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Int. Aktienindices technischer Dammbruch
02.03.09 15:19
GECAM
Wangen (aktiencheck.de AG) - Zahlreiche Indices haben ihre technischen Unterstützungsmarken vom November 2008 in der letzten Februarwoche durchbrochen: Der DAX brach durch die 4.000er-, der Dow Jones durch die 7.400er- und der EURO STOXX 50 durch die 1.860er- Unterstützungsmarke, so dass der weitere Weg nach unten nun grundsätzlich frei ist, so die Experten von GECAM.
Einige Indices hätten sich noch halten können, so zum Beispiel der Nikkei 225 - wenn auch knapp. Besser sehe dies beim NASDAQ und etlichen Emerging Markets wie zum Beispiel China und Brasilien aus. Dafür seien Irland oder auch Russland mit rund 80 Prozent Kursverlust (seit April 2007 beziehungsweise Mai 2008) "Land unter" und abgestraft worden wie ehemals der "Neue Markt".
Der Grund für die nicht enden wollende Kapitalvernichtung sei die weitere Beschleunigung der globalen Konjunkturtalfahrt in den ersten zwei Monaten dieses Jahres. Die extrem negativen realwirtschaftlichen Konsequenzen der Finanzkrise würden mittlerweile voll auf den globalen Handel durchschlagen. In Japan sei der Export im Januar um erdrutschartige 45,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat eingebrochen. In den USA habe sich das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal um 6,2 Prozent reduziert. Dies lasse für Deutschland, als die Exportnation schlechthin, nichts Gutes erahnen.
Auch wenn die binnenwirtschaftlichen Effekte aus der Abwrackprämie und der Kostenentlastung an den Zapfsäulen das Konsumklima zuletzt etwas entlastet hätten, so seien dies nur Tropfen auf den heißen Stein. Professor Norbert Walter (Deutsche Bank) erwarte denn auch für Deutschland einen gesamtwirtschaftlichen Einbruch von fünf Prozent für 2009, sofern sich die Wirtschaft im zweiten Halbjahr merklich erhole. Vielleicht stehe uns aber auch ein zweistelliger BIP-Rückgang bevor, wie er sich aktuell in Italien (10 Prozent), Singapur (16 Prozent) und etlichen anderen Industrienationen abzeichne.
Für 2009/2010 werde daher mit einer wahren Rekordpleitewelle gerechnet, die insbesondere die hochverschuldeten Unternehmen aus allen Branchen betreffe - egal ob Autohersteller (jüngstes Beispiel Saab), Medienkonzern (Tribune), Einzelhandel (Hertie) etc. Allein in den ersten sechs Wochen dieses Jahres habe die Ratingagentur S&P so viele Insolvenzen wie im gesamten ersten Quartal 2008 verzeichnet. Die Abwärtsspirale aus Nachfragerückgang und Arbeitsplatzvernichtung sei also immer noch in vollem Gange und alle Hoffnung ruhe nun auf den globalen Konjunkturpaketen.
Gleichzeitig spanne sich die finanzielle Lage der Staats- und Länderhaushalte zusehends an. Während im US-Bundesstaat Kalifornien Gouverneur Schwarzenegger den Finanznotstand ausgerufen habe und seinen Haushalt unter anderem mit der Entlassung von 10.000 Angestellten aus dem öffentlichen Dienst zu retten versuche, habe sich EZB-Präsident Trichet gezwungen gesehen zu dementieren, dass Irland der Staatsbankrott drohen könnte. Immer dringender werde die Auflage einer Euro-Anleihe zur Finanzierung klammer Euro-Mitgliedsstaaten.
Aber nicht nur Irland habe Probleme, auch die Finanzierungsprobleme der PIGS würden immer größer. Das Kürzel PIGS stehe für die vier Euro-Mitgliedsländer Portugal, Italien, Griechenland und Spanien. Die problematische Lage dieser Länder habe sich zuletzt sehr deutlich im internationalen Währungsgefüge niedergeschlagen, das heiße, sie hätten insbesondere den Euro zusehends unter Druck gebracht. Profitieren könnte davon die europäische Exportwirtschaft, die sich bei einem aktuellen Wechselkurs von 1,27 im Konkurrenzkampf mit den USA deutlich leichter tue als noch bei einem Kurs von 1,60. Angelockt werden könnten ferner ausländische Investoren.
Schließlich würden europäische Aktien und Vermögenswerte derzeit mit "doppelter" Geschwindigkeit fallen, einmal über den Kurs beziehungsweise Vermögenswert, andererseits über die Währung. Ebenfalls korrigiert habe der Japanische Yen im Februar, anlässlich der katastrophalen Konjunkturdaten in Japan. Allerdings leide deren Exportindustrie immer noch sehr stark unter der 35-prozentigen Yen-Aufwertung vom zweiten Halbjahr 2008, so dass sich die jüngste 10-prozentige Korrektur noch nicht positiv auswirken dürfte.
Profitieren hätten können zuletzt primär zwei traditionelle Krisenwährungen: zum einen der US-Dollar, zum anderen der Goldpreis. Letzterer habe am 20. Februar die 1.000 USD-Marke pro Feinunze erklommen, die er bereits im März 2008 einmal erreicht habe. Allerdings sei der damalige Goldpreisanstieg primär auf den schwachen USD von rund 1,60 pro Euro zurückzuführen gewesen, dieses Mal aber nicht. In Euro gerechnet habe Gold seit dem vergangenen März von 650 auf knapp 800 Euro, also um ein Viertel beziehungsweise seit August sogar um 50 Prozent zugelegt.
In den letzten Februartagen hätten Gewinnmitnahmen den Goldpreis zwar wieder auf rund 740/750 Euro gedrückt, dennoch erfreue sich das gelbe Metall zusehender Beliebtheit. Dies würden auch die enormen Zuwächse beweisen, die die großen Gold-ETFs in Europa und den USA zuletzt verzeichnet hätten. Der volumenmäßig größte, der amerikanische SPDR-Gold, habe allein in diesem Jahr eine Nachfrage von umgerechnet 254 Tonnen Gold verzeichnet. Bei rund 40 Handelstagen in 2009 entspreche dies gut sechs Tonnen Zuwachs pro Tag. Seit März 2008, als der Goldpreis in USD ähnlich hoch gestanden habe, habe der Fonds von 634 auf 1.029 Tonnen Gold zugelegt, das heiße, die zwischenzeitliche Schwächephase (auf US-Dollarbasis) sei zu massiven Käufen genutzt worden.
Die Angst vor einem Kollaps im Finanzsystem treibe offenbar immer mehr Investoren und auch Spekulanten in die Edelmetalle. Je mehr Spekulanten darunter seien, desto größer werde auch die Rückschlagsgefahr - allerdings seien aufgrund des begrenzten Angebots noch ganz andere Preissteigerungen möglich.
Ähnliches gelte derzeit für Staatsanleihen: Der Bund-Future, der die zehnjährigen deutschen Staatsanleihen repräsentiere, sei mehrfach an der 126er-Marke gescheitert. Offenbar würden hier - an der Renditemarke von rund 2,8 Prozent - größere Verkäufe einsetzen. Breche diese Marke nachhaltig, so würden insbesondere bei einer weiteren Eskalation der Finanzkrise, vielleicht auch japanische Zinsniveaus in Europa winken. Die Interbankensätze für Tagesgeld (EONIA) lägen bereits bei wenig lukrativen 1,37 Prozent.
Nach dem jüngsten Sell-Off an den Aktienmärkten, der durch Stop-Orders knapp unter den November-Tiefs verstärkt worden sei, scheine zunächst eine rein technische Korrektur überfällig. Am Beispiel des DAX, der von einem Jahreshoch am 6. Januar bei 5.111 Punkten kommend, nun binnen sieben Wochen auf 3.764 Punkte (27.02. intraday) durchgereicht worden sei und gut 25 Prozent verloren habe, sei eine Gegenbewegung zunächst bis 4.200 - anschließend vielleicht sogar bis 4.450 Punkte - möglich. Diese Korrektur, die immer noch im Rahmen des kurzfristigen Abwärtstrends läge, könnte also durchaus rund 20 Prozent vom Tiefpunkt aus betragen.
Nachdem täglich mit neuen Hiobsbotschaften gerechnet werde, könnte allein das (vorläufige) Ausbleiben derselben positiv wirken. Auch sollte das so genannte "deleveraging", also das Entschulden von Finanzinvestoren und Hedgefonds, relativ weit gediehen sein. Aktienkäufe und Übernahmen von Staatsfonds, insbesondere aus China oder dem arabischen Raum, seien auf den aktuellen Niveaus ebenso denkbar, wie Firmenübernahmen durch große, gut kapitalisierte Unternehmen. Nicht zuletzt stünden am 5. März weitere Zinssenkungen der Bank of England und/oder der EZB an, das heiße, auch von Herrn Trichet könnte ein (überraschend) positiver Impuls ausgehen.
Mangels eines Börsen-Eigenlebens in Deutschland/Europa müsse eine größere Korrektur primär aber von den USA ausgehen. Von dort seien wohl auch am ehesten positive Überraschungen möglich, nicht zuletzt durch das gigantische Konjunkturpaket von über drei Prozent des BIPs. Da aber auch weitere Hiobsbotschaften jederzeit möglich seien, rechne man vorerst mit keiner nachhaltigen Erholung am Aktienmarkt und bleibe relativ vorsichtig. Defensive Investments im Bereich von Investmentgrade-Unternehmens- oder Wandelanleihen, soliden Emerging-Market-Bond-Fonds und taktische Index-Investments auf DAX und EURO STOXX 50 stünden dabei im Vordergrund. Strategisch bleibe man vorerst in Goldminen übergewichtet. (02.03.2009/fc/a/m)
Einige Indices hätten sich noch halten können, so zum Beispiel der Nikkei 225 - wenn auch knapp. Besser sehe dies beim NASDAQ und etlichen Emerging Markets wie zum Beispiel China und Brasilien aus. Dafür seien Irland oder auch Russland mit rund 80 Prozent Kursverlust (seit April 2007 beziehungsweise Mai 2008) "Land unter" und abgestraft worden wie ehemals der "Neue Markt".
Der Grund für die nicht enden wollende Kapitalvernichtung sei die weitere Beschleunigung der globalen Konjunkturtalfahrt in den ersten zwei Monaten dieses Jahres. Die extrem negativen realwirtschaftlichen Konsequenzen der Finanzkrise würden mittlerweile voll auf den globalen Handel durchschlagen. In Japan sei der Export im Januar um erdrutschartige 45,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat eingebrochen. In den USA habe sich das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal um 6,2 Prozent reduziert. Dies lasse für Deutschland, als die Exportnation schlechthin, nichts Gutes erahnen.
Auch wenn die binnenwirtschaftlichen Effekte aus der Abwrackprämie und der Kostenentlastung an den Zapfsäulen das Konsumklima zuletzt etwas entlastet hätten, so seien dies nur Tropfen auf den heißen Stein. Professor Norbert Walter (Deutsche Bank) erwarte denn auch für Deutschland einen gesamtwirtschaftlichen Einbruch von fünf Prozent für 2009, sofern sich die Wirtschaft im zweiten Halbjahr merklich erhole. Vielleicht stehe uns aber auch ein zweistelliger BIP-Rückgang bevor, wie er sich aktuell in Italien (10 Prozent), Singapur (16 Prozent) und etlichen anderen Industrienationen abzeichne.
Für 2009/2010 werde daher mit einer wahren Rekordpleitewelle gerechnet, die insbesondere die hochverschuldeten Unternehmen aus allen Branchen betreffe - egal ob Autohersteller (jüngstes Beispiel Saab), Medienkonzern (Tribune), Einzelhandel (Hertie) etc. Allein in den ersten sechs Wochen dieses Jahres habe die Ratingagentur S&P so viele Insolvenzen wie im gesamten ersten Quartal 2008 verzeichnet. Die Abwärtsspirale aus Nachfragerückgang und Arbeitsplatzvernichtung sei also immer noch in vollem Gange und alle Hoffnung ruhe nun auf den globalen Konjunkturpaketen.
Gleichzeitig spanne sich die finanzielle Lage der Staats- und Länderhaushalte zusehends an. Während im US-Bundesstaat Kalifornien Gouverneur Schwarzenegger den Finanznotstand ausgerufen habe und seinen Haushalt unter anderem mit der Entlassung von 10.000 Angestellten aus dem öffentlichen Dienst zu retten versuche, habe sich EZB-Präsident Trichet gezwungen gesehen zu dementieren, dass Irland der Staatsbankrott drohen könnte. Immer dringender werde die Auflage einer Euro-Anleihe zur Finanzierung klammer Euro-Mitgliedsstaaten.
Aber nicht nur Irland habe Probleme, auch die Finanzierungsprobleme der PIGS würden immer größer. Das Kürzel PIGS stehe für die vier Euro-Mitgliedsländer Portugal, Italien, Griechenland und Spanien. Die problematische Lage dieser Länder habe sich zuletzt sehr deutlich im internationalen Währungsgefüge niedergeschlagen, das heiße, sie hätten insbesondere den Euro zusehends unter Druck gebracht. Profitieren könnte davon die europäische Exportwirtschaft, die sich bei einem aktuellen Wechselkurs von 1,27 im Konkurrenzkampf mit den USA deutlich leichter tue als noch bei einem Kurs von 1,60. Angelockt werden könnten ferner ausländische Investoren.
Profitieren hätten können zuletzt primär zwei traditionelle Krisenwährungen: zum einen der US-Dollar, zum anderen der Goldpreis. Letzterer habe am 20. Februar die 1.000 USD-Marke pro Feinunze erklommen, die er bereits im März 2008 einmal erreicht habe. Allerdings sei der damalige Goldpreisanstieg primär auf den schwachen USD von rund 1,60 pro Euro zurückzuführen gewesen, dieses Mal aber nicht. In Euro gerechnet habe Gold seit dem vergangenen März von 650 auf knapp 800 Euro, also um ein Viertel beziehungsweise seit August sogar um 50 Prozent zugelegt.
In den letzten Februartagen hätten Gewinnmitnahmen den Goldpreis zwar wieder auf rund 740/750 Euro gedrückt, dennoch erfreue sich das gelbe Metall zusehender Beliebtheit. Dies würden auch die enormen Zuwächse beweisen, die die großen Gold-ETFs in Europa und den USA zuletzt verzeichnet hätten. Der volumenmäßig größte, der amerikanische SPDR-Gold, habe allein in diesem Jahr eine Nachfrage von umgerechnet 254 Tonnen Gold verzeichnet. Bei rund 40 Handelstagen in 2009 entspreche dies gut sechs Tonnen Zuwachs pro Tag. Seit März 2008, als der Goldpreis in USD ähnlich hoch gestanden habe, habe der Fonds von 634 auf 1.029 Tonnen Gold zugelegt, das heiße, die zwischenzeitliche Schwächephase (auf US-Dollarbasis) sei zu massiven Käufen genutzt worden.
Die Angst vor einem Kollaps im Finanzsystem treibe offenbar immer mehr Investoren und auch Spekulanten in die Edelmetalle. Je mehr Spekulanten darunter seien, desto größer werde auch die Rückschlagsgefahr - allerdings seien aufgrund des begrenzten Angebots noch ganz andere Preissteigerungen möglich.
Ähnliches gelte derzeit für Staatsanleihen: Der Bund-Future, der die zehnjährigen deutschen Staatsanleihen repräsentiere, sei mehrfach an der 126er-Marke gescheitert. Offenbar würden hier - an der Renditemarke von rund 2,8 Prozent - größere Verkäufe einsetzen. Breche diese Marke nachhaltig, so würden insbesondere bei einer weiteren Eskalation der Finanzkrise, vielleicht auch japanische Zinsniveaus in Europa winken. Die Interbankensätze für Tagesgeld (EONIA) lägen bereits bei wenig lukrativen 1,37 Prozent.
Nach dem jüngsten Sell-Off an den Aktienmärkten, der durch Stop-Orders knapp unter den November-Tiefs verstärkt worden sei, scheine zunächst eine rein technische Korrektur überfällig. Am Beispiel des DAX, der von einem Jahreshoch am 6. Januar bei 5.111 Punkten kommend, nun binnen sieben Wochen auf 3.764 Punkte (27.02. intraday) durchgereicht worden sei und gut 25 Prozent verloren habe, sei eine Gegenbewegung zunächst bis 4.200 - anschließend vielleicht sogar bis 4.450 Punkte - möglich. Diese Korrektur, die immer noch im Rahmen des kurzfristigen Abwärtstrends läge, könnte also durchaus rund 20 Prozent vom Tiefpunkt aus betragen.
Nachdem täglich mit neuen Hiobsbotschaften gerechnet werde, könnte allein das (vorläufige) Ausbleiben derselben positiv wirken. Auch sollte das so genannte "deleveraging", also das Entschulden von Finanzinvestoren und Hedgefonds, relativ weit gediehen sein. Aktienkäufe und Übernahmen von Staatsfonds, insbesondere aus China oder dem arabischen Raum, seien auf den aktuellen Niveaus ebenso denkbar, wie Firmenübernahmen durch große, gut kapitalisierte Unternehmen. Nicht zuletzt stünden am 5. März weitere Zinssenkungen der Bank of England und/oder der EZB an, das heiße, auch von Herrn Trichet könnte ein (überraschend) positiver Impuls ausgehen.
Mangels eines Börsen-Eigenlebens in Deutschland/Europa müsse eine größere Korrektur primär aber von den USA ausgehen. Von dort seien wohl auch am ehesten positive Überraschungen möglich, nicht zuletzt durch das gigantische Konjunkturpaket von über drei Prozent des BIPs. Da aber auch weitere Hiobsbotschaften jederzeit möglich seien, rechne man vorerst mit keiner nachhaltigen Erholung am Aktienmarkt und bleibe relativ vorsichtig. Defensive Investments im Bereich von Investmentgrade-Unternehmens- oder Wandelanleihen, soliden Emerging-Market-Bond-Fonds und taktische Index-Investments auf DAX und EURO STOXX 50 stünden dabei im Vordergrund. Strategisch bleibe man vorerst in Goldminen übergewichtet. (02.03.2009/fc/a/m)


