Fondshandel: Große Mischfonds beliebt


28.11.22 11:58
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Trotz kräftiger Kursgewinne an den Börsen: Die Kauflaune der Fondsanleger*innen hält sich in Grenzen, so die Deutsche Börse AG.

"Die Stimmung ist schwer zu greifen", finde Fondshändler Matthias Präger von der Baader Bank. Der starke Kursanstieg spiegle sich in den Umsätzen noch nicht wider. "Die zum Jahresende üblichen höheren Volumina sehen wir nicht."

Der DAX habe seit Mitte Oktober über 2.000 Punkte gut gemacht und am Donnerstagmorgen bei 14.453 Zählern gestanden. Hinter der Rally stecke die Hoffnung, dass die US-Notenbank in Sachen Zinserhöhung nun einen moderateren Kurs einschlagen könnte. Genau darauf lasse auch das am vergangenen Mittwoch veröffentlichte Protokoll der letzten Notenbank-Sitzung schließen.

"Der Markt ist wieder näher am Jahreshöchst- als am Jahrestiefststand", stelle Fondshändler Jan Duisberg von der ICF Bank fest. "Die Situation hat sich dramatisch gedreht." Die Inflation könne ihren Höhenpunkt erreicht haben, auch wirtschaftlich sehe es nicht mehr ganz so düster aus. "Die Märkte hatten sich verrannt und waren zu negativ, jetzt sehen wir die Korrektur."

Hohe Umsätze würden weiterhin Immobilienfonds aufweisen, dennoch würden sich Anleger*innen laut Duisberg reservierter zeigen. "Es gab eine Neubewertung wegen des Zinsanstiegs", erkläre der Händler. An der Börse würden die Anteile zu Abschlägen gehandelt, die Fondsgesellschaften würden unterdessen einen stetigen Wertanstieg ausweisen. "Börse hält Immobilienfonds den Spiegel vor", habe die Börsen-Zeitung vor zwei Wochen geschrieben.

Tendenziell Käufe sehe Duisberg für den Grundbesitz Fokus Deutschland und den Deka-ImmobilienMetropolen. Eher abgegeben würden hingegen der UniImmo Europa (ISIN DE0009805515 / WKN 980551) und mittlerweile auch der zuvor so beliebte HausInvest. Käufe und Verkäufe hätten den Handel mit dem Wertgrund WohnSelect geprägt. "Noch am wenigsten betroffen ist der Fokus Wohnen Deutschland, der sich auf deutsche Wohnimmobilien konzentriert", bemerke Duisberg.

Mischfonds könnten im schwierigen Jahr 2022 eigentlich punkten. Denn ihr Ziel sei, über die breite Streuung des Vermögens das Risiko im Portfolio zu reduzieren. Zumindest einigen von ihnen sei das auch gut gelungen, was Anleger*innen honorieren würden: Der ARERO Der Weltfonds, der regelbasiert auf Aktien (A), Renten (RE) und Rohstoffe (RO) setze, komme dieses Jahr zwar auch auf Verluste. Mit minus 5,8 Prozent würden diese aber kleiner ausfallen als bei klassischen Aktienfonds. Auf Sicht von zehn Jahren habe der 2008 aufgelegte Fonds eine Rendite von 5,7 Prozent pro Jahr erwirtschaftet. Präger melde Zuflüsse in den 1,6 Milliarden Euro schweren Fonds.

Sehr großer Beliebtheit würden sich laut Duisberg auch die zwei großen Mischfonds von Flossbach van Storch erfreuen: Der Flossbach von Storch Multiple Opportunities und der Multiple Opportunities II. "Die kommen immer gut an."

Auf den Einkaufszetteln der Anleger*Innen finde sich außerdem der DekaStruktur 2 ChancePlus, der in Fonds unterschiedlicherer Anlageklassen investiere. Der Anteil globaler Aktien und Aktienfonds könne 70 Prozent bis 100 Prozent betragen, der von Rentenfonds, übrigen Fonds wie Mischfonds und Geldmarktfonds jeweils bis zu 30 Prozent. Die laufenden Kosten lägen allerdings bei 2,22 Prozent im Jahr.

Ebenfalls rege gehandelt würden Aktienfonds. Die hätten über die Börse klassischerweise mehr Verkäufer als Käufer - das sei auch jetzt nicht anders. "Wir sehen vor allem Abgaben, das gilt für Fonds mit deutschen, europäischen und internationalen Werten", bemerke Präger. Auf den Verkaufslisten fänden sich etwa der Threadneedle European Smaller Companies mit europäischen Small Caps sowie der UniGlobal und der Stuttgarter-Aktien-Fonds von IP Concept (ISIN LU0383026803 / WKN A0Q72H), beide mit internationalen Werten. Gekauft werde hingegen der Fondak.

Chinesische Aktien seien zwischenzeitlich durchaus gesucht gewesen, als Hintergrund würden Gerüchte über eine Lockerung der strengen Corona-Politik gelten. Jetzt sehe es wieder anders aus: Die Infektionszahlen in China würden nach oben schießen, Teile Pekings seien in eine Art Lockdown versetzt worden. "China hangelt sich von Lockdown zu Lockdown", stelle Präger fest. "Da investiert keiner." Verkäufe auf niedrigem Niveau melde er für den JPMorgan China und den ROBECO Asia Pacific Equities. Käufe registriere er hingegen für den AGIF Allianz Oriental Income Asien Pazific, der in Unternehmen aus dem asiatisch-pazifischen Raum investiere.

Daneben seien Technologiefonds wieder gesucht, wie Jan Duisberg ergänze. Gut angenommen werde etwa der UniSector High Tech (ISIN LU0101441672 / WKN 921559) und - wie schon lange - der Fidelity Global Technology. "Das ist ein echter Dauerbrenner." Ebenfalls beliebt: Der BGF New Energy Fund.

Im Oktober sei es erneut zu hohen Mittelabflüssen aus Fonds gekommen, wie das Analysehaus Morningstar melde: Nach 66 Milliarden Euro Nettoabflüssen im September hätten die Anleger im Oktober weitere 49 Milliarden Euro aus in Europa domizilierten langtig agierenden Fonds abgezogen, aktiven wie passiven. "Dies ist die schlechteste und zweitschlechteste monatliche Performance seit Beginn der Coronavirus-Pandemie im März 2020", würden Valerio Baselli und Antje Schiffer von Morningstar erklären. "Marktvolatilität, Inflationsängste, die Energiekrise und eine mögliche Rezession drückten die Stimmung der Anleger." Aktienfonds hätten im Oktober 12 Milliarden Euro verloren, seit Jahresanfang netto 47 Milliarden Euro. "2022 ist damit auf dem besten Weg, in Bezug auf Nettomittelflüsse für Aktienstrategien das schlechteste Jahr seit 2008 zu werden."

Auch der Goldpreis habe zuletzt deutlich zugelegt, und zwar von rund 1.600 bis auf 1.780 US-Dollar je Feinunze, aktuell seien es 1.755 US-Dollar. "Eine Tendenz im Handel mit Goldminenfonds ist aber nicht auszumachen", berichte Präger. Käufe registriere er für den Nestor Gold Fonds, Verkäufe für den Deutsche Invest Gold & Precious Metals. Der Nestor Gold Fonds investiere vorwiegend in Goldindustrieunternehmen, und zwar aus Produktion, Weiterverarbeitung und Handel. Zuletzt habe sich der Fonds gut entwickelt: In diesem Jahr liege das Minus nur bei 3,8 Prozent, auf Dreijahressicht stehe ein Plus von 12,3 Prozent im Jahr. Auf Zehnjahressicht würden sich allerdings negative Renditen ergeben. (Ausgabe vom 24.11.2022) (28.11.2022/fc/a/f)





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