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Kein Sommermärchen an der Börse


01.08.14 11:11
GECAM

Wangen (www.fondscheck.de) - Deutschland ein Sommermärchen - dieses Gefühl konnte man nach dem Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft kurzfristig gewinnen, so die Experten von GECAM.

Auch an der Börse habe aufgrund der klaren Verhältnisse - Nullzinsen, Wirtschaftswachstum, alternativlose Aktien - Hochstimmung geherrscht. Im Gegensatz zu den meisten Märchen mit Happy End, habe das Sommermärchen an den Börsen ein ungewisses Ende.

Europa und Deutschland verabschieden sich gerade von den Wirtschaftswachstumsaussichten, die noch zu Jahresanfang so rosig schienen, so die Experten von GECAM. Die Probleme seien zum größten Teil hausgemacht: Keine wirklichen Reformen in den Kernländern Italien und Frankreich, stattdessen Lippenbekenntnisse zur eigenen Stärke und frischer Mut nach der Europawahl neue Verschuldungsorgien zu fordern, vorzugsweise zu Lasten Deutschlands.

Doch auch der sogenannte Musterschüler sei auf dem besten Weg, den Erfolgsweg nach der Agenda 2010 zu verlassen und dem Negativbeispiel der Politik in der Peripherie vor der Finanzkrise zu folgen: Regulierung, Umverteilung, Sozialisierung, Staatsdirigismus. Frei nach dem Motto - "wenn's dem Esel zu Wohl wird, geht er aufs Eis…", werde aktiv in Marktpreismechanismen zentraler Art eingegriffen.

Mietpreise würden nach oben gedeckelt (Mietkostenbremse), Arbeitspreise würden nach unten gedeckelt (Mindestlohn), Renten würden willkürlich erhöht und neue Empfängerschichten erfunden (Mütterrente, Rente mit 63) und nun komme auch noch die Bundesbank. Diese fordere erstmals in ihrer Geschichte steigende Löhne für eine ganze Nation und schlage auch gleich noch eine konkrete Zahl von drei Prozent vor. Willkommen in der Deutschen Sozialistischen Republik!

Bisher habe der Aktienmarkt diese Entwicklung ganz gut weggesteckt. Immerhin sei der DAX noch am 30. Juli leicht im Plus gewesen. Man müsse jedoch beachten, dass die Unternehmen im DAX ihre Geschäfte hauptsächlich außerhalb Deutschlands und Europas machen würden. Da hätten die Kurse im M-DAX, also dem deutschen Nebenwerteindex, bereits deutlicher die Belastungsfaktoren für die deutsche Wirtschaft zu spüren bekommen und lägen vier Prozent im Minus.

Als ob das noch nicht reiche, würden jetzt auf Druck der Amerikaner Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt, die insbesondere die deutsche Wirtschaft überdurchschnittlich belasten würden. In Summe trage das Russland-Geschäft zwar nur gut drei Prozent zur jährlichen Wirtschaftsleistung bei. Dies jedoch isoliert zu betrachten sei fatal und könne nur statisch denkenden Menschen mit mangelndem ökonomischen Sachverstand (meistens Politiker) gelingen.

Natürlich werde es im Extremfall nicht bei diesen drei Prozent bleiben. Eine dynamische Negativspirale könnte in Gang kommen, die aus Gegenreaktionen Russlands (steigende Energiepreise, Abzug von Kapital aus der Europa), einer Stimmungsverschlechterung in der Realwirtschaft (noch geringere Investitionen, geringe Kreditnachfrage, Arbeitsplatzabbau), Ängsten an den Finanzmärkten (weiterer Kapitalabzug aus Europa, Rückzug aus deutschen Aktien) und geringerer Kreditvergabe der Banken bestehe. Diese müssten übrigens im Oktober einen Stresstest der EZB bestehen, der in seiner Ausprägung und seinen Folgen per se noch sehr unbestimmbar sei.

Das alles führe zu erheblichen wirtschaftlichen Risiken, die wiederum die Staatshaushalte massiv belasten und weiterer expansiver Neuverschuldung Vorschub leisten würden. Herr Schäuble werde sich wohl von einem ausgeglichenen Haushalt verabschieden müssen - natürlich werde dies dann mit externen und übergeordneten, nicht vorhersehbaren Entwicklungen entsprechend begründet werden.

Über dem großen Teich werde indes ein anderes Märchen zelebriert - die Angst vor dem Zinserhöhungs-Wolf, weil die Konjunktur zu gut laufe und Inflation drohe. Das starke Wachstum im zweiten Quartal von vier Prozent habe überrascht. In normalen Zeiten hätten die Börsen jubiliert, vor allem ein sehr stark von weltweiten Konjunkturzyklen beeinflusster deutscher Aktienindex hätte überdurchschnittlich gewonnen. Nicht so im Sommer 2014. Die Gründe für einen Abzug des Kapitals aus Deutschland und Europa seien genannt, was die dortigen Aktienmärkte in Agonie zurücklasse. Aber auch gute Konjunkturdaten aus den USA würden eher Ängste als Hoffnung schüren.

Mit Zinserhöhungen umzugehen, habe die Anlegergemeinde verlernt. Das neue Anlagemuster gleiche einem konditionierten Hund, der in den letzten Jahrzehnten nur noch mit einem Pawlowschen Reflex auf Zentralbank-Liquiditätsspritzen positiv bzw. bei gegenteiligen Aktionen negativ reagiere, Zinserhöhungen aufgrund von Wirtschaftswachstum wären hingegen gut und gesund, um einerseits Blasenbildungen zu verhindern, die sowieso in vielerlei Hinsicht (Rentenmärkte, bestimmte Immobilienmärkte) bereits vorhanden seien und um andererseits Wirtschaftswachstum zu verstetigen. Ein funktionierender Marktzins sei nämlich zentral notwendig für alle nachgeordneten Preismechanismen in der Realwirtschaft.

Gerade also in einer saisonal ohnehin schwierigen Phase für die Börsen von August bis September, vermiese die Politik den Märkten die Stimmung. Wichtiger wäre in dieser Zeit gute und hoffnungsvolle Geschichten und Märchen zu erzählen. Zum Beispiel die Erzählung von den Chancen und der Bedeutung einer zukünftigen Zusammenarbeit mit dem Nachbarn, dem größten Land der Welt (Russland). Beginnend mit einem konstruktiven Vorschlag zu einem föderalen Staat in der Ukraine, mit der alle Welt gut leben könne.

Leider würden auch die westlichen Betonköpfe (allen voran der zu Kompromissen jedweder Art unfähige Obama) nur die Geschichte von "Auge um Auge, Zahn um Zahn" erzählen. Auch wirtschaftspolitisch sollten die Staaten der Eurozone endlich von ihrem Allmachtsglauben Abstand nehmen, alles regeln zu sollen und vor allem zu können! Überlasst wieder mehr Verantwortung den Menschen, den Unternehmen und dem Markt, um Ressourcen dort vernünftig einzusetzen wo sie gebraucht werden und nicht fehlgeleitet werden von ideologisch verblendeten Parteien, so die Experten von GECAM.

Weniger Politik wäre in diesen Monaten mehr. Mehr Sicherheit und Wohlstand für die Menschen und vor allem mehr Zuversicht! Denn dieser Faktor werde immens unterschätzt. Hätten Unternehmen und Privatpersonen Zukunftsängste, werde weniger investiert und weniger konsumiert. Frei nach Ludwig Erhard sei Wirtschaft zu 50 Prozent Psychologie. An der Börse seien es zumindest kurzfristig 100 Prozent. (01.08.2014/fc/a/m)