ETFs: Nicht mehr auf Nummer sicher


21.08.12 16:55
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Freundliche Aktienmärkte und Entspannung signalisierende Rentenmärkte veranlassen viele ETF-Anleger, ihre Positionen neu zu bestimmen: Vor allem Indexfonds mit den "sicheren Häfen" deutsche Staatsanleihen sinken in der Gunst der Investoren und werden abgestoßen, so die Deutsche Börse AG.

Frei werdende Gelder würden zum Teil in Aktien-ETFs fließen, dabei dürfe es mittlerweile sogar wieder etwas exotischer sein. Einigen Anlegern sei die Rally aber wohl schon zu weit gegangen: Sie würden die Liquidität in Geldmarkt-Indexfonds parken und der Dinge harren.

Allerdings seien die Umsätze nicht unbedingt hoch, Sommerpause und Hitzewelle würden sich bemerkbar machen. "Da bleibt so mancher seinem Schreibtisch fern", erkläre Alexander Kuppler von der Deutschen Bank. Auch Martina Schröttle von der Commerzbank spreche von einem unterdurchschnittlichem Handelsvolumen. "Das war wohl eine der ruhigsten Wochen des Jahres", meine Bernardus Roelofs von Flow Traders sogar. "Es gab ja auch kaum Nachrichten." Allenfalls die Aussage von Angela Merkel, in der Eurokrise hinter dem EZB-Kurs zu stehen, habe Aufmerksamkeit gefunden.

Entspannung am Rentenmarkt - das bedeute sinkende Kurse für Bundesanleihen und schrumpfende Risikoaufschläge für Krisenländer. Seit Anfang des Monats sei der Euro-Bund-Future, der als richtungsweisend für die Entwicklung deutscher Staatsanleihen gelte, auf dem Rückzug. Das finde seine Entsprechung im ETF-Handel. "Indexfonds mit Bundesanleihen unterschiedlicher Laufzeiten werden abgestoßen", berichte etwa Schröttle. Stattdessen werde auf renditestärkere Unternehmens- oder Staatsanleihen-ETFs gesetzt. Vor allem aber würden Geldmarktprodukte gekauft (ISIN DE000A0Q4RZ9 / WKN A0Q4RZ).

"Deutschland ist nicht mehr so gefragt", fasse Roelofs die Lage im Rentenbereich zusammen. Er melde Abflüsse aus dem iShares eb.rexx Government Germany 5,5-10,5 (ISIN DE0006289499 / WKN 628949) und dem iShares eb.rexx Jumbo Pfandbriefe. Jörg Sengfelder von der DekaBank berichte von Verkäufen im ETFlab Deutsche Börse EuroGov Germany 5-10 und im db x-trackers II iBoxx Euro Germany Covered (ISIN DE000ETFL201 / WKN ETFL20, ISIN LU0321463506 / WKN DBX0AX). Zugegriffen werde hingegen weiter im iShares Barclays Capital Euro Corporate Bond ex-Financials, einem Indexfonds, der die Entwicklung europäischer Unternehmensanleihen außerhalb der Finanzbranche nachzeichne.

Alexander Kuppler zufolge würden Produkte mit europäischen Staatsanleihen (ISIN LU0290355717 / WKN DBX0AC) abgestoßen, von inflationsindexierten ETFs hätten sich Anleger ebenfalls verabschiedet. Auch er sehe Geldmarkt-ETFs auf den Einkaufslisten.

Wem Geldmarkt-ETFs zu langweilig seien, engagiere sich weiter im Aktienmarkt. Laut Kuppler würden sich Investoren besonders für EURO STOXX 50-Tracker sowie ETFs interessieren, die Indices außerhalb Deutschlands abbilden würden, etwa den MSCI World, den S&P 500, den STOXX 600 und den MSCI Japan. "DAX-Tracker werden dagegen eher abgebaut."

Auch für Sengfelder stünden EURO STOXX 50-Tracker (ISIN DE000ETFL029 / WKN ETFL02) auf den Beliebtheitslisten ganz oben. Anteile an DAX-Portfolios würden nachgefragt, wenn auch in geringerem Ausmaß (ISIN DE000ETFL011 / WKN ETFL01). Schröttle von der Commerzbank habe sogar einen leichten Verkaufsüberhang im Aktienbereich registriert. "52 Prozent Verkäufe standen 48 Prozent Käufen gegenüber." Vor allem DAX-ETFs seien aus den Portfolios geflogen, während Anleger in STOXX 600-ETFs eingestiegen seien.

Für Roelofs fehle die klare Richtung. Ihm zufolge würden sich Anleger etwa im Lyxor Eastern Europe, im iShares MSCI Taiwan (WKN A0HG2K) und im iShares MSCI Korea positionieren. Gleichzeitig würden auch Short DAX-ETFs gekauft, mit denen auf einen fallenden DAX gesetzt werden könne (ISIN LU0292106241 / WKN DBX1DS). Abgestoßen würden hingegen Produkte wie der iShares S&P 500 Monthly Euro Hedged, der Lyxor EURO STOXX 50 Dividends und der iShares DJ China Offshore 50.

Ausgesprochen wenig los sei den Händlern zufolge im Bereich der Sektoren gewesen. Die Deutsche Bank könne hier keine auffälligen Trends ausmachen. "Banken- und Nahrungsmittel-ETFs werden eher gekauft", meine unterdessen Sengfelder von der DekaBank (ISIN DE0006289309 / WKN 628930, ISIN FR0010345371 / WKN LYX0AP, ISIN FR0010344861 / WKN LYX0AR). Umsatzstark würden sich der Commerzbank zufolge wie üblich Indexfonds präsentieren, die die Grundstoff- und die Gesundheitsbranche abbilden würden (ISIN LU0378435472 / WKN ETF063, ISIN LU0378435985 / WKN ETF068). Diese hätten vor allem Zuspruch gefunden. In den ebenfalls umsatzstarken Versicherungs-ETFs (ISIN LU0378437338 / WKN ETF079) hätten hingegen Abflüsse dominiert. (21.08.2012/fc/a/e)






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