Fonds und ETFs in der Gunst der Anleger


09.06.09 10:31
Deutsche Börse AG

Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Anleger trauen Schwellenländer-Fonds und ETFs derzeit ein größeres Potenzial zu, so die Deutsche Börse AG.

Bei Anleihen-ETFs hätten inflationsgekoppelte Produkte die Nase vorn. Einige Investoren würden darauf spekulieren, dass die Rücknahmeaussetzung bei weiteren Immobilienfonds aufgehoben werde.

Der deutsche Bluechip-Index habe in der vergangenen Woche die 5.000er Marke durchbrochen - trotz aller schlechter Konjunkturmeldungen, die gekommen seien, sage Frank Wöllnitz von N.M. Fleischhacker. Heute allerdings hätten DAX und DJ EURO STOXX 50 deutliche Verluste hinnehmen müssen, nach einem bewegten Verlauf in der letzten Woche. "Die DJ EURO STOXX 50-ETFs von iShares und Lyxor (ISIN IE0008471009 / WKN 935927; ISIN DE0005933956 / WKN 593395; ISIN FR0007054358 / WKN 798328) wurden kräftig von Marktteilnehmern verkauft. Rückgaben an die Fondsgesellschaft waren unvermeidbar", berichte Bastian Ohta von der UniCredit Group.

Auch die ETFs auf Indices wie iShares DJ STOXX 50 bzw. iShares DJ STOXX 600 seien eher verkauft worden. "Außerbörslich wird hier von Market Makern versucht, den Bestandsüberhang auf andere Market Maker umzuverteilen. Daraus kann man schließen, dass auch dort eher Marktteilnehmer verkauft haben", erläutere Ohta.

Ähnliches beobachte auch Dirk Schröder von der Baader Bank: Der Allianz Vermögensbildung Europa, dessen Portfolio europäische Standardwerte enthalte, werde verkauft. "Hier befürchten Investoren wohl Kursverluste und machen Kasse." Den stärker auf Großbritannien und die Schweiz ausgerichteten MFS Meridan Funds dagegen würden Anleger kaufen. Der FMM-Fund (ISIN DE0008478116 / WKN 847811), durchaus weltweit ausgerichtet, jedoch zu mehr als 50 Prozent derzeit in Europa investiert - größere Anteile seien in der Schweiz, Großbritannien und Deutschland - ziehe ebenso das Interesse der Investoren auf sich.

Ein großes Thema der Woche seien allerdings nicht die Aktienfonds aus etablierten Volkswirtschaften. Vielmehr würden sich Investoren auf die Schwellenländer konzentrieren. "In Russland konnten wir in der vergangenen Woche starke Auf- und Abbewegungen beobachten, in Indien kommt der Index nun wieder etwas herunter, nach dem Aufschwung durch die Parlamentswahlen vor einigen Wochen," berichte Wöllnitz. Russlandfonds wie der DWS Russia seien in großen Volumina mit einem Kaufüberhang gehandelt worden, Indienfonds (ISIN LU0068770873 / WKN 974879) eher abgegeben. Ebenso werde der Templeton Asian Growth Fund, der zu über 40 Prozent indische und thailändische Werte halte, verkauft.

Die Ausrichtung auf Schwellenländerfonds würden auch die Market Maker im Handel mit Indexfonds beobachten. "Viele Investoren erwarten, dass in den Schwellenländern nun der Boden gefunden ist", kommentiere Eric Wiegand von der Deutschen Bank. Die größten Anteile seien demnach in den vergangenen Tagen in breite Schwellenländer-ETFs wie den db x-trackers MSCI Emerging Markets-ETF, iShares MSCI Far East ex-Japan-ETF oder db x-trackers MSCI Lateinamerika-ETF geflossen.

Bei Investitionen in gezielte Länder falle den Händlern China auf mit dem iShares DJ China Offshore 50-ETF, iShares FTSE/Xinhua China 25-ETF oder dem db x-trackers FTSE/XINHUA China 25-ETF (ISIN LU0292109856 / WKN DBX1FX). Außerdem würden Investoren auf Vietnam mit dem db x-trackers FTSE Vietnam-ETF setzen. Unter den aktiv verwalteten Fonds ziehe auch der DWS China Anleger in seinen Bann. Das Portfolio enthalte chinesische Standardwerte wie China Mobile oder China Life.

Der steigende Ölpreis sorge nicht nur bei dem stark erdöl- bzw. erdgaslastigen russischen Index MICEX für Bewegung. Nach Angaben von Ohta würden Investoren in dieser Woche vorwiegend "alles, was in den Energiebereich gehört mit dem iShares DJ STOXX 600 Oil & Gas-ETF und iShares DJ STOXX 600 Basic Resources-ETF" kaufen.

Seit Ende Mai habe die Fondsgesellschaft der schwedischen SEB Bank die Rücknahmeaussetzung für ihren Immobilienfonds SEB ImmoInvest aufgehoben. "Dadurch ist in anderen Fonds, deren Rücknahme durch die Kapitalanlagegesellschaften ausgesetzt worden war, etwas Bewegung aufgekommen", erzähle Wöllnitz. Es handle sich unter anderem um KanAm grundinvest, UBS Euroinvest Immobilien, CS Euroreal oder Axa Immoselect.

"Bei Fonds, deren Anteilscheine von einer Rücknahme durch die KAG ausgeschlossen sind, kommt es zu stärkeren Abweichungen vom NAV, da der Preis für solche Fonds den Marktgegebenheiten angepasst wird", erkläre Wöllnitz. "Anleger steigen nun gerade in solche Fonds ein, da sie erwarten, dass hier die Rücknahmeaussetzung auch bald aufgehoben wird. Sie erhoffen sich so, an günstige Stücke zu kommen."

Die Sorge vor einer anziehenden Inflation treibe einige Anleger um. Nach wie vor stünden die inflationsgekoppelten europäischen (ISIN LU0290358224 / WKN DBX0AM) und globalen Renten-ETFs auf den Einkaufslisten. (09.06.2009/fc/a/f)