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Eurozone Rentenmärkte im Zeichen der Staatsschuldenkrise


14.04.11 14:18
Metzler Asset Management

Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die Rentenmärkte standen im ersten Quartal ganz im Zeichen der europäischen Staatsschuldenkrise sowie der überraschenden Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB) im März, den Leitzins bei der nächsten Notenbanksitzung anheben zu wollen, so die Experten von Metzler Asset Management.

Als eine Folge davon sei die Rendite zweijähriger Bundesanleihen von 0,86% zu Beginn des Quartals auf 1,79% zu Quartalsultimo gestiegen. Auch die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen habe sich um knapp 0,4%-Punkte auf 3,35% erhöht. Die Renditen irischer und portugiesischer Staatsanleihen seien im Quartalsverlauf aufgrund der europäischen Staatsschuldenkrise noch stärker als Bundesanleihen gestiegen. So habe die Rendite zehnjähriger irischer Anleihen nach 9,06% zu Quartalsbeginn bei 10,2% zu Quartalsende notiert; die Rendite zehnjähriger portugiesischer Anleihen sei sogar von 6,6% auf 8,4% gestiegen.

Die Staatsschuldenkrise in der Eurozone habe sich damit im ersten Quartal auf drei Länder verengt: Portugal, Griechenland und Irland. Andere Mitgliedsländer der europäischen Währungsunion, beispielsweise Spanien und Italien, hätten sich von den Turbulenzen abgekoppelt - ihre Rentenmärkte hätten sich relativ stabil entwickelt.

Die Eurozone werde aus Sicht der Experten noch die nächsten zwei bis drei Jahre mit der Staatsschuldenkrise zu kämpfen haben, da die Haushaltslage der Krisenstaaten immer noch angespannt sei. Erst wenn alle Mitgliedsländer der europäischen Währungsunion einen ausgeglichenen Staatshaushalt vor Zinszahlungen aufweisen würden - den so genannten Primärsaldo -, dürfte sich die Lage in der Eurozone wieder nachhaltig beruhigen.

Ein ausgeglichener Primärsaldo gehe zumeist mit einer Stabilisierung der Staatsverschuldung einher. Der im März ausgehandelte Rettungsschirm löse zwar nicht das Problem der hohen Haushaltsdefizite in den einzelnen Ländern, reduziere aber die Risiken eines ungeordneten Staatsbankrotts. Eine bald anstehende Umschuldung Griechenlands würden die Experten - trotz immer wieder aufflackernder Gerüchte - nach wie vor für unwahrscheinlich halten.

Die Konsequenzen für das Bankensystem in der Eurozone wären zu gravierend und letztendlich sehr wahrscheinlich mit dem "Lehman-Brothers-Schock" vom Herbst 2008 vergleichbar. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Staatsschuldenkrise in der Eurozone müsse die EZB vorsichtig agieren, um zu vermeiden, dass sich die Krise infolge einer Verknappung der Liquidität verschärfe.

Die Fundamentaldaten, eine Inflationsrate von 2,6% im März sowie ein robustes Wirtschaftswachstum würden für deutlich höhere Zinsen sprechen; nach dem Prognosemodell der Experten müsste die EZB den Leitzins schon jetzt auf 2,5% anheben. Im zunehmenden Konflikt zwischen Finanzmarkt- und Preisstabilität scheine sie sich derzeit jedoch eher für die Finanzmarktstabilität zu entscheiden. (Ausgabe vom 13.04.2011) (14.04.2011/fc/a/m)