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Japanische Exporte massiv eingebrochen


02.04.09 16:30
Erste Group Research

Wien (aktiencheck.de AG) - Durch den rasanten Einbruch des Welthandels sind Länder mit Außenhandelsüberschuss, für welche die Exporte meist der wichtigste Wachstumstreiber sind, stärker von der Krise betroffen als solche mit Defizit, so die Analysten von Erste Group Research.

Besonders deutlich sei dies in Japan sichtbar, wo ein Rückgang der Exporte im Januar und Februar um 45% gegenüber dem Vorjahr zu einem massiven Rückgang der Produktion geführt habe. Es habe also seit Q4 2009 eine weitere Beschleunigung der Dynamik stattgefunden, welche sich in Prognoserevisionen immer größeren Ausmaßes widerspiegele. Dadurch, dass es seit den Fünfziger Jahren keine historisch vergleichbaren Episoden gegeben habe und momentan zum Beispiel die Exporte auf das Niveau von 1999 abgesunken seien, sei es noch schwieriger geworden, die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung in Zahlen zu fassen.

Gleichzeitig würden sich immer mehr grundsätzliche Fragen stellen. Zum einen, welche Exportgüter auf welchen Absatzmärkten könnten wieder etwas mehr nachgefragt werden? Es wäre zum Beispiel denkbar, dass die japanischen Automobilhersteller längerfristig Marktanteile von ineffizienten Unternehmen übernehmen würden, insbesondere in den USA. Zum anderen müsste man sich aber auch überlegen, auf welche alternativen Gebiete sich die japanische Wirtschaft verlagern könnte?

Hoffen könnte man beispielsweise, dass im Einklang mit einer alternden Bevölkerung vermehrt auf Dienstleistungen gesetzt werde. Dies sei allerdings nur möglich, falls es eine Chance für die so dringend benötigte Expansion der Innennachfrage gebe. Hier liege auch nach Ansicht der Analysten einer der Schlüssel zum längerfristigen Wachstum. Berücksichtige man allerdings rückläufige Unternehmensgewinne, welche zu niedrigeren Investitionen führen würden, oder sinkende Einkommen, welche die Einzelhandelsumsätze beschränken würden, zeichne sich eine derartige Entwicklung momentan nicht ab.

Trotzdem all dies für die Freisetzung von Arbeitskräften in großem Ausmaß spräche, scheine die japanische Wirtschaft etwas anders zu funktionieren (die Loyalität und Motivation der Mitarbeiter sei in der Vergangenheit oft durch Anstellungen auf Lebenszeit gefördert worden - aber momentan seien etwa ein Drittel der Beschäftigten Japans nur mehr befristet angestellt). Die Analysten würden daher denken, dass es noch zu einer Verschlechterung auf dem Arbeitsmarkt kommen sollte, welche von den Konsumenten antizipiert werde (erkenntlich im entsprechenden Stimmungsindikator - Arbeitsmarkt) und somit den Konsum weiterhin drücken sollte. Schließlich sei nachfragebedingt die Inflation sehr rasch abgefallen und es würden sich langsam Befürchtungen eines erneuten Deflationszyklus andeuten.

Ähnlich wie viele Zentralbanken weltweit habe auch die BoJ (Bank of Japan) eine Ausweitung ihrer alternativen Maßnahmen bei Nullzins vorgenommen. Zusätzlich zum nennenswerten Ankauf von JGB's sei der Ankauf von Unternehmensanleihen, Commercial Paper sowie Aktien aus Bankbeständen und schließlich die direkte Vergabe von Krediten ("subordinated loans") an Banken beschlossen worden. Dies habe zum vorrangigen Ziel, die Kreditvergabe zu fördern (die Aktienkäufe sowie die direkte Kreditvergabe sollten die Bankbilanzen entlasten und auf diese Weise beitragen), was im derzeitigen Umfeld in der Tat höchste Priorität zu haben scheine. Befürchtet werde ein deutlicher Anstieg der Insolvenzen durch den rasanten Konjunktureinbruch.

Der Yen habe mittlerweile auf den düsteren Konjunkturausblick reagiert und sich von seinen Höchstständen abgeschwächt. Dennoch bleibe die Eigenschaft einer sicherer Hafen Währung in abgemilderter Form bestehen und neuerliche Befestigungen sollten vor Beendigung der Krise nicht auszuschließen sein. Die momentanen Niveaus von USD/JPY scheinen von einem makroökonomischen Standpunkt aus gerechtfertigt und die Analysten von Erste Group Research gehen längerfristig davon aus, dass diese in etwa beibehalten werden. Dies bedeute, dass sich die Entwicklung des Yen gegenüber dem Euro durch diejenige des Dollar gegenüber dem Euro ergebe. (Ausgabe 2. Quartal 2009) (02.04.2009/ac/a/m)