verwendeten Kunststoffrohstoffe entweder in Müllverbrennungsanlagen verbrannt werde oder auf Deponien langsam verrotte. Die Kunststoffe seien frei von dem beim mechanischen Recycling üblichen Abbau und würden sich für lebensmitteltaugliche Anwendungen eignen, was für FMCG-Unternehmen von zentraler Bedeutung sei.
In der petrochemischen Industrie würden sich nun einige ernsthaft angestrebte Ziele abzeichnen, die das Wachstum der Pyrolysebranche in diesem Jahrzehnt unterstützen würden. TotalEnergies produziere heute 60.000 Tonnen hochwertige Kreislaufpolymere und wolle diesen Wert bis 2030 auf eine Million Tonnen steigern. In ähnlicher Weise wolle INEOS bis 2030 mindestens 850.000 Tonnen recycelte und biobasierte Polymere in seine Produkte einbauen; heute seien es nahezu null. Beide Unternehmen hätten Pyrolyse-Partnerschaften mit Plastic Energy, einem Unternehmen, an dem M&G Catalyst beteiligt sei, angekündigt.
Wir alle werfen unsere Kunststoffbehälter in die richtige Tonne und gehen davon aus, dass die Recyclingindustrie den Rest erledigt, so die Experten von M&G Investments. Doch obwohl die Wertschöpfungskette des werkstofflichen Recyclings in beeindruckender Weise gewachsen sei, um bestimmte Abfallströme zu bewältigen, würden jetzt innovative Pyrolyse-Lösungen gebraucht, um den Rest zu bewältigen. Dies sei der Weg, um die 14% Kunststoff, die derzeit recycelt würden, in Richtung der 70% bis 80% - wie in der Papier- und Glasindustrie - zu steigern - also auf ein Niveau, das jetzt sowohl von der Industrie als auch von den politischen Entscheidungsträgern ausdrücklich angestrebt werde. (30.05.2023/fc/a/f)


