ETF-Handel: Zurückhaltung trotz Rekordlaune


07.05.13 16:52
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Trotz Jubelstimmung an der Börse: Von einem Ansturm auf Aktien-ETFs kann nicht die Rede sein, so die Deutsche Börse AG.

"Nach dem April, in dem das Handelsaufkommen bei uns so hoch war wie noch nie, ist es jetzt ruhiger", berichte Daniele Sabato von Flow Traders. Das würden auch andere Händler so sehen: "Wir haben einen deutlich Rückgang bei der Anzahl der Trades und den Volumina", melde Frank Mohr von der Commerzbank. Zwar spiele auch der Feiertag in der vergangenen Woche eine Rolle, Anleger hätten sich aber offenbar auch gefragt, wie es nun weitergehe. "Vom Sell in May sind wir allerdings ganz weit weg." Mit 65 Prozent hätten Käufe klar überwogen.

Auch laut Gregor Hamme von der UniCredit Group sei nicht mehr so viel los. "Aber fast alle Umsätze sind auf der Käuferseite." Am Freitag habe der DAX nach guten US-Arbeitsmarktzahlen auf einem Rekordhoch geschlossen, am heutigen Dienstag gehe es weiter aufwärts - auf ein neues historisches Hoch. Damit sei der alte Rekordstand von 8.151,57 Punkten aus dem Jahr 2007 Geschichte.

Mohr zufolge hätten sich Anleger - anders als in den Vorwochen - wieder auf DAX- und EURO STOXX-Tracker (ISIN LU0378438732 / WKN ETF001, ISIN LU0378434079 / WKN ETF050) konzentriert. Laut Hamme seien viele Investoren auch im iShares DivDAX eingestiegen, der die Entwicklung der 15 DAX-Unternehmen mit der höchsten Dividendenrendite abbilde. "Wir sind ja mitten in der Dividendensaison." Der iShares DivDAX habe mit einer Rendite von 7,2 Prozent in den vergangenen vier Wochen und 7,5 Prozent auf Sicht von drei Monaten zuletzt tatsächlich besser abgeschnitten als der klassische iShares DAX mit 5,2 beziehungsweise 6,3 Prozent.

Sabato habe den Eindruck, dass sich Anleger nicht auf ein Land würden festlegen wollen. "Die Stimmung ist positiv, besonders nach der letzten EZB-Zinssenkung, eine konkrete Idee fehlt aber." So werde auf den MSCI World oder den EURO STOXX 50 gesetzt. Einige Investoren hätten ihre Gewinne aber jetzt auch glattgestellt. "Der EURO STOXX oder der FTSE MIB sind sehr gut gelaufen, so mancher steigt jetzt aus." Der CS ETF on FTSE MIB, der an den italienischen Aktienmarkt gekoppelt sei, habe seit Mitte April um fast 10 Prozent zugelegt.

Daneben fließe weiterhin viel Geld gen Asien. Wie Mohr beobachtet habe, würden ETFs mit Aktien des MSCI Japan und des MSCI Pacific ex Japan (ISIN LU0392495296 / WKN ETF115, ISIN LU0446734526 / WKN A0X97T) viel gekauft.

Flow Traders sehe ebenfalls großes Interesse an Asien. Der japanische Nikkei sei am Freitag zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder über die Marke von 14.000 Punkten gesprungen, am heutigen Dienstag habe der Index bei 14.180 Zählern geschlossen. Halter von ETFs auf japanische Aktien könnten sich daher freuen: Etwa könne der UBS MSCI Japan auf Sicht von sechs Monaten mittlerweile ein Plus von fast 30 Prozent verzeichnen.

Von den Sektoren würden Banken-ETFs Hauptthema bleiben. "Wir hatten deutliche Käufe", berichte Hamme. Besonders an den EURO STOXX Banks gekoppelte ETFs seien gut weggegangen, weniger vom STOXX 600 Banks, der unter anderem auch britische Banken einbeziehe.

Auch Grundstoff-Indexfonds hätten viele Anhänger gefunden, etwa der Lyxor Stoxx Europe 600 Basic Resources. "Das hat wahrscheinlich auch mit der vergangene Woche abgeschlossenen Fusion von Glencore und Xstrata zu tun, die Aufmerksamkeit auf die Branche gelenkt hat." Auf den Verkaufslisten ganz oben habe Mohr zufolge der ComStage Stoxx Europe 600 Food & Beverage (ISIN LU0378435803 / WKN ETF067) gestanden.

Wenig Beachtung würden unterdessen Renten-ETFs finden. "Die machten vergangene Woche nur 10 Prozent unserer Umsätze aus, das ist viel weniger als üblich", bemerke Mohr. Als nennenswerten Trend könne er allenfalls Abgaben in Indexfonds auf deutsche Staatsanleihen ausmachen.

Ciriaco Carrozino von der UniCredit in London berichte von umfangreichen Zuflüssen in ETFs mit italienischen oder spanischen Staatsanleihen, vor allem den iShares Barclays Italy Treasury Bond und den iShares Barclays Spain Treasury Bond (ISIN DE000A1J0BH7 / WKN A1J0BH). Die hätten im Zuge der Entspannung an den Märkten - die Rendite italienischer und auch spanischer zehnjähriger Staatsanleihen sei unter 4 Prozent gefallen - ordentlich zulegen können. Unternehmensanleihen seien dem Händler zufolge hingegen nicht mehr so gefragt. "Das war 2012 das große Thema. Jetzt sind die Umsätze viel niedriger." (07.05.2013/fc/a/e)