FPM Stockpicker Germany All Cap im Fokus


24.08.07 15:35
Morningstar

München (aktiencheck.de AG) - Deutsche Aktien sind vergleichbar mit Fußball: Alle meinen, mitreden zu können, so die Experten von "Morningstar" zu dem FPM Funds Stockpicker Germany All Cap.

Privatanleger sollten einmal den Vergleich anstellen, ob ihre Wetten besser als ein Deutschlandfonds gewesen seien. Wer eine Allianz genauso wie eine ESCADA halte, finde hier eine gute Benchmark.

Im Prinzip stünden den Fondsmanagern Piontke und Wirth alle in Deutschland notierten Aktien zur Auswahl. Der Investmentansatz sei opportunistisch. Das Portfolio sei Ergebnis eines reinen Bottom-up-Prozesses. Auf eine Benchmark, die Marktkapitalisierung, die Liquidität einer Aktie, das Börsensegment oder strikte Value-Kriterien werde keine Rücksicht genommen. Gekauft werde, was mindestens ein Kurspotenzial von 15% habe. Dabei würden vom Markt Wachstumsgeschichten wie Sartorius oder STRATEC Biomedical höher gepreist als der breite Markt, was FPM nicht davon abhalte, diese Aktien zu kaufen.

Die drei größten Werte seien mit rund 8% Allianz SE, Münchner Rück und Bayerische Hypo- und Vereinsbank. Die Allianz sei für Piontke eine langfristige Position. Der Versicherer sollte mit 4/5% in den kommenden Jahren wachsen, seine Strukturen optimieren und den Gewinn beständig über Volumen und Effizienzsteigerungen wachsen lassen. Mittel- bis langfristig sollte dies auch im Aktienkurs zu sehen sein. Die Bayerische Hypo- und Vereinsbank befinde sich in einem Squeeze out durch UniCredito. Piontke sehe Potenzial, dass UniCredito mehr als 38,50 Euro zahlen müsse. Die Hypo-Aktie sei auch deshalb im Fonds vertreten, weil es augenblicklich wenig Alternativen für "strong conviction Investments" gebe. Das Team sehe deutsche Nebenwerte mittlerweile als gut bis sehr teuer bewertet an.

Im 5-Jahresturnus gehöre der Fonds zu den besten 10% deutscher Nebenwertefonds (5 Sterne Rating). Der Fonds habe sich in den letzten drei Jahren in der Vergleichsgruppe "Deutsche Nebenwerte" im Mittelfeld bewegt (drei Sterne-Rating). Konkurrenten hätten Zykliker wie Salzgitter, ThyssenKrupp, MAN oder Volkswagen gespielt. Da der Stahlpreis und damit die Gewinne ThyssenKrupps nicht prognostizieren seien, würden diese Aktien im Fonds fehlen. Immerhin würden sich heute Volkswagen im Portfolio finden, vorher sei die Aktie wegen lauer Corporate Governance nicht in die engere Auswahl gekommen.

Seit März ergänze ein Händler das Team. Er solle ein paar Performancepunkte um strategische Positionen wie DaimlerChrysler oder Deutsche Bank generieren und ein Auge auf das Momentum von Aktien werfen, die man ganz gut finde, die aber keine langfristigen strategischen Investmentideen seien. Daher sollte der Umschlag der Aktienpositionen tendenziell ansteigen (Turn over). Vorher sei wenig gehandelt worden, an den strategischen Top-Holdings habe sich seit Ende 2006 kaum etwas geändert.

Der Fonds habe eine überdurchschnittlich hohe variable Performancevergütung: Steige die Wertentwicklung innerhalb eines Halbjahres über 4%, dann würden 15% der darüber liegenden Performance FPM gutgeschrieben. Dieser Mechanismus beginne alle 6 Monate von neuem. Die Kritik der Experten von "Morningstar" sei erstens, dass die langfristige Rendite an den Aktienmärkten bei 7 bis 8% liege. Also, wenn man sich schon mit einem abstrakten Rendite erfolgsabhängig entlohne, dann mit einem angemessenen Satz. Und zweitens sollten performanceabhängige Vergütungen an einen adäquaten Vergleichsindex gekoppelt sein. In diesem Falle würden sich HDAX oder CDAX förmlich aufzwingen.

Obwohl Wirth und Piontke den Zykliker-Zug an sich hätten vorbeirauschen lassen, habe sich der Fonds noch gut halten können. Auf 5-Jahres-Sicht senke sich die Waage zugunsten von Piontke und Wirth. Insgesamt sei es ein guter All-Cap-Fonds für deutsche Aktien, der mit überdurchschnittlich hohen Gebühren in Bullenmärkten befrachtet werde. Das vorsichtige Investieren könnte sich in den kommenden Wochen auszahlen (HypoVereinsbank, Allianz, Münchner Rück). Die Risikokennzahlen des Fonds seien schon seit Monaten geringer als diejenigen der Wettbewerber. Allerdings sei der Preis dafür eine kurzfristige Underperformance gewesen. (Ausgabe vom 21.08.2007) (24.08.2007/fc/a/f)