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Kakao Primärdefizit geringer als erwartet


18.06.09 11:11
Rohstoff-Trader

Gerbrunn (aktiencheck.de AG) - Nachdem der Kakaopreis über mehrere Jahre lustlos vor sich "hindümpelte", legten die Notierungen zwischen Ende 2007 und Anfang 2009 einen fast schon kometenhaften Anstieg aufs Börsenparkett, so die Experten vom "Rohstoff-Trader".

Im Verlauf dieser beeindruckenden "Rally" hätten sich die Kurse mehr als verdoppeln können. Zuletzt sei es zwar immer wieder zu Korrekturen gekommen, die der Markt aber meist recht schnell wieder aufgeholt habe. Nicht wenige Anleger würden sich daher fragen, ob die Aufwärtsbewegung noch eine zeitlang anhalte oder ob man die Höchststände langsam aber sicher gesehen habe.

Signifikanten Auftrieb hätten die Kakaopreise in den zurückliegenden Monaten insbesondere dadurch erhalten, dass der Markt aktuell ein nicht unerhebliches Primärdefizit (Produktion sei geringer als der Verbrauch) aufweise. Die Internationale Kakao-Organisation erwarte mittlerweile für die laufenden 2008/09er Saison eine dahingehende Lücke von 84.000 Tonnen. Allerdings seien die Experten bis vor einigen Monaten noch von einem deutlich größeren Defizit ausgegangen. Anfang Mai habe sich zudem die Fortis Bank zu Wort gemeldet, die für den genannten Zeitraum im Wesentlichen eine ausgeglichene Produktion/Nachfrage-Situation sehe.

Etwas anders dürfte es demgegenüber im nächsten Wirtschaftsjahr laufen. Zwar rechne die Fortis Bank mit einer Produktionslücke von 64.000 Tonnen. Die Internationale Kakao-Organisation kündige demgegenüber eine Überproduktion von bis zu 150.000 Tonnen an. Die Experten vom "Rohstoff-Trader" bewerten letztere Prognose als realistischer. Immerhin habe der Schweizer Nahrungsmittel-Gigant Nestlé angekündigt, den Farmern in Westafrika bei der Anpflanzung von einer Million neuer Sträucher pro Jahr über einen Zeitraum von zehn Jahren behilflich zu sein, die gegen Krankheiten oder Schädlingsbefall wesentlich resistenter als die derzeitigen Pflanzen seien.

Die gefürchtete "black pod disease", die in der Vergangenheit immer wieder zu Ernteausfällen geführt habe, könnte damit in absehbarer Zeit "Geschichte" sein. Darüber hinaus scheine der Bürgerkrieg im wichtigsten Erzeugerstaat (Elfenbeinküste) nach vielen Jahren endlich ein Ende gefunden zu haben, sodass auch von dieser Warte aus keine nennenswerten Gefahren für die Angebotsseite drohen würden.

Wenig "bullisch" seien im Übrigen die jüngsten Zahlen zur Nachfrage gewesen. Im ersten Quartal 2009 sei der Bedarf in Europa um stattliche elf Prozent zurückgegangen. In Nordamerika seien es sogar 13 Prozent gewesen. Keine Frage: Ein gewisser Teil dieses Nachfrageeinbruchs werde durch den steigenden Konsum vor allem in den asiatischen Schwellenländern kompensiert. Nichtsdestotrotz sollte man gerade das Minus auf dem "alten Kontinent" unbedingt ernst nehmen. Schließlich sei es bisher primär diese Region gewesen, die für Wachstumsfantasie hinsichtlich der Kakao-Nachfrage gesorgt habe.

Insgesamt gehen die Experten vom "Rohstoff-Trader" davon aus, dass das mit 42 Prozent gegenwärtig sehr niedrige Ending Stock to Use Ratio in der nächsten Saison deutlich zunehmen wird und sich mindestens seinem mehrjährigen Mittelwert bei etwa 46 Prozent annähern sollte. Für demnächst wieder steigende Notierungen spreche allerdings die Saisonalität. Für gewöhnlich bilde Kakao Mitte Juni sein Jahrestief aus. In der Folgezeit gehe es bis Ende September regelmäßig kräftig aufwärts.

Auch wenn der jahreszeitliche Kursverlauf speziell bei Kakao eine nicht zu unterschätzende Aussagekraft besitze, sollten Anleger dieses Analyse-Instrument nicht überbewerten, insbesondere da zur Stunde in Westafrika keine allzu großen Gefahren seitens der Wetter-Front drohen würden. Long-Engagements allein auf Grund der Saisonalität einzugehen, halten die Experten vom "Rohstoff-Trader" daher für zu riskant.

Dies gelte vor allem auch deshalb, weil sich die technische Ausgangssituation bei genauerer Betrachtung doch ziemlich "bärisch" präsentiere. Kürzlich sei der Juli-Future zum wiederholten Mal an seinem zentralen Resist bei 2.800 USD nach unten abgeprallt. Der längerfristige Aufwärtstrend möge dennoch unverändert intakt sein, aber dessen ungeachtet würden durch diese Rücksetzer sowohl der MACD als auch die Stochastik ein Verkaufssignal generieren.

Ebenfalls auf dem Rückzug befinde sich der RSI, der zudem nur noch knapp über 50 liege. Erschwerend komme hinzu, dass der Future seine 18-Tages-Linie nach unten durchbrochen habe. Insofern deute aus technischer Sicht vieles darauf hin, dass demnächst die Unterstützung bei 2.500 USD getestet werde. Halte diese nicht, dürfte es zügig bis 2.300 USD abwärts gehen. Von daher könnten spekulative Investoren den Aufbau einer kurzfristigen Short-Position ungeachtet der Saisonalität sicherlich in Betracht ziehen. (18.06.2009/ac/a/m)