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Gewerbeimmobilien - das Zünglein an der Waage?
30.09.08 16:58
GECAM
Wangen (aktiencheck.de AG) - Die Empfehlung der Experten von GECAM, in den letzten Marktperspektiven eine erhöhte Cashposition über die "Hurrican-Saison" zu halten, hat sich (leider) bewährt.
Obwohl am Wochenende der große Durchbruch bezüglich des 700-Milliarden-USD-Rettungspakets kommuniziert wurde und die schriftliche Fixierung sowie die Abstimmung im Repräsentantenhaus nur noch Formsache schien, scheiterte gestern Abend um 20:14h (mitteleuropäischer Zeit) die Abstimmung im US-Repräsentantenhaus, so die Experten von GECAM. Dies habe die Marktteilnehmer völlig auf dem falschen Fuß erwischt und so seien die US-Indices zum Teil mit Rekordverlusten aus dem Handel gegangen. Noch nie in der Geschichte des Dow Jones (auch nicht nach dem 11.Sept. 2001) habe dieser einen Tagesverlust von 777 Punkten hinnehmen müssen.
Dass die Ablehnung im Repräsentantenhaus das letzte Wort sei, scheine angesichts der sich dramatisch beschleunigenden Pleitewelle sehr fraglich. Vielleicht sollte nach den vorangegangenen täglichen "Exekutionen" zum krönenden Abschluss noch ein "Dolchstoß" das dritte Quartal beenden und den Markt ultimativ von Spekulanten, Hedgefonds und "Zockerbanken" (wie Hypo Real Estate) bereinigen. Vielleicht habe man dem Schrecken nun ein Ende setzen wollen und einen Neuanfang im vierten Quartal - beflügelt von der US-Wahl-Phantasie - zu ermöglichen. Führe man sich allerdings vor Augen, was die Zwangsfusion beziehungsweise -verstaatlichung von Unternehmen wie Bear Stearns, Northern Rock, Merrill Lynch, AIG, Washington Mutal, HBOS, Fortis, Bradford&Bingley und so weiter in der zweiten Phase bedeute, scheine dennoch weiterhin äußerste Vorsicht geboten.
Jan Hatzius, Chefvolkswirt bei Goldman Sachs, habe das nächste Horrorszenario schon im Auge: "Es würde mich sehr wundern, wenn nicht demnächst der Markt für Büro- und Geschäftsimmobilien einbricht." Hatzius, der bereits im vergangenen Dezember vor Subprime-Abschreibungen in der Größenordnung von 2.000 Mrd. US-Dollar gewarnt habe, brauche für diese Aussage - angesichts der aktuellen Bereinigung im Bankgewerbe - keine hellseherischen Fähigkeiten zu haben.
Die aktuell noch "glatte" Wertentwicklung der Immobilienfonds, welche in aller Regel größtenteils in Gewerbeimmobilien investiert seien, scheine für die aktuelle Marktphase nicht mehr ganz realistisch zu sein - um es vorsichtig zu formulieren. Eine genaue Überprüfung der Immobilienstruktur im Fonds scheine jedenfalls dringend geboten. Gerade Fonds mit Schwerpunktinvestments in den Regionen USA, England, Spanien, Irland und Osteuropa sowie der Finanzbranche könnten zu Wertberichtigungen gezwungen sein.
Das 700-Milliarden-USD-Paket sei daher - obwohl wahrscheinlich noch zu niedrig - äußerst dringend. Bereits 1987 habe die USA in der damaligen Sparkassenkrise 400 Mrd. US-Dollar in den Markt gepumpt - was inflations- und währungsbereinigt mehr Euro gewesen seien als beim jetzigen Paket. Am Aktienmarkt habe dieses angekündigte Paket (bisher noch) Schlimmeres verhindern können. Anders seien die aktuellen "Krisenstände" des Dow Jones bei circa 10.500 oder des DAX bei circa 5.700 Punkten kaum zu erklären.
Freilich, das KGV liege zum Beispiel im DAX nur noch bei rund zehn für 2009. In Zeiten schwachen Konsums, wegbrechender Aufträge, schwieriger und teurer werdender Finanzierungen, ausfallender Forderungen, steigender Überkapazitäten, hoher Lohnkosten, extrem stark schwankender Rohstoff- und Energiepreise seien diese Gewinne für das nächste Jahr aber kaum noch zu prognostizieren und daher eigentlich höhere Risikoabschläge nötig. Die Experten würden sich aber fragen, ob Immofonds, Zertifikate, US-Dollaranleihen oder Bankenschuldverschreibungen die Alternativen seien.
Investoren mit "Anlagenotstand", allen voran mit hohen US-Dollar-Cashpositionen - wie z.B. Staatsfonds, Ölländer oder auch ein Warren Buffet - kämen langfristig nicht um Aktien herum. Buffet habe in der vergangenen Woche ein 5-Milliarden-USD-Vorzugsaktienpaket an Goldman Sachs mit Option auf ein weiteres 5-Milliarden-USD-Stammaktienpaket - getreu seinem Motto "Ich sehe mich nicht als Teil eines Bullenmarkts, sondern als Teilhaber an wunderbaren Firmen" erworben.
Mit dieser Strategie nehme Buffet zwar erhebliche Wertschwankungen in Kauf - wisse aber dafür, was er habe. Ganz im Gegensatz zu vielen Privatinvestoren, die sich mit Garantiezertifikaten von Lehman Brothers und Co. in scheinbarer Sicherheit gewähnt hätten. Besser sei es daher, entweder tatsächliche Sicherheit zu kaufen - zum Beispiel deutsche Staatsanleihen - oder aber ganz bewusst und wohl dosiert Risiken einzugehen - zum Beispiel über Aktien oder Aktienfonds. Diese würden auch bei einer Insolvenz der Hausbank ausgesondert und würden damit eine Art "Sachwert-Charakter" besitzen.
GECAM habe erstmals in seiner Dachfondsgeschichte die Immobilienfondsquote durch Staatsanleihen ersetzt und die Aktienquote massiv - bis auf einige Basisinvestments (darunter zum Beispiel Goldminenfonds) - reduziert. Zertifikate oder Zertifikatefonds hätten ganz bewusst nie zu den Zielanlagen innerhalb der GECAM-Dachfonds gehört. Aufgrund der schwer kalkulierbaren Bonitätsrisiken sollten Anleger diese auch bis auf weiteres meiden. (Ausgabe vom 29.09.2008) (30.09.2008/fc/a/m)
Obwohl am Wochenende der große Durchbruch bezüglich des 700-Milliarden-USD-Rettungspakets kommuniziert wurde und die schriftliche Fixierung sowie die Abstimmung im Repräsentantenhaus nur noch Formsache schien, scheiterte gestern Abend um 20:14h (mitteleuropäischer Zeit) die Abstimmung im US-Repräsentantenhaus, so die Experten von GECAM. Dies habe die Marktteilnehmer völlig auf dem falschen Fuß erwischt und so seien die US-Indices zum Teil mit Rekordverlusten aus dem Handel gegangen. Noch nie in der Geschichte des Dow Jones (auch nicht nach dem 11.Sept. 2001) habe dieser einen Tagesverlust von 777 Punkten hinnehmen müssen.
Dass die Ablehnung im Repräsentantenhaus das letzte Wort sei, scheine angesichts der sich dramatisch beschleunigenden Pleitewelle sehr fraglich. Vielleicht sollte nach den vorangegangenen täglichen "Exekutionen" zum krönenden Abschluss noch ein "Dolchstoß" das dritte Quartal beenden und den Markt ultimativ von Spekulanten, Hedgefonds und "Zockerbanken" (wie Hypo Real Estate) bereinigen. Vielleicht habe man dem Schrecken nun ein Ende setzen wollen und einen Neuanfang im vierten Quartal - beflügelt von der US-Wahl-Phantasie - zu ermöglichen. Führe man sich allerdings vor Augen, was die Zwangsfusion beziehungsweise -verstaatlichung von Unternehmen wie Bear Stearns, Northern Rock, Merrill Lynch, AIG, Washington Mutal, HBOS, Fortis, Bradford&Bingley und so weiter in der zweiten Phase bedeute, scheine dennoch weiterhin äußerste Vorsicht geboten.
Jan Hatzius, Chefvolkswirt bei Goldman Sachs, habe das nächste Horrorszenario schon im Auge: "Es würde mich sehr wundern, wenn nicht demnächst der Markt für Büro- und Geschäftsimmobilien einbricht." Hatzius, der bereits im vergangenen Dezember vor Subprime-Abschreibungen in der Größenordnung von 2.000 Mrd. US-Dollar gewarnt habe, brauche für diese Aussage - angesichts der aktuellen Bereinigung im Bankgewerbe - keine hellseherischen Fähigkeiten zu haben.
Das 700-Milliarden-USD-Paket sei daher - obwohl wahrscheinlich noch zu niedrig - äußerst dringend. Bereits 1987 habe die USA in der damaligen Sparkassenkrise 400 Mrd. US-Dollar in den Markt gepumpt - was inflations- und währungsbereinigt mehr Euro gewesen seien als beim jetzigen Paket. Am Aktienmarkt habe dieses angekündigte Paket (bisher noch) Schlimmeres verhindern können. Anders seien die aktuellen "Krisenstände" des Dow Jones bei circa 10.500 oder des DAX bei circa 5.700 Punkten kaum zu erklären.
Freilich, das KGV liege zum Beispiel im DAX nur noch bei rund zehn für 2009. In Zeiten schwachen Konsums, wegbrechender Aufträge, schwieriger und teurer werdender Finanzierungen, ausfallender Forderungen, steigender Überkapazitäten, hoher Lohnkosten, extrem stark schwankender Rohstoff- und Energiepreise seien diese Gewinne für das nächste Jahr aber kaum noch zu prognostizieren und daher eigentlich höhere Risikoabschläge nötig. Die Experten würden sich aber fragen, ob Immofonds, Zertifikate, US-Dollaranleihen oder Bankenschuldverschreibungen die Alternativen seien.
Investoren mit "Anlagenotstand", allen voran mit hohen US-Dollar-Cashpositionen - wie z.B. Staatsfonds, Ölländer oder auch ein Warren Buffet - kämen langfristig nicht um Aktien herum. Buffet habe in der vergangenen Woche ein 5-Milliarden-USD-Vorzugsaktienpaket an Goldman Sachs mit Option auf ein weiteres 5-Milliarden-USD-Stammaktienpaket - getreu seinem Motto "Ich sehe mich nicht als Teil eines Bullenmarkts, sondern als Teilhaber an wunderbaren Firmen" erworben.
Mit dieser Strategie nehme Buffet zwar erhebliche Wertschwankungen in Kauf - wisse aber dafür, was er habe. Ganz im Gegensatz zu vielen Privatinvestoren, die sich mit Garantiezertifikaten von Lehman Brothers und Co. in scheinbarer Sicherheit gewähnt hätten. Besser sei es daher, entweder tatsächliche Sicherheit zu kaufen - zum Beispiel deutsche Staatsanleihen - oder aber ganz bewusst und wohl dosiert Risiken einzugehen - zum Beispiel über Aktien oder Aktienfonds. Diese würden auch bei einer Insolvenz der Hausbank ausgesondert und würden damit eine Art "Sachwert-Charakter" besitzen.
GECAM habe erstmals in seiner Dachfondsgeschichte die Immobilienfondsquote durch Staatsanleihen ersetzt und die Aktienquote massiv - bis auf einige Basisinvestments (darunter zum Beispiel Goldminenfonds) - reduziert. Zertifikate oder Zertifikatefonds hätten ganz bewusst nie zu den Zielanlagen innerhalb der GECAM-Dachfonds gehört. Aufgrund der schwer kalkulierbaren Bonitätsrisiken sollten Anleger diese auch bis auf weiteres meiden. (Ausgabe vom 29.09.2008) (30.09.2008/fc/a/m)


