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Eurozone - besser, schlechter oder einfach weniger schlimm?
12.12.14 14:58
Goldman Sachs Asset Management
Frankfurt (www.fondscheck.de) - Für das kommende Jahr gehen wir generell davon aus, dass sich das globale Wachstum weiter langsam beschleunigt und die Inflation auf einem niedrigen Niveau verharren wird, so die Experten von Goldman Sachs Asset Management.
Daher würden die Experten riskantere Anlagen bevorzugen, insbesondere Aktien gegenüber Zinspapieren. Diese Einschätzung werde durch drei wichtige Makroentwicklungen der letzten Monate untermauert: Zum einen stütze der rapide Verfall der Ölpreisnotierungen den weitgehend positiven Wachstumsausblick der Experten. Dies hänge teilweise mit den effektiv höheren Realeinkommen zusammen, die sich aus der Ölverbilligung ergeben würden und den Nettoimporteuren zugute kommen sollten.
Zweitens würden die Zentralbanken in der Eurozone und Japan - den Schwachstellen der Weltwirtschaft - gerade ihre finanziellen Anreize erhöhen. Die FED hingegen habe in den USA die quantitative Lockerung beendet, wodurch die Entwicklung der Industriemärkte in unterschiedliche Richtungen verstärkt an Bedeutung gewinne. Drittens hätten sich die Märkte trotz des jüngsten Volatilitätsanstiegs gut behauptet und die Experten würden keine strukturelle Verlagerung hin zu einem Marktumfeld mit hoher Volatilität erwarten.
Europa habe sich Mitte 2013 aus der Rezession befreien können, das Wachstum sei jedoch in 2014 selbst hinter den niedrigsten Erwartungen weiter zurückgeblieben. Die generelle Prognose für 2015 sei zudem drastisch gesenkt worden und liege mit 1,2 Prozent jetzt näher an der hauseigenen Schätzung der Experten von 1 Prozent. Doch obwohl der Makroausblick der Experten bescheiden bleibe, hätten Aktienanleger nach Meinung der Experten guten Grund, etwas optimistischer zu sein.
In Sachen Konjunktur würden die Experten nach wie vor große Hürden sehen. Ihre Inflationsprognose für die Eurozone falle noch pessimistischer aus, da sie im kommenden Jahr anstelle eines Anstiegs auf 1 Prozent einen Rückgang auf 0,4 Prozent erwarten würden. Die fallenden Energiepreise würden einen kurzfristigen Abwärtsdruck auf die Inflation ausüben. Daneben gebe es aber auch noch längerfristige strukturelle Faktoren, die das Wachstum geschwächt hätten und sich nicht so schnell beseitigen lassen dürften.
Bei knapp über Null dürfte das Wachstum seinen Tiefpunkt erreicht haben und es sollte keinen schärferen Abschwung in Europa geben. Als großer Exporteur dürfte die Eurozone zudem Auftrieb durch den schwächeren Euro und die anziehende Erholung in anderen Regionen, allen voran den USA, erhalten. Als Nettoimporteur von Energie werde Europa vom jüngsten Rückgang der Ölpreise profitieren. Mit einem Kaufprogramm für Staatsanleihen würden die Experten im ersten Quartal 2015 rechnen und glauben, dass die verstärkten Stimulationsmaßnahmen der EZB die Wirtschaft stützen dürften. Bezüglich des Ausmaßes dieser finanziellen Stimulationen würden die Experten allerdings skeptisch bleiben.
Tatsächlich gebe es für die Eurozone bereits erste positive Anzeichen, da viele Unternehmen mit ihren Ergebnissen für das dritte Quartal die Erwartungen übertroffen hätten. Erfreulich dabei sei, dass die höheren Gewinne von einer unerwartet guten Umsatzentwicklung getragen würden. Verhaltenere Prognosen seitens der Unternehmen, diversifizierte Märkte und die Euro-Schwäche seien allesamt Faktoren, die gute Aussichten für Aktien versprechen würden.
Für 2014 würden die Experten mit einem Gewinnwachstum von rund 6 Prozent rechnen. Diese Rate könnte sich im kommenden Jahr selbst mit nur 1 bis 2 Prozent BIP-Wachstum und ohne große Strukturreformen verdoppeln. Außerdem lägen die Bewertungen mittlerweile leicht unter ihrem historischen Durchschnittswert, sodass europäische Aktien selbst ohne weiteren KGV-Anstieg zweistellige Erträge erzielen könnten.
Der Aktienzyklus gehe nun von der "Hoffnungsphase", in der die Performance größtenteils von höheren Kurs/Gewinn-Verhältnissen getrieben werde, über in die "Wachstumsphase" mit Gewinnwachstum als Haupttreiber. Daher würden die Experten es für möglich halten, dass die Eurozone im Vergleich zu anderen Regionen höhere Veränderungsraten aufzeigen werde.
Die Wirtschaft der Eurozone zeige kaum weiteres Abwärtsrisiko und die Lage sollte sich dank der geldpolitischen Bemühungen und der Normalisierung des Bankensektors langsam aufhellen. Dieses Szenario verschaffe den Aktien Spielraum für Kursanstiege, da die Unternehmensgewinne von einem anziehenden globalen Wachstum und einem schwachen Euro profitieren würden. Nach Meinung der Experten werde das Gewinnwachstum die Aktienmärkte beflügeln, wobei angesichts der geringen Erwartungshaltung endlich mit positiven Überraschungen zu rechnen sei.
Insgesamt seien auch die Experten der Ansicht, dass die Eurozone ihren wirtschaftlichen Tiefpunkt vermutlich erreicht habe. So gesehen stelle sich die makroökonomische Lage jetzt weniger schlimm dar, während der Unternehmenssektor wirklich besser dastehen dürfte.
Weltweit betrachtet würden die Experten davon ausgehen, dass die USA das globale Wachstum weiter anführen und dabei die kurzfristigen Zinsen nach oben treiben würden. Lokal ausgerichtete US-Titel sollten von diesem Umfeld profitieren, weshalb die Experten in Hochzinsanleihen und Aktien übergewichtet seien. Im Zuge der anhaltenden wirtschaftlichen und geldpolitischen Divergenz zwischen den größten Industrienationen würden die Experten für diese Länder mit attraktiven taktischen Anlagegelegenheiten rechnen.
Längerfristig würden die Experten auch die Schwellenmärkte überzeugen, wo die Experten strategisch übergewichtet seien. Mit steigender Volatilität würden die Experten dort eine immer breitere Renditestreuung und jede Menge Wertpotenzial als Belohnung für einen aktiven Managementstil sehen. Die Experten seien aufgrund des steigenden Dollarkurses vorsichtig gegenüber potenziellen Finanzierungsproblemen, würden aber glauben, dass die Anleger reformorientierten Ländern weiter den Vorzug geben würden.
Länder, die sich wie Brasilien durch leicht identifizierbare Probleme und ansprechende Bewertungen auszeichnen würden, könnten mit einer glaubwürdigen Agenda eine gute Performance verzeichnen. Die Experten würden Indien bevorzugen, dort aber noch eine konkretere Politik vermissen. Für China schließlich seien die Experten optimistisch gestimmt, da das Land Herausforderungen aktiv angehe. (Ausgabe November 2014) (12.12.2014/fc/a/m)
Daher würden die Experten riskantere Anlagen bevorzugen, insbesondere Aktien gegenüber Zinspapieren. Diese Einschätzung werde durch drei wichtige Makroentwicklungen der letzten Monate untermauert: Zum einen stütze der rapide Verfall der Ölpreisnotierungen den weitgehend positiven Wachstumsausblick der Experten. Dies hänge teilweise mit den effektiv höheren Realeinkommen zusammen, die sich aus der Ölverbilligung ergeben würden und den Nettoimporteuren zugute kommen sollten.
Zweitens würden die Zentralbanken in der Eurozone und Japan - den Schwachstellen der Weltwirtschaft - gerade ihre finanziellen Anreize erhöhen. Die FED hingegen habe in den USA die quantitative Lockerung beendet, wodurch die Entwicklung der Industriemärkte in unterschiedliche Richtungen verstärkt an Bedeutung gewinne. Drittens hätten sich die Märkte trotz des jüngsten Volatilitätsanstiegs gut behauptet und die Experten würden keine strukturelle Verlagerung hin zu einem Marktumfeld mit hoher Volatilität erwarten.
Europa habe sich Mitte 2013 aus der Rezession befreien können, das Wachstum sei jedoch in 2014 selbst hinter den niedrigsten Erwartungen weiter zurückgeblieben. Die generelle Prognose für 2015 sei zudem drastisch gesenkt worden und liege mit 1,2 Prozent jetzt näher an der hauseigenen Schätzung der Experten von 1 Prozent. Doch obwohl der Makroausblick der Experten bescheiden bleibe, hätten Aktienanleger nach Meinung der Experten guten Grund, etwas optimistischer zu sein.
In Sachen Konjunktur würden die Experten nach wie vor große Hürden sehen. Ihre Inflationsprognose für die Eurozone falle noch pessimistischer aus, da sie im kommenden Jahr anstelle eines Anstiegs auf 1 Prozent einen Rückgang auf 0,4 Prozent erwarten würden. Die fallenden Energiepreise würden einen kurzfristigen Abwärtsdruck auf die Inflation ausüben. Daneben gebe es aber auch noch längerfristige strukturelle Faktoren, die das Wachstum geschwächt hätten und sich nicht so schnell beseitigen lassen dürften.
Bei knapp über Null dürfte das Wachstum seinen Tiefpunkt erreicht haben und es sollte keinen schärferen Abschwung in Europa geben. Als großer Exporteur dürfte die Eurozone zudem Auftrieb durch den schwächeren Euro und die anziehende Erholung in anderen Regionen, allen voran den USA, erhalten. Als Nettoimporteur von Energie werde Europa vom jüngsten Rückgang der Ölpreise profitieren. Mit einem Kaufprogramm für Staatsanleihen würden die Experten im ersten Quartal 2015 rechnen und glauben, dass die verstärkten Stimulationsmaßnahmen der EZB die Wirtschaft stützen dürften. Bezüglich des Ausmaßes dieser finanziellen Stimulationen würden die Experten allerdings skeptisch bleiben.
Für 2014 würden die Experten mit einem Gewinnwachstum von rund 6 Prozent rechnen. Diese Rate könnte sich im kommenden Jahr selbst mit nur 1 bis 2 Prozent BIP-Wachstum und ohne große Strukturreformen verdoppeln. Außerdem lägen die Bewertungen mittlerweile leicht unter ihrem historischen Durchschnittswert, sodass europäische Aktien selbst ohne weiteren KGV-Anstieg zweistellige Erträge erzielen könnten.
Der Aktienzyklus gehe nun von der "Hoffnungsphase", in der die Performance größtenteils von höheren Kurs/Gewinn-Verhältnissen getrieben werde, über in die "Wachstumsphase" mit Gewinnwachstum als Haupttreiber. Daher würden die Experten es für möglich halten, dass die Eurozone im Vergleich zu anderen Regionen höhere Veränderungsraten aufzeigen werde.
Die Wirtschaft der Eurozone zeige kaum weiteres Abwärtsrisiko und die Lage sollte sich dank der geldpolitischen Bemühungen und der Normalisierung des Bankensektors langsam aufhellen. Dieses Szenario verschaffe den Aktien Spielraum für Kursanstiege, da die Unternehmensgewinne von einem anziehenden globalen Wachstum und einem schwachen Euro profitieren würden. Nach Meinung der Experten werde das Gewinnwachstum die Aktienmärkte beflügeln, wobei angesichts der geringen Erwartungshaltung endlich mit positiven Überraschungen zu rechnen sei.
Insgesamt seien auch die Experten der Ansicht, dass die Eurozone ihren wirtschaftlichen Tiefpunkt vermutlich erreicht habe. So gesehen stelle sich die makroökonomische Lage jetzt weniger schlimm dar, während der Unternehmenssektor wirklich besser dastehen dürfte.
Weltweit betrachtet würden die Experten davon ausgehen, dass die USA das globale Wachstum weiter anführen und dabei die kurzfristigen Zinsen nach oben treiben würden. Lokal ausgerichtete US-Titel sollten von diesem Umfeld profitieren, weshalb die Experten in Hochzinsanleihen und Aktien übergewichtet seien. Im Zuge der anhaltenden wirtschaftlichen und geldpolitischen Divergenz zwischen den größten Industrienationen würden die Experten für diese Länder mit attraktiven taktischen Anlagegelegenheiten rechnen.
Längerfristig würden die Experten auch die Schwellenmärkte überzeugen, wo die Experten strategisch übergewichtet seien. Mit steigender Volatilität würden die Experten dort eine immer breitere Renditestreuung und jede Menge Wertpotenzial als Belohnung für einen aktiven Managementstil sehen. Die Experten seien aufgrund des steigenden Dollarkurses vorsichtig gegenüber potenziellen Finanzierungsproblemen, würden aber glauben, dass die Anleger reformorientierten Ländern weiter den Vorzug geben würden.
Länder, die sich wie Brasilien durch leicht identifizierbare Probleme und ansprechende Bewertungen auszeichnen würden, könnten mit einer glaubwürdigen Agenda eine gute Performance verzeichnen. Die Experten würden Indien bevorzugen, dort aber noch eine konkretere Politik vermissen. Für China schließlich seien die Experten optimistisch gestimmt, da das Land Herausforderungen aktiv angehe. (Ausgabe November 2014) (12.12.2014/fc/a/m)


